Pflanzenbau News Strickhof vom 26. August 2026
Raps
Raps nach Mais – geht das?
Nur bedingt. Wegen des Futtermangels kommen einige auf die Idee, die Fruchtfolge umzustellen, mehr Kunstwiese anzusäen und Raps nach Mais auszusäen, weil der Mais dieses Jahr viel früher geerntet wird. Raps nach Mais ist jedoch nur nach dem Einsatz folgender Herbizide möglich: Tembotrione (Laudis/Barst), Pyridate (Lentagran, Herbasan) oder Dimethenamid-P (Spectrum, Frontier X2, Loper, Mazil). Von den anderen Maisherbiziden wie beispielsweise Equip, Equip Power, Adengo, Callisto/Temsa SC, Titus oder Rimuron befinden sich immer noch Wirkstoffreste im Boden. Selbst wenn gepflügt würde, wären noch Reste vorhanden, die den Raps schädigen. Deshalb ist der Nachbau von Raps nach Herbiziden ausserhalb der erwähnten Ausnahmen nicht möglich.
Unkrautbekämpfung
Ein feines, abgesetztes Saatbett ist entscheidend für einen gleichmässigen Feldaufgang und eine gute Jugendentwicklung des Raps. Aufgrund der Restfeuchte im Boden ist zudem eine gute Wirkung des Bodenherbizids zu erwarten, welches sich so optimal in den obersten 1,5 cm des Bodens verteilt.
Die Keimbedingungen stimmen aber auch für das Ausfallgetreide im Raps, sofern der Acker nicht gepflügt wurde. Die Raps-Vorauflaufherbizide haben eine ungenügende Wirkung gegen Ausfallgetreide. Es braucht meist eine separate Spritzung. Im Herbst stehen im Nachauflauf spezifische Gräserherbizide (Mittelheft 2026, Seite 104) zur Verfügung, die eine ausgezeichnete Wirkung gegen Ausfallgetreide haben.
Feldhygiene
Rapsstoppeln und oberflächliche Ernterückstände bilden die Hauptquelle für Phoma-Infektionen im neuen Rapsbestand. Zudem kann Phoma auch über Kreuzblütler-Unkräuter (z. B. Hirtentäschel) übertragen werden. Auch beim Rapserdfloh gilt: Je weiter die neue Rapsparzelle vom Ausfallraps der Vorjahreskultur entfernt ist, desto geringer ist das Befallsrisiko. Es empfiehlt sich daher, den Ausfallraps vor der Rapssaat abzustoppen und die Rotte der Erntereste durch Mulchen oder flache Bodenbearbeitung zu fördern. Eine zu späte Bearbeitung des Ausfallrapses gilt es zu vermeiden, da dies eine starke Massenmigration von Erdflöhen in die Neuaussaat auslösen kann.
Kohlhernie lässt sich nicht chemisch bekämpfen, weshalb vor allem in vernässten Stellen vorbeugend gearbeitet werden muss. Dies gelingt durch längere Anbaupausen, die konsequente Bekämpfung von Ausfallraps und Hirtentäschel in Neuanlagen sowie den Verzicht auf kreuzblütlerhaltige Gründüngungen (z. B. Senf). Ergänzend hemmt das Anheben des pH-Wertes durch Kalkung (z. B. Branntkalk, Rübenkalk oder Meeralgenkalk) die Ausbreitung der Krankheit. Für den Rapsanbau auf bekannten Befallsflächen steht die Sorte Cromat zur Verfügung, welche eine genetische Resistenz gegen bestimmte Pathotypen der Kohlhernie aufweist.
Wiesen
Futterpflanzen können grundsätzlich mit solchen Wetterbedingungen umgehen, sofern sie nicht übernutzt wurden. Vor allem aber das Raigras erträgt lange Trockenheit und Temperaturen über 30°C schlecht. Was soll nun mit diesen Wiesenbeständen gemacht werden? Dabei muss zwischen Natur- und Kunstwiesen unterschieden werden.
Kunstwiesen
Diese regenerieren in der Regel problemlos, vorausgesetzt, es gibt noch mindestens einen kleinen grünen Trieb in den Stoppeln. Den ausgetrockneten Rotklee kann man problemlos stehen lassen; er dient als «Schattenspender» für die wiederaustreibenden Sprosse. Die erste Nutzung erfolgt, sobald man die jungen Triebe abmähen kann. Ein behutsames Beweiden ist ebenfalls möglich.
Naturwiesen
Ein besonderes Augenmerk muss dem Ausläufer-Straussgras geschenkt werden. Während das Gemeine Rispengras schon längst vertrocknet ist, konnte sich das minderwertige Ausläufer-Straussgras halten und ist immer noch grün. Damit es sich nicht weiterverbreitet, müssen ihm die oberirdischen Ausläufer abgeschnitten werden, um die Pflanze zu schwächen. Danach ist eine Übersaat sinnvoll. Dabei muss das Saatgut unbedingt 1–2 cm tief im Boden abgelegt werden. Am besten eignet sich dafür eine Scheibensämaschine (z. B. Fredo, Direktsämaschine oder schwere Getreidesämaschine). Streu- und Striegelsaaten auf den ausgebrannten Boden sind deutlich weniger erfolgreich. Ein Striegeldurchgang bei moderaten Temperaturen kann dem Bestand ebenfalls helfen: Die oberste Bodenschicht wird geöffnet, sodass der Regen besser einsickern kann. Zudem erhalten die abgesamten Raigrassämlinge einen besseren Bodenkontakt, was das Anwachsen stark fördert.
Düngung
Bestehende Wiesen leiden grundsätzlich nicht an Nährstoffmangel; im Verhältnis zum bisherigen Ertrag wurden die meisten Bestände gut versorgt. Eine zusätzliche Düngung – unabhängig davon, ob übersät wurde oder nicht – bringt keinen besseren Wiederaustrieb.
Blacken
Mit der per 1. Juli 2026 abgelaufenen Aufbrauchfrist von Asulam entfällt ein wichtiger Baustein für die flächige Blackenbekämpfung, weshalb die vorbeugende Unkrautkontrolle stärker an Bedeutung gewinnt.
Während in der Sommertrockenheit die Wiesengräser ihren Dienst quittierten, konnten die tief wurzelnden Blacken ohne Konkurrenzdruck ihre Samenständer ausbilden. Diese sind jetzt rot bzw. überreif. Vor einer chemischen Bekämpfung im Einzelpflanzenverfahren sollten diese deshalb entfernt werden. Beachten Sie in jedem Fall die produktspezifischen Wartefristen (vgl. Mittelheft, S. 100 ff.). Ferner ist eine Anwendung des aminopyralidhaltigen Mittels Simplex nur bis Ende August zulässig.
Mais
Mais auf Mais im Anbaujahr 2027 möglich
Als Sofortmassnahme gegen den akuten Futtermangel hat der Kanton Zürich die Fruchtfolgeeinschränkungen im Zusammenhang mit dem Maiswurzelbohrer aufgehoben (wir informierten im Newsletter von letzter Woche).
- Hier gelangen Sie zum detaillierten Beitrag zu dieser Massnahme:
www.strickhof.ch: Massnahme gegen Futtermangel: Fruchtfolgeeinschränkung beim Maiswurzelbohrer im Jahr 2027 aufgehoben
Zuckerrüben
Aktuelle Situation
Die Niederschläge haben für etwas Entspannung gesorgt. Dennoch haben die Trockenheit und die Schädlinge, welche mit diesen Bedingungen gefördert wurden, die Zuckerrübenkultur enorm gezeichnet. Auf kiesigen und flachgründigen Böden ist das Blattwerk der Rüben teils gänzlich verdorrt. Bis der Blattneuaustrieb ausgestossen ist vergehen mehrere Wochen, weshalb auf solchen Parzellen nicht mehr mit grossen Ertragszuwächsen gerechnet werden kann. Die von der Trockenheit geförderte Rübenmottenlarve hat zudem vielerorts die Herzblätter der Rüben abgefressen, wodurch der Neuaustrieb noch mehr in weite Ferne rückt. Mancherorts führt der Bohrfrass der Rübenmottenlarve im Zuckerrübenherz nun zu Fäulnisfällen am Rübenkopf. Eine Bekämpfung der Rübenmotte ist zum jetzigen Zeitpunkt in den allermeisten Fällen zu spät.
Laut der Schweizer Zucker AG können Rübenlieferungen mit mehr als 15% nassfaulen Rüben nicht mehr in den Werken verarbeitet werden. Bei einem überschreiten dieser Grenze behält sich die Fabrik vor, die Lieferung auf Kosten des Produzenten zurückzuweisen. Eine Stichprobe liefert Gewissheit, wie viele Rüben im Bestand faul sind. Hierzu sollte bestenfalls eine Stichprobe von 100 Rüben quer durchs Feld gezogen werden. Die faulen Rüben werden anschliessend ausgezählt. Sind mehr als 15 Rüben von den 100 gezogenen bereits zum jetzigen Zeitpunkt faul, so muss ein Umbruch in Betracht gezogen werden. Einzelkulturbeiträge und Produktionssystembeiträge bleiben auch im Falle eines Umbruchs aufgrund der diesjährigen aussergewöhnlichen Situation gesichert.
Vielerorts können nun die Bohrlöcher des Rübenrüsslers in den Zuckerrüben gesehen werden. Dieses Bild sieht beängstigend aus. Sofern die Bohrlöcher aber verkorkt sind und das benachbarte Rübenfleisch trocken ist, können die Rüben normal verarbeitet werden. Für die Verarbeitung der Rüben sind vor allem nasse, schmierige Fäulnisfälle problematisch. Detailliertere Informationen rund um die aktuelle Situation sind auf der brancheninternen BetaSwiss-App zu entnehmen.