So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

Auswirkungen der Trockenheit auf Krankheiten und Schädlinge im Zuckerrübenanbau

Die Trockenheit schreitet weiter fort. Die Schäden des Rübenrüsslers wirken sich je nach Region auf die Trockenheitsverträglichkeit der Kultur aus. In vielen Regionen lassen die Zuckerrüben ihre Blätter hängen oder legen diese auf den Boden ab. Die älteren Blätter sind oftmals bereits verdorrt.

Trockenheit hemmt Blattflecken

Die ausgeprägte Trockenheit hält weiter an. Vielerorts hängen die Rübenblätter oder sind bereits verdorrt. Da ist es ein geringer Trost, dass die Cercospora-Krankheit aufgrund dieser trockenen Bedingungen ebenfalls in ihrer Entwicklung ausgebremst wird. Eine optimale Entwicklung der Krankheit setzt zwar warme Temperaturen voraus, jedoch auch eine gewisse Feuchtigkeit. In Rübenparzellen, welche regelmässige Gewitter – und somit auch Feuchtigkeit – hatten, können nun die ersten Cercospora-Symptome beobachtet werden. Aber auch in diesen Gebieten ist aufgrund der trockenen Verhältnisse nicht mit einer raschen Ausbreitung zu rechnen. In den meisten Regionen kann deshalb mit der nächsten Fungizidapplikation zugewartet werden. Bei Parzellen mit einem frühen Abfuhrtermin Ende September ist der Zeitpunkt einer Schlussbehandlung bereits verstrichen. Als Faustregel gilt: Innerhalb von sechs Wochen vor Abfuhrtermin sollten keine Fungizidapplikationen mehr durchgeführt werden. Die Applikation eines Fungizidschutzes macht nur auf Parzellen Sinn, wo das Blattwerk der Rüben noch intakt ist.

Zuckerrüben Trockenheit Kanton VD 2026
Westschweizer Anbaugebiete wie die Genferseeregion wurden im Jahr 2026 besonders stark von den Folgen der Trockenheit und Rübenrüsslerschäden getroffen. Foto: M. Lüscher, SFZ

 

Rübenrüssler

Dieses Jahr wurde erstmals eine Notfallzulassung einer einmalig applizierten Acetamiprid-Behandlung gegen den Rübenrüssler ausgesprochen. Sobald die ersten Käfer in den Rübenbestand eingeflogen waren, konnte eine kantonale Sonderbewilligung zur Bekämpfung des Käfers beantragt werden. Der Zeitpunkt war dabei entscheidend: Die Behandlung musste auf den Einflug des Rübenrüsslers appliziert werden, da die Wirkung des Insektizids auf bereits im Stängel abgelegte Eier oder Larven unzureichend ist. Zurzeit sieht die Situation in vielen Parzellen, welche den Einflug nicht mit Insektiziden abgefangen haben, nicht sehr schön aus. Die extreme Trockenheit hat das Auftreten des Rübenrüsslers gefördert und so auch dessen Schadbild in den Rüben. Die ersten Bohrlöcher in den Rüben wurden bereits im Juni festgestellt – so früh wie noch nie. Momentan befinden sich die letzten Rübenrüsslerlarven in der Verpuppung. Die frisch aus der Verpuppung geschlüpften adulten Käfer bilden nun die zweite Generation. Diese Generation kann wiederum Frassschäden an den Rübenblättern verursachen. Die grössere Gefahr bilden jedoch die Bohrlöcher in den Rüben. Diese können von Sekundärparasiten wie Pilzen und Bakterien als Eintrittspforte genutzt werden. In den vergangenen Tagen wurden bereits erste Parzellen im Starkbefallsgebiet der Westschweiz (Genferseegebiet) wegen Fäulnis umgebrochen. Ob die Rüben zu faulen beginnen, hängt vom Ausmass der Bohrlöcher und vor allem von der Witterung ab. Die Zuckerrübe ist in der Lage die Wunden zu verheilen. Die Bohrlöcher verkorken mit der Zeit und das betroffene Gewebe der Zuckerrüben bleibt trocken. Die Rübe bleibt in dieser Form relativ gut lagerfähig. Bohrlöcher im Rübenkörper bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Rübe verfault. Setzt jedoch bereits jetzt eine nasse und schmierige Fäulnis um die Bohrlöcher ein, so ist damit zu rechnen, dass die Rüben nicht mehr geerntet werden können. Im Kanton Zürich sind die Rübenrüsslerschäden bislang nicht so akut wie in Teilen der Westschweiz, weshalb auch nicht mit grösseren Fäulnisfällen zu rechnen ist. 

Die meisten Rübenrüssler haben die Rübenkörper bereits wieder verlassen. Erfahrungsgemäss legt die zweite Generation des Rüsselkäfers unter Schweizer Bedingungen keine Eier mehr in die Blattstängel der Rüben ab, sondern verkriecht sich in ihr Winterquartier. Daher ist davon auszugehen, dass es nun zu keinen weiteren Eiablagen kommen wird. Ob die ungewöhnliche Wetterlage etwas am gewohnten Verhalten des Käfers ändert, bleibt abzuwarten.

Die Versuche und Erkenntnisse mit einer terminlich korrekt applizierten Acetamiprid-Behandlung zum Einflug des Rübenrüsslers sind durchwegs positiv. Rückblickend betrachtet, fand der diesjährige Haupteinflug des Rübenrüsslers in der letzten Maiwoche statt. Eine Behandlung in diesem Zeitraum stellte sich als sehr effektiv heraus. Das bisherige trockene Jahr 2026 förderte das Auftreten des Rübenrüsslers. Er konnte seine Populationsgrösse auch in neu befallenen Regionen massiv erhöhen. Daher ist davon auszugehen, dass er auch nächstes Jahr breit im Anbaugebiet vertreten sein wird. Die Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau und die gesamte Branche wird sich wiederum für eine Notfallzulassung von Acetamiprid für das Anbaujahr 2027 zur Bekämpfung des Rübenrüsslers einsetzen. Die Entscheidung über den Einsatz dieser Massnahme zur Bekämpfung des Rübenrüsslers liegt schlussendlich bei jedem Rübenproduzenten selbst. Die Branche appelliert an die Eigenverantwortung der Produzenten, alle Möglichkeiten zu nutzen, um gesunde und ertragreiche Rüben ernten zu können.

Zuckerrüben 2026
Vergleich zwischen unbehandelter Parzelle in Pomy VD (links) und einmalig mit Acetamiprid behandelter Parzelle in Pomy VD (rechts) im Jahr 2026. Die Unterschiede sind klar ersichtlich. Foto: M. Lüscher, SFZ

 

Im Schatten des Rübenrüsslers

Neben dem Rübenrüssler sind auch andere trockenheitsliebende Schädlinge in den Rüben unterwegs. Der Rübenerdfloh sorgt derzeit für späte Schabstellen am Rübenlaub. Diese Schäden sind normalerweise jedoch nicht bekämpfungswürdig. Die Larve der Rübenmotte spinnt die Herzblätter der Zuckerrüben zusammen und frisst diese in der Folge ab. Zudem wandert die Larve im Rübenlaub bzw. Rübenkopf und verursacht dort Eintrittstellen für Fäulniserreger. Symptomatisch für einen Rübenmottenbefall sind die braun-schwarzen Kothaufen am Rübenherz. Das Schadbild der Rübenmottenlarve wird momentan von dem des Rübenrüsslers verdeckt. Eine Bekämpfung ist zwar per kantonaler Sonderbewilligung möglich, jedoch nur mässig von Erfolg gekrönt. Die Mottenlarven befinden sich zurzeit meistens zu tief in den Rübenblättern bzw. Rübenkopf, um von dem Insektizid getroffen werden zu können.

 

www.zuckerruebe.ch

Weiteres Fachwissen

Obst-Info Zürich Nr. 25 vom 2. Oktober 2026
02.10.2026

Obst-Info Zürich Nr. 25 vom 2. Oktober 2026

Aktuelle Situation der Obst-Ernte mit Erntewerten der Sorten Topaz, Bonita und Braeburn. Letzte Info zu den Ernteterminen für das Jahr 2026.
Online-Bauberatung
01.10.2026

Online-Bauberatung

Brauchen Sie eine neutrale und unabhängige Zweitmeinung in der Bauplanungs- oder Ausführungsphase? Wünschen Sie eine fachliche Bauplankontrolle oder Ideen für Ihr Umbauprojekt? Gerne beraten wir Sie n...
Pflanzenbau News Strickhof vom 30. September 2026
30.09.2026

Pflanzenbau News Strickhof vom 30. September 2026

In den Zuckerrüben droht auf Parzellen mit Erdmandelgras ein Spätbefall. Die Terminierung der Getreidesaat hängt ab von der Bodenfeuchte und dem Unkrautdruck. Beim Raps sinken durch das trockene Wette...
Obst-Info Zürich Nr. 24 vom 25. September 2026
25.09.2026

Obst-Info Zürich Nr. 24 vom 25. September 2026

Aktuelle Situation der Apfel-Ernte mit Erntewerten der Sorten Boskoop, Milwa/Diwa, Topaz, Bonita
Pflanzenbau News Strickhof vom 23. September 2026
24.09.2026

Pflanzenbau News Strickhof vom 23. September 2026

Themen dieser Woche: Raps: Der Herbst 2026 wird zur Herausforderung ¦ Getreide: Letzter Herbst mit Flufenacet ¦ Wiesen-Neuansaaten: Säuberungsschnitt; Blackenbekämpfung ¦ Düngung: Borversorgung im Rap...
Planung der Zuckerrüben-Ernte
24.09.2026

Planung der Zuckerrüben-Ernte

Die extremen Temperaturen des Rekordsommers sind allmählich passé. Die damit verbundenen Schäden haben den Rüben vielerorts stark zugesetzt, wodurch sich die Erträge eher dürftig gestalten. Auf einige...
Winterfütterung planen, Teil 3 von 3
18.09.2026

Winterfütterung planen, Teil 3 von 3

Zugekauftes Futter muss immer auf seine hygienische Qualität beprobt werden: Muffiges, schimmliges oder minderwertiges Futter darf nicht angekauft werden. Die Folgekosten in der Tiergesundheit überste...