Ohne Wasser geht nichts im Freilandgemüsebau
Extremjahr 2026
Die Freilandgemüsebetriebe im Kanton sind sich Bewässerungsgaben grundsätzlich gewohnt. Eine Frisch- und Lagergemüseproduktion ohne Möglichkeit der Bewässerung ist seit längerem nicht mehr denkbar. Entsprechend gehören die technischen Einrichtungen wie Rollomaten, Giesswagen oder Bewässerungsrohre mit Kleinregnern zur Standardausrüstung der Betriebe. Für den Wasserbezug verfügen viele Betriebe über eine Entnahmekonzession aus Oberflächengewässern oder dem Grundwasser um nicht auf die kommunalen Wassernetze angewiesen zu sein. In den letzten Jahren realisierte Verbundprojekte wie etwa die Bewässerungsgenossenschaften im Furttal und im Raum Steinmaur beziehen ihr Wasser aus grösseren Wasserkörpern wie Limmat oder Glatt um längerfristig planen zu können. Obschon also Bewässern zum gemüsebaulichen Alltag gehört, war die Häufigkeit der Wassergaben sowie der logistische Aufwand für die Wasserausbringung 2026 alles andere als gewöhnlich. Zudem gab es beim Wasserbezug aus den gewissen kommunalen Netzen und an der Thur auch aus dem Oberflächenbezug schmerzhafte Einschränkungen.
Nicht einfach nur "Überlebenshilfe"
Bei den Pflanzkulturen ist man insbesondere während der Einwurzelungsphase auf rasche Zusatzbewässerung angewiesen, damit die Pflanzen aus dem Jungpflanzensubstrat in den Boden einwurzeln können. Bei Hitzephasen wie diesen Sommer ist das eine Frage von wenigen Stunden die entscheiden, ob eine Kultur anwurzelt oder auf dem Feld eingeht. Bei den Saatkulturen wie etwa den Lagerkarotten, welche im Hochsommer gesät werden, ist ebenfalls die Keimphase entscheidend, damit die Kulturen vollständig und gleichmässig aufgehen und keine lückigen Bestände resultieren. Aber auch nach der ersten sehr heiklen Phase sind Zusatzbewässerungen nötig. Dabei geht es beim Freilandgemüsebau nicht einfach nur darum, dass die Kulturen "über die Runden" kommen. Nebst der quantitativen Ertragssicherung (Kaliber, Stückgewichte) geht es auch häufig um eine qualitative Ertragssicherung. Unregelmässige Wasserversorgung kann z.B. zu einem physiologischen Kalziummangel und Innenbrand führen, welcher z.B. bei Eisbergsalat gefürchtet ist. Oder bei der sehr wasserbedürftigen Kultur Fenchel sind braune Verfärbungen an den Blatträndern ein häufiges Qualitätsproblem in Trockenphasen. Ebenfalls ist eine zügige Kulturentwicklung bei vielen Freilandkulturen vorteilhaft, um dem Schädlingsdruck zu begegnen. Kommt es hingegen infolge Wassermangel zu Wachstumsstockungen, haben Schädlinge wie etwa Erdflöhe in den Kohlarten länger Zeit um Schaden anzurichten, um nur ein Beispiel von Vielen zu nennen. Mit einer bedarfsgerechten Zusatzbewässerung sind also eine ganze Reihe zusätzlicher, nützlicher Effekte verknüpft.
Höhere Produktionskosten
Sofern es zu keinen Bezugseinschränkungen kam, waren die Betriebe grundsätzlich gut aufgestellt, um auf das Extremjahr 2026 reagieren zu können und die Produktion und das Angebot auf dem Markt einigermassen zu halten. Auf der Aufwandseite bedeutete 2026 aber auch wesentlich höhere Kosten. Beispiel Karotten: In den Standardkalkulation aus dem Vollkostenkatalog werden bei Lager- bzw. Verarbeitungskarotten 2-3 Bewässerungsgaben und Verfahrenskosten (Kosten inklusive Arbeit für das Ausbringen) von 1'600 - 2'100 CHF/ha eingerechnet. Im Jahr 2026 zeigten jedoch Aufzeichnungen von Produzenten mehr als 10 Einzelgaben bei Langzeitkulturen wie Karotten. Die Kosten für das Bewässern vervielfachen sich so entsprechend schnell auf Beträge jenseits der 5'000 CHF/ha. Bei einer Kultur mit Vollkosten von "nur" etwas über 22'500 CHF/ha könnten die Bewässerungskosten 2026 also plötzlich fast 1/4 der Produktionskosten ausmachen. Wie viel die Bewässerungskosten prozentual zu Buche schlagen, hängt stark von der Kostenstruktur der Kultur ab. Der relative Anteil liegt bei vollmechanisierten Kulturen wie Karotten höher als bei Kulturen mit vielen Handarbeitsschritten. Die Produktion hat sich aber während der Sommermonate 2026 im Vergleich zur anderen Jahren über alle Kulturen hinweg verteuert. Aus Produzentensicht wäre zu hoffen dass diese Zusatzaufwände am Markt wieder gelöst werden könnten.