Idealer Start ins Kartoffeljahr 2025
Start gelungen
Die meisten Kartoffeln konnten in diesem Jahr rechtzeitig und unter sehr guten Bedingungen gepflanzt werden. Die Regenfälle anfangs Mai brachten dann rechtzeitig die zum Auflaufen benötigte Feuchtigkeit. Dass gewisse Bestände eher zögerlich auflaufen, hat mit der guten Keimruhe der Pflanzkartoffeln aus der letzten Ernte zu tun. Die eher moderaten Temperaturen haben dazu geführt, dass die Knollen physiologisch jung sind und es mehr Wärme zum Keimen braucht.
Abdecken und behandeln
Diese goldene Regel ist das A und O für einen gelungenen Start ins Kartoffeljahr!
In den ersten beiden Maiwochen wurden die meisten Frühkartoffelfelder abgedeckt und idealerweise mit Kupfer (Biolandbau) oder einem teilsystemischen Fungizid mit dem Wirkstoff Cymoxanil (stoppt bis drei Tage alte Infektionen ab) behandelt.
Dass krautfäuleanfällige Frühkartoffelsorten ein grosses Risiko für ganze Regionen (streut in einem Umkreis von 20 km) sind, hat sich in diesem Jahr erneut gezeigt. Bereits in der ersten Maiwoche wurden mehrere Befälle in anfälligen Frühkartoffelsorten entdeckt.
Mit der Wahl einer robusten Frühkartoffelsorte (z.B. Twinner) könnte zum Saisonstart der Krautfäuledruck massiv gesenkt und der Spritzstart bei Lagerkartoffeln nach hinten verschoben werden.
Die Übersicht über den aktuellen Krautfäulebefall in der Schweiz finden Sie wie gewohnt unter www.phytopre.ch. Wie jedes Jahr bitten wir Sie, einen Befall oder Befallsverdacht umgehend der Fachstelle Pflanzenschutz, aufwww.phytopre.ch oder telefonisch bei der Forschungsanstalt Agroscope direkt an Tomke Musa zu melden (058 468 72 39).
Kartoffelkäferbekämpfung: Spritzstart neu mit Coragen
Vor zwei Jahren wurde in der Praxis festgestellt, dass der Wirkstoff Spinosad (Audienz/Elvis) nicht in jedem Fall die gewünschte Wirkung auf Kartoffelkäferlarven hat. Die Untersuchung von Larven aus Feldern mit einer ungenügenden Wirkung hat gezeigt, dass die Wirkung von Spinosad in diesen Fällen «geringfügig bis moderat vermindert war», wie es im Untersuchungsbericht hiess.
Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass der Wirkstoff Spinosad nach wie vor in den meisten Fällen eine zuverlässige Wirkung zeigt. Um eine allfällige Resistenzentwicklung zu verhindern, empfehlen wir dennoch, die Spritzstrategie in diesem Jahr anzupassen.
Starten Sie beim Überschreiten der Bekämpfungsschwelle mit einer Behandlung mit Coragen (Achtung: Nicht erlaubt bei IP-Suisse oder im Produktionssystem «Verzicht auf Pflanzenschutzmittel). Denken Sie dabei bitte daran, für Coragen vorgängig eine einzelbetriebliche Sonderbewilligung zu beantragen unter sonderbewilligung.strickhof.ch
Vorgehen beim Überschreiten der Bekämpfungsschwelle(n) 2025
| Schädling | Mittel/Aufwandmenge | Bedingungen |
| Kartoffelkäfer solo 1. Behandlung | Coragen 60 ml/ha oder Novodor 3 - 5l/ha | Einzelbetriebliche Sonderbewilligung Ohne Sonderbewilligung |
| Kartoffelkäfer solo 2. Behandlung | Audienz oder Elvis Oder Novodor 3 - 5l/ha | Ohne Sonderbewilligung Ohne Sonderbewilligung |
| Blattläuse solo | Movento SC 0.75 l/ha | Ohne Sonderbewilligung |
| Kartoffelkäfer und Blattläuse | Acetamiprid (Gazelle SG etc,) 200 g/ha | Einzelbetriebliche Sonderbewilligung |
Achtung: Teppeki ist in Kartoffeln neu nur noch bis im Stadium DC15 erlaubt. Dann sind noch keine Blattläuse vorhanden!
Beim Anbau im Produktionssystem «Verzicht auf Pflanzenschutzmittel» und bei der Produktion nach den IP-Suisse-Richtlinien empfiehlt sich eine Behandlung mit Novodor 3FC (Bacillus thuringiensis) unter Zusatz von Netzmittel (CropCover CC-1000). Wichtig ist dabei, dass die Behandlung bei wüchsigem Wetter und auf frühe Larvenstadien erfolgt.
Neue Krankheit(en) noch nicht im Osten
Ungenügende Backtests bei der Annahme und Verbräunungen der Gefässbündel beim Frittieren, diese Qualitätsmängel beschäftigen die Branche seit einigen Jahren vermehrt. Neben witterungsbedingtem Stress (Hitze und Trockenheit) kommen als Ursache auch die Schaderreger Candidatus Arsenophonus Phytopathogenicus, das Phytoplasma Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani) oder der Pilz Verticillium dahliae in Frage.
Arsenophonus verursacht bei Zuckerrüben das Syndrom Basses Richesses (SBR) und wurde in Deutschland 2022 erstmals auch in Kartoffeln nachgewiesen. Auch Stolbur wird in gewissen Regionen in Deutschland häufig in Kartoffeln und/oder Zuckerrüben gefunden. Beide Schaderreger können einzeln oder als Doppelinfektion zu verschiedenen Symptomen (zum Beispiel Welkesymptome, Luftknollen oder Gummirüben/ Gummiknollen) und insgesamt zu erheblichen Ernteeinbussen führen. Die Bakterien werden hauptsächlich durch ein kleines Insekt aus der Familie der Zikaden (Pentastiridus Leporinus, Schilf-Glasflügelzikade) übertragen.
In einem gemeinsamen Projekt in Zusammenarbeit mit der gesamten Kartoffelbranche erforschen die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) und die Forschungsanstalt Agroscope die Ursachen der beobachteten Qualitätsmängel und suchen nach Lösungen.
Nach dem ersten Projektjahr liegt ein 1. Zwischenbericht zum Projekt "Ungenügende Backqualität bei Verarbeitungskartoffeln" vor.
Mangelnde Backtests: Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Jahr 2024 in Kurzform
- Ungenügende Backtests treten bisher nur im Westen auf (Verbreitungsgebiet von SBR in Zuckerrüben).
- Arsenophonus scheint die Hauptursache zu sein. Verticillium ist eher nur ein sekundärer Schaderreger bei mangelhaften Backtests.
- Stolbur tritt in der Schweiz (noch) kaum auf.
- Stärkster Zikadenflug in Gebieten mit hohem Anteil an Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse.
- Es gibt Sortenunterschiede bei der Anfälligkeit auf Arsenophonus
- Zikaden und Arsenophonus kommen vereinzelt auch in der Ostschweiz vor.
Der Strickhof forscht mit
Um die Situation in der Ostschweiz besser abschätzen zu können, beteiligt sich der Strickhof ebenfalls am oben genannten Forschungsprojekt. Dazu wurden bereits zum zweiten Mal die Verarbeitungssorten Agria, Fontane, Innovator, Pirol und SH C 1010 in unserem Sortenversuch in Niederwil (Andelfingen) ausgepflanzt. Mit Leimtafeln, welche jede Woche ausgewechselt werden, wird der Zikadenflug während der Saison beobachtet. Falls Zikaden am Versuchsstandort oder der Umgebung gefangen werden, folgen umfangreiche Qualitätsanalysen nach der Ernte. 2024 wurden im Versuchsfeld in Oberwil keine Zikaden gefangen und auch die untersuchten Ernteproben wiesen keine mangelnden Backtests auf.
Beratungsangebot «Anbau robuster Sorten»
Die HAFL bietet interessierten ProduzentInnen dieses Jahr zum zweiten Mal eine Beratung beim Anbau von robusten Kartoffelsorten an.
Dabei wird unter anderem aufgrund der Daten aus dem eigenen Feld der optimale Behandlungsbeginn mit Hilfe des Prognosemodels Simbligt 1 berechnet. Die Daten für die Prognoseberechnung können der «Beratungsstelle robuste Sorten» per WhatsApp Direktnachricht an folgende Nummer gesendet werden: 079 562 75 38. Für eine Berechnung benötigt die Beratungsstelle den Namen der robusten Sorte, das Auflaufdatum, die Bodenfeuchtigkeit (Pflanzung bis Auflauf) und die Anbaudichte von Kartoffeln in der Region.
Es besteht auch ein WhatsApp-Chat zum Austausch von Erfahrungen und Informationen. Der Beitritt erfolgt über den nachfolgenden QR-Code:
Für weitere Auskünfte steht auch Sonja Basler zur Verfügung
Eine Auswahl an robusten Kartoffelsorten mit passenden Behandlungsempfehlungen
| Sorte | Maximale Behandlungen (Empfehlung) |
| Acoustic | 3 |
| Beyonce | 3 |
| Lady Jane | 3 |
| Levante | 3 |
| Sound | 3 |
| Twister | 3 |
| Otolia | 3 |
| Vitabelle | 3 |
| Emanuelle | 5 |
| Jelly | 5 |
| Simonetta | 5 |
Quelle: Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), abgeändert durch Sonja Basler
Diese Tabelle basiert auf Erfahrungen und Versuchsergebnissen. Sie dient als Anhaltspunkt und wird bestenfalls nicht überschritten. Letztendlich muss aber jeder Produzent oder jede Produzentin selbst entscheiden und trägt auch das Risiko. Bei einem hohen Krautfäuledruck wie im vergangenen Jahr braucht es entsprechend mehr Behandlungen.
Austausch in der Strickhof APP
Nutzen Sie auch dieses Angebot zum Austausch mit anderen Berufsleuten und mit Experten auf unserer Strickhof-App. Dafür stehen Ihnen die beiden Experten-Chats «Kartoffeln» und «Pflanzkartoffeln» zur Verfügung!
Vorschau auf die nächsten Kartoffel-Anlässe:
Bio-Härdöpfelhöck
Donnerstag, den 5. Juni 2025, ab 19:00 Uhr
Betrieb Familie Höneisen, Tännlihof 1, 8450 Andelfingen
Kartoffelflurgang
Mittwoch, 9. und Donnerstag, 10. Juli 2025, jeweils ab 19:00 Uhr
Betrieb Florian Peter, Landstrasse 18471 Oberwil