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Ungenügende Backqualität bei Verarbeitungskartoffeln: 1. Zwischenbericht

Nach dem ersten Projektjahr liegt ein erster Bericht mit den Zwischenresultaten vor. Autoren: Agroscope, Bioreba, HAFL

1. Ausgangslage 

Seit einigen Jahren werden im Handel bei der Annahme von Verarbeitungskartoffeln zunehmend ungenügende Backtests beobachtet. Beim Frittieren der Kartoffeln treten Verbräunungen der Gefässbündel auf. Betroffene Posten können nur eingeschränkt oder gar nicht zu Pommes frites oder Chips verarbeitet werden. Diese Qualitätsmängel haben sehr grosse negative wirtschaftliche Auswirkungen für die gesamte Branche von der Produktion, über den Handel bis zur Verarbeitung. Besonders gross waren die Einbussen in den Jahren 2022 und 2023. Als mögliche Ursachen zählen die Schaderreger Candidatus Arsenophonus Phytopathogenicus,   Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani) oder der Pilz Verticillium dahliae. Zudem könnte auch witterungsbedingter Stress (Hitze, Trockenheit) eine Rolle spielen. Arsenophonus verursacht bei Zuckerrüben das Syndrome Basses Richesses (SBR) und wurde in Deutschland 2022 erstmals auch in Kartoffeln nachgewiesen. Auch Stolbur wird in gewissen Regionen in Deutschland häufig in Kartoffeln und/oder Zuckerrüben gefunden. Beide Schaderreger können einzeln oder als Doppelinfektion zu verschiedenen Symptomen (zum Beispiel Welkesymptome, Luftknollen oder Gummirüben/ Gummiknollen) und insgesamt zu erheblichen Ernteeinbussen führen. Die Bakterien werden hauptsächlich durch ein kleines Insekt aus der Familie der Zikaden (Pentastiridus Leporinus, Schilf-Glasflügelzikade) übertragen.  

In einem gemeinsamen Projekt in Zusammenarbeit mit der gesamten Kartoffelbranche erforschen die BFH-HAFL und Agroscope die Ursachen der beobachteten Qualitätsmängel und suchen nach Lösungen, welche gemeinsam mit der Branche umgesetzt werden sollen. Das Projekt (2024-2027) wird vom Bundesamt für Landwirtschaft und der Kartoffelbranche finanziert.  

Mit dem vorliegenden Kurzbericht sollen der gesamten Branche die wichtigsten Arbeiten und Zwischenergebnisse aus dem ersten Projektjahr 2024 präsentiert sowie ein kurzer Ausblick für den künftigen Verlauf des Projektes gegeben werden. 

PDF: Kurzbericht "Ungenügende Backqualität bei Verarbeitungskartoffeln"

 

Erste Folgerungen und Ausblick 

Die ersten Ergebnisse des Monitorings der Ernteproben aus der ganzen Schweiz 2023 und 2024 deuten darauf hin, dass das Bakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus die Hauptursache für die ungenügenden Backtests ist. Ein schlechter Backtest kann aber nicht immer direkt mit einer Infektion von Arsenophonus erklärt werden. Das Phytoplasma Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani) wurde hingegen nur sehr selten in den Kartoffelproben gefunden. Es bleibt zu klären, ob das Auftreten des Verticillium-Pilzes die Symptome einer Arsenophonus-Infektion verstärken kann. Damit unterscheidet sich die Situation deutlich von deutschen Anbaugebieten, in denen Arsenophonus und Stolbur häufig gemeinsam auftreten und die Schäden verstärken.   
Es überrascht nicht, dass die Qualitätsmängel bei Kartoffeln bisher auf den westlichen Teil der Schweiz beschränkt sind, wo die Rübenkrankheit SBR, welche ebenfalls von Arsenophonus verursacht wird, seit mehreren Jahren für Probleme sorgt. Die Entdeckung einiger Zikaden und einer signifikanten Anzahl von Rübenpflanzen, die im Jahr 2024 auch in den Regionen Zürich und Aargau mit Arsenophonus (18%) oder Stolbur (15%) infiziert waren, deutet darauf hin, dass dringend wirksame Massnahmen gefunden werden müssen, um die weitere Verbreitung zu verhindern.  
Im weiteren Verlauf des Projektes wird der Fokus ab der Saison 2025 auf mögliche präventive und direkte Bekämpfungsmassnahmen gelegt. Folgende Ansätze werden dabei im Rahmen des Projektes überprüft: 

  • Die Sortenwahl; es werden mehrere Sortenversuche in den Risikozonen im westlichen Teil des Anbaugebietes angelegt werden, um Unterschiede bezüglich der Sortenanfälligkeit zu prüfen. Der Schwerpunkt liegt bei den Sorten, welche bei Agroscope in den Vorversuchen stehen. 
  • Fruchtfolge und Zwischenkulturen: Anhand der Monitoring-Daten und ergänzenden Versuchen soll der Einfluss der Vorkultur vertieft untersucht werden. Zudem werden Zwischenkulturen gesucht, welche die Entwicklung der Nymphen der Zikaden nach Zuckerrüben oder Kartoffeln verhindern oder reduzieren.
  • Insektizide: Es sollen geeignete Beizmittel bei Winterweizen getestet werden, um die Nymphenpopulation nach Zuckerrüben/Kartoffeln zu reduzieren. Im Weiteren soll die Bekämpfung durch gezielte Behandlungen zu Beginn des Hauptfluges geprüft werden.

 

Das Monitoring des Zikadenflugs und die Entnahme von Ernteproben und deren Testung auf die Schaderreger wird 2025 und 2026 weitergeführt.

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