Regelmässige Feldkontrollen der Zuckerrüben bleiben wichtig
Aufkalken vor Zuckerrüben
Die Getreideernte ist auf den allermeisten Feldern bereits beendet. Nun steht das Stoppelfeld für Folgearbeiten zur Verfügung. Das abgeerntete Feld bietet beste Bedingungen für eine Aufkalkung. Da Kalkverluste natürlicherweise in jedem Boden beispielsweise durch Auswaschung stattfinden, ist eine regelmässig in der Fruchtfolge durchgeführte Aufkalkung für Zuckerrüben durchaus wichtig. Zuckerrüben bevorzugen einen neutralen Boden pH-Wert im Bereich von 6.8-7.2. Ein ausreichend mit Kalk versorgter Boden besitzt in der Regel eine bessere Nährstoffverfügbarkeit und -Effizienz. Zudem kann mit regelmässigen Aufkalkungen die Bodenstruktur verbessert werden. Für eine Kalkung auf den jetzigen Stoppelfeldern bietet sich eine langsam bis mittelschnell wirkende Kalkart an. Eine eben solche Kalkart ist mitunter Ricokalk. Dieser ist ein Nebenprodukt aus der Rübenverarbeitung und kann für die Aufkalkung von Ackerflächen sinnvoll wiederverwendet werden. Momentan kann bei einer Ricokalkbestellung bei Ricoter von vergünstigten Angeboten profitiert werden.
Unkrautkur und Gründüngungen
Nach der Aufkalkung kann direkt mit einer allfälligen Unkrautkur weitergefahren werden. Hierbei bietet sich eine mehrmalige flache Bodenbearbeitung mit Grubber oder Scheibenegge an. Die einzelnen Bearbeitungsdurchgänge sollten einige Tage voneinander versetzt durchgeführt werden, damit das Ausfallgetreide und das Unkraut Zeit zum Keimen hat, ehe es mit der nächsten Bearbeitung beseitigt wird. Eine vorherige chemische Bekämpfung von Problemunkräutern ist ebenfalls möglich. Im Programm «Verzicht auf Herbizide im Ackerbau» dürfen jedoch ab der Ernte der Vorkultur (in diesem Fall Getreide) bis zur Ernte der vom Programm betroffenen Kultur (in diesem Fall Zuckerrüben) keine Herbizide angewendet werden.
Nach der Unkrautkur wird vielerorts eine Zwischenbegrünung angelegt. Vor allem wenn das Programm «Angemessene Bedeckung des Bodens im Ackerbau» erfüllt werden soll. Von diesem Programm sind ausschliesslich Kulturen betroffen, welche vor dem 30. September geerntet werden. Auf 80 % dieser entsprechenden Flächen muss innerhalb von maximal 7 Wochen eine Bodenbedeckung angelegt werden. Nach der diesjährigen frühen Getreideernte bleibt in der Regel noch Zeit bis Mitte August, um eine Bodenbedeckung auszusäen. Die Aussaat sollte nicht zu voreilig ausgebracht werden, da etablierte Gründüngungen/Zwischenkulturen von Erdschnaken-Fliegen genutzt werden, um ihre Eier dort abzulegen. Die Larven dieser Fliegen können im anschliessenden Jahr in den Zuckerrüben zu Schäden führen. Die Erdschnaken fühlen sich besonders in gräserreichen Mischungen wohl. Für eine spätere Begrünung eignen sich am ehesten Gelbsenf oder Phazelia. Das Wurzelwerk der Zwischenbegrünung muss bis zum 15. Februar intakt bleiben, was eine Bodenbearbeitung bis zu diesem Zeitpunkt verbietet. Sofern das Wurzelwerk intakt bleibt, sind jedoch oberflächliche Eingriffe wie beispielsweise Mähen, Beweiden oder Mulchen zulässig.
Schosserrüben und Neophyten
Die Zuckerrübenfelder müssen nach wie vor regelmässig abgefahren werden, damit Schosserrüben und allfällige Neophyten ausgerissen werden können. Im Conviso-Anbau müssen Schosserrüben besonders konsequent beseitigt werden, da aus den Samen wiederum sulfonylharnstoff-resistente Zuckerrüben entstehen, die in den Folgekulturen schwieriger zu bekämpfen sind. Bei den Neophyten gibt es zahlreiche Arten, nach denen jetzt im Feld Ausschau gehalten werden muss. Der Gemeine Stechapfel und der gefleckte Schierling sind beide sehr giftig und sollten nur mit passender Schutzausrüstung (Handschuhen) angefasst und ausgerissen werden. Der Stechapfel fällt besonders mit seiner stacheligen Samenkapsel und der grossen, weissen Blüte im Feld auf. Das Haupterkennungsmerkmal des gefleckten Schierlings ist sein violett gefleckter Stängel. Der gefleckte Schierling wird von weitem oftmals mit dem Erscheinungsbild der Hundspetersilie verwechselt, da der Aufwuchs wie auch die Blütenanlage sich sehr ähneln. Zudem gibt die Pflanze beim Ausreissen einen sehr unangenehmen Duft von sich, der an Mäuseurin erinnert. Die Samtpappel kann ebenfalls leicht mit dem Aussehen von Durchwuchssonnenblumen verwechselt werden. Die Stängel sind stark behaart und flaumig. Samtpappeln, Stechäpfel und gefleckte Schierlinge besitzen allesamt ein enormes Samenpotenzial, weshalb sie sich in kurzer Zeit sehr stark ausbreiten können. Aus diesem Grund sind eine frühzeitige Erkennung und Beseitigung der Pflanzen besonders wichtig.
Ein Erdmandelgrasbefund ist nach wie vor den jeweiligen kantonalen Pflanzenschutzfachstellen zu melden. Zudem sollten die Lohnunternehmer und die Ernteorganisation darüber in Kenntnis gesetzt werden. Nur so lässt sich eine Verschleppung des Ungrases vermeiden. Das Erdmandelgras erkennt man an seiner stechend-hellgrünen Farbe, der V-förmigen Blattspreiten und dem dreikantigen Stängel. Zudem besitzt es weder einen Halmknoten noch Behaarung.
Schädlinge
Die warmen Temperaturen und anhaltende Trockenheit haben den Befall des Rübenrüsslers gefördert. Während zum korrekten Zeitpunkt behandelte Parzellen eine zufriedenstellende Wirkung erzielen konnten, haben unbehandelte Parzellen mit leichten, sandigen Böden mehr mit dem Befall zu kämpfen. Die ersten Larven haben das Puppenstadium durchlaufen und die Rüben bereits in adulter Form wieder verlassen. Erste wenige Fäulniserscheinungen konnten bereits gefunden werden. Wie es mit der Fäulnissituation weitergeht, ist stark von der Witterung abhängig.
Krankheiten
Anfangs Juli konnten in nahezu allen Kantonen Cercospora-Blattflecken gefunden werden. Vielerorts sind dementsprechend die ersten Fungizidapplikationen getätigt worden. Die warmen Temperaturen und die durch lokale Gewitter gefallene Feuchtigkeit wirken sich förderlich auf die Krankheitsentwicklung aus. Bei einer allfälligen zweiten Fungizidbehandlung sollte der Wirkstoff gewechselt werden, um Resistenzbildungen zu vermeiden. Falls also bei der ersten Behandlung das Fungizid Propulse appliziert wurde, so sollten bei der zweiten Behandlung difenoconazolhaltige Produkte (Spyrale, Sheriff, Ethosan, Slick) verwendet werden. Das Fungizid sollte immer in Kombination mit einem Kupfermittel ausgebracht werden. Die Behandlung ist entweder frühmorgens bei abgehendem Tau oder spätabends anzusetzen. Von Hagel betroffene Rübenparzellen sind nicht sofort mit Fungiziden, Kupfer oder Blattdünger zu versorgen, da der Nutzen solcher Massnahmen aufgrund der zerhäckselten Blattmasse gering ausfällt. Vielmehr sollten einige Tage zugewartet werden, bis die Rübe neue Blätter ausgebildet hat um diese anschliessend mit den genannten Massnahmen zu schützen bzw. zu unterstützen.
Neben Cercospora können auch bereits erste Symptome der Rhizoctonia-Wurzelfäule auf den Feldern ausgemacht werden. Die Krankheit tritt meist nesterweise im Feld auf. In diesen Nestern lassen die Rüben ihre Blätter sternförmig auf den Boden fallen. Am Rübenkörper sind entweder Risse oder bereits faule Stellen zu sehen. Diese Fäulnis breitet sich im Verlauf der Saison weiter aus und lässt die Rübe ganzheitlich verfaulen. Schlussendlich bleiben lediglich Lücken im Bestand übrig. Rhizoctonia lässt sich nur vorbeugend behandeln. Die Krankheit findet in strukturgeschädigten Böden (saurer Boden pH, Verdichtungen, Staunässen) förderliche Bedingungen vor. Mais als Vorkultur vor Zuckerrüben kann ein Befall verstärken, da Mais ebenfalls zu den Wirtspflanzen der Krankheit gehört. Mit der Wahl einer Rhizoctonia-resistenten Zuckerrübensorte kann das Ausmass der Krankheit verringert werden.