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Pflanzenbau News Strickhof vom 22. Juli 2026

Aktuelles zu den Themen: Raps; Unwetterschäden; Kartoffeln; Stoppelbearbeitung; Zuckerrüben; Biolandbau; Düngung; Erdmandelgras

Raps

Neue Beizung mit Notfallzulassung

Mittels einer Notfallzulassung erteilte das BLV befristet bis zum 30. Mai 2027 die Bewilligung, dass Rapssaatgut mit der Beizung «Buteo Start» eingeführt werden kann. Die Notzulassung erlaubt den Import des gebeizten Saatgutes, nicht die Beizung in der Schweiz. Verschiedene Saatguthändler weisen diese Option bereits auf ihren Bestellblättern aus.

Der darin enthaltene Wirkstoff Flupyradifuron schützt den Raps in der kritischen Auflaufphase vor dem Raps- und Kohlerdfloh. Dieses systemische Insektizid wird nach der Keimung über die Wurzeln aufgenommen und rasch in den Keim- und ersten Laubblättern verteilt. Die Aufnahme durch die Erdflöhe entsteht beim Schabfrass an den jungen Pflanzen, wodurch ein rascher Frassstopp eintritt und bis zum Zwei-Blatt-Stadium (BBCH 12) Pflanzenverluste durch Lochfrass ausbleiben sollten. Ob «Buteo Start» im Raps ebenso gute Resultate erzielt wie in den Zuckerrüben, wo im Kanton Zürich im Vergleich zum Vorjahr heuer 50 % weniger Sonderbewilligungen für einen Pyrethroid-Einsatz erteilt werden mussten, wird sich diesen Herbst zeigen.

Raps Schädlinge
Beim Schaben der Keimblätter kommen die Erdflöhe in Kontakt mit der systemischen Beizung «Buteo Start». Foto: Strickhof

 

Unwetterschäden

Was jetzt zu tun ist

Auf dem Kantonsgebiet kam es letzte Woche verbreitet zu Starkniederschlägen und Hagelereignissen. 

  • Im erntereifen Raps führte dies mancherorts zu Ausfällen von über 90 Prozent. Seien Sie sich bewusst, dass dann die tausendfache Saatmenge auf Ihrem Feldboden liegt. Diese Körner müssen durch wiederholte flache Arbeitsgänge über mehrere Wochen zum Keimen angeregt werden, ehe eine tiefere Grundbodenbearbeitung erfolgen kann.
  • In den Zuckerrüben kann die feucht-warme Witterung den Cercospora-Befall massiv beschleunigen. Hier sollten die verletzten Blätter mit einem Fungizid plus Kupferzusatz zeitnah geschützt werden. In vielen Fällen handelt es sich bereits um die zweite Behandlung. Bei starkem Hagelschlag und massiver Zerstörung des Blattwerks verdorren die abgeschlagenen Blätter und es treiben aus dem Herzen der Rübe neue Blätter aus. Vor dem Spritzdurchgang sollte dieser Neuaustrieb abgewartet werden, denn es gilt, diese Blätter zu schützen und nicht die abgeschlagenen.
  • In Kartoffeln sind die verletzten Fiederblätter Eintrittspforten für die Krautfäule. In Beständen, in denen das Kraut noch erhalten werden soll – das ist dieses Jahr auf den meisten Feldern der Fall –, ist weiterhin die Kontrolle auf einen möglichen Erstbefall wichtig. Auch das Alternaria-Risiko bleibt weiterhin hoch und muss beim nächsten Erneuern des Fungizidschutzes berücksichtigt werden. 
  • Bei kleinem Mais ist entscheidend, wie stark der Vegetationspunkt beschädigt wurde. Älterer Mais kann mechanische Hagelverletzungen an den Blättern in der Regel recht gut kompensieren, jedoch kann es häufig zu einem Sekundärbefall mit Maisbeulenbrand kommen. Da eine direkte chemische Bekämpfung des Pilzes nicht möglich ist, gilt es vor allem, bei der späteren Ernte auf die Silierqualität zu achten und gegebenenfalls den Einsatz eines Siliermittels in Betracht zu ziehen.
Unwetter Hagelschäden
Die Lieschblätter des Mais wurden streifenförmig aufgerissen. Foto: Strickhof
Unwetter Hagelschäden
Geplatzte Rapsschoten nach Hagelschlag. Foto: Strickhof

 

Kartoffeln

Keimhemmung

Ob wegen der Gefahr der Kindelbildung mit Itcan SL 270, Germstop oder Fazer (Maleinsäurehydrazid) eine Behandlung gemacht werden soll, muss mit dem Pflanzenschutzberater bzw. auch mit dem Abnehmer der Kartoffeln individuell besprochen werden. Der Einsatz hängt von der Sorte, dem Zustand der Kartoffeln und des Krautes ab. Bislang waren für einen solchen Einsatz die Temperaturen zu hoch (über 25 °C) und viele, insbesondere die nicht bewässerten Felder, hatten die Kalibergrösse von 25 bis 30 mm (und bei Sorten mit tendenziell grossen Knollen 35 bis 40 mm) nicht erreicht. Maleinsäure hemmt die Zellteilung in den Knollen. Ab den Mindestgrössen ist die Zellteilung in den Knollen abgeschlossen. Die Knollen werden nur noch grösser durch die Streckung der Zellen; diese wird nicht beeinflusst. Bei einem Einsatz darf 24 Stunden kein Regen fallen (auch keine Bewässerung erfolgen) und das Produkt muss allein, ohne Beimischung anderer Produkte, ausgebracht werden. Die Wartefrist nach der Behandlung beträgt 21 Tage.

 

Stoppelbearbeitung

PSB und ÖLN-Einschränkungen

Im Korsett des ÖLN und allfälliger Label- sowie PSB-Programme gibt es während der Zwischenkulturzeit einige Fallstricke, die zu beachten sind:

  • Im Programm «Verzicht auf Herbizide» sind auf der Stoppel nur Einzelstockbehandlungen erlaubt. Eine Flächenbehandlung ist nicht zulässig. Die Massnahme gilt gesamtbetrieblich auf allen Flächen einer dafür zur Anmeldung vorgesehenen Folgekultur. Bei einer PSM-freien Produktion nach IP-Suisse ist der Herbizideinsatz nach der Ernte der Vorkultur gänzlich untersagt.
  • Wird der PSB «Schonende Bodenbearbeitung» geltend gemacht, dürfen max. 1’500 g/ha Glyphosat-Wirkstoff von der Ernte der vorangehenden Hauptkultur bis zur Ernte der beitragsberechtigten Hauptkultur eingesetzt werden. Dies entspricht 4,1 l/ha Glyphosat mit 360 g/lt bzw. 3,1 l/ha Glyphosat mit 480 g/l. 
  • ÖLN-Betriebe mit mehr als 3 Hektaren offener Ackerfläche müssen bekanntlich auf jeder Parzelle mit Kulturen, die vor dem 31. August geerntet werden, im laufenden Jahr eine Winterkultur, Zwischenfutter oder Gründüngung ansäen. Beim PSB «Angemessene Bedeckung des Bodens» gilt zusätzlich: Für die Hauptkulturen mit Druschtermin vor dem 1. Oktober muss auf mindestens 80 Prozent der entsprechenden Fläche innerhalb von maximal sieben Wochen eine Bodenbedeckung angelegt werden. Ausfallgetreide/-raps zählt nicht als Bodenbedeckung.
Stoppelbearbeitung
Halten Sie für die Kontrolle des PSB’s «angemessene Bedeckung des Bodens» die Saattermine in Ihren Aufzeichnungen lückenlos fest. Foto: Strickhof

 

Zuckerrüben

Aufkalken vor Zuckerrüben

Auf den meisten Getreideflächen ist die Ernte inzwischen abgeschlossen. Damit stehen die Stoppelfelder nun für die anstehenden Folgemassnahmen zur Verfügung. Die Bedingungen nach der Ernte sind ideal um eine Aufkalkung durchzuführen. Da in jedem Boden natürlicherweise Kalkverluste auftreten – beispielsweise durch Auswaschung –, ist eine regelmässige Aufkalkung innerhalb der Fruchtfolge insbesondere für den Zuckerrübenanbau von grosser Bedeutung. Zuckerrüben gedeihen am besten auf Böden mit einem neutralen pH-Wert zwischen 6.8 und 7.2. Eine ausreichende Kalkversorgung verbessert in der Regel die Verfügbarkeit der Nährstoffe und die Nährstoffeffizienz. Darüber hinaus tragen regelmässige Kalkgaben zu einer besseren Bodenstruktur bei. Für die Kalkung der nun abgeernteten Stoppelfelder eignen sich langsam bis mittelschnell wirkende Kalkarten besonders gut. Eine solche Möglichkeit bietet Ricokalk. Dabei handelt es sich um ein Nebenprodukt aus der Rübenverarbeitung, welches sich sinnvoll für die Aufkalkung von Ackerflächen wiederverwenden lässt. Aktuell profitieren Landwirtinnen und Landwirte bei einer Bestellung von Ricokalk bei Ricoter zudem von attraktiven Vergünstigungen.

Stoppelfeld Kalkstreuer Traktor
Kalk hebt den Boden-pH, verbessert die Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit im Boden. Bild: Matthias Lüscher, SFZ

 

Unkrautkur und Zwischenbegrünung

Nach der Aufkalkung kann bei Bedarf direkt mit der Unkrautbekämpfung begonnen werden. Dafür eignet sich insbesondere eine mehrmalige flache Bodenbearbeitung mit dem Grubber oder der Scheibenegge. Zwischen den einzelnen Bearbeitungsgängen sollten jeweils einige Tage liegen, damit Ausfallgetreide und Unkräuter keimen können, bevor sie mit dem nächsten Arbeitsgang beseitigt werden. Im Anschluss an die Unkrautkur wird auf vielen Betrieben eine Zwischenbegrünung angelegt. Aufgrund der diesjährigen frühen Getreideernte bleibt in der Regel genügend Zeit, um die Zwischenbegrünung bis etwa Mitte August auszusäen. Mit der Aussaat sollte jedoch nicht zu früh begonnen werden. Bereits gut entwickelte Gründüngungen bzw. Zwischenkulturen dienen Erdschnaken-Fliegen als bevorzugter Ort zur Eiablage. Die daraus schlüpfenden Larven können im folgenden Jahr Schäden an den Zuckerrüben verursachen. Besonders wohl fühlen sich Erdschnaken in gräserreichen Begrünungen. Für eine spätere Aussaat eignen sich deshalb vor allem Gelbsenf oder Phacelia.

 

Biolandbau

Stoppelbearbeitung nach der Getreideernte

Die Getreideernte wurde diese Woche vielerorts abgeschlossen. Während in einigen Regionen weiterhin sehnlichst auf Regen gewartet wird, fielen andernorts die langersehnten Niederschläge. Teilweise allerdings in Form von Hagel, was ebenfalls nicht förderlich ist.

Der richtige Zeitpunkt für die Stoppelbearbeitung hängt deshalb von den lokalen Bodenverhältnissen ab. Trockene und harte Böden lassen sich häufig nur mit hohem Zugkraftbedarf und unbefriedigendem Arbeitsergebnis bearbeiten. Nach Niederschlägen lässt sich der Boden in der Regel besser bearbeiten. Gleichzeitig fördert die vorhandene Feuchtigkeit das Auflaufen von Ausfallgetreide und Unkräutern.

Abhängig von der Ausgangslage unterscheiden sich die Ziele und damit auch die Arbeitstiefe und das Bearbeitungsverfahren.

 

Samenunkräuter und Ausfallgetreide

Bei Flächen mit vorwiegend einjährigen Samenunkräutern steht das Fördern einer möglichst gleichmässigen Keimung im Vordergrund. Ziel ist ein falsches Saatbett: Die Unkräuter und das Ausfallgetreide sollen auflaufen und anschliessend mechanisch beseitigt werden.

Dafür genügt in der Regel eine sehr flache Bearbeitung von maximal 5 cm. Wichtig ist, die Samen nicht zu tief einzuarbeiten. Samen, die tiefer als etwa 5 cm abgelegt werden, keimen oft verzögert oder bleiben über längere Zeit im Boden erhalten.

Nach Raps als Vorfrucht sollte der Ausfallraps möglichst rasch zum Keimen gebracht werden. Ein bewährtes Vorgehen beginnt direkt nach der Ernte mit einer Überfahrt der Messerwalze. Diese öffnet verbliebene Schoten, zerkleinert Ernterückstände und fördert das Ausfallen der Rapssamen. Bei genügender Bodenfeuchte und einer Auflaufzeit von rund einer Woche bis zehn Tagen kann eine erste flache Bearbeitung auf 2 bis 3 cm erfolgen, um den aufgelaufenen Ausfallraps zu beseitigen und gleichzeitig weitere Samen zum Keimen anzuregen. Nach einer weiteren Auflaufphase von etwa einer Woche bis zehn Tagen folgt eine zweite, wiederum flache Bearbeitung.

 

Wurzelunkräuter

Bei Wurzelunkräutern verfolgt die Stoppelbearbeitung ein anderes Ziel als bei Samenunkräutern. Rhizome, Wurzelausläufer oder Wurzelstöcke sollen erfasst und durch wiederholte Bearbeitung geschwächt werden.

Bei Quecken genügt in der Regel ein ganzflächiges Unterschneiden mit einem Flügelschargrubber auf etwa 8 bis 10 cm Tiefe. Die Rhizome werden an die Bodenoberfläche befördert, wo sie bei trockener Witterung austrocknen können. Ackerkratzdisteln werden mit einem Flügelschargrubber auf rund 10 bis 12 cm Tiefe unterschnitten. Bei Blacken empfiehlt sich eine Bearbeitung mit einem gut überlappenden Flügelschargrubber oder Schälpflug auf etwa 12 cm Tiefe, um die Wurzelstöcke freizulegen.

Nach rund 10 bis 14 Tagen werden neu austreibende Pflanzen beziehungsweise freigelegte Rhizome mit einer Federzahnegge oder einem anderen flach arbeitenden Gerät erneut gestört. Durch die wiederholte Unterbrechung des Wiederaustriebs und den fehlenden Bodenschluss werden die Reservestoffe der Wurzelunkräuter schrittweise aufgebraucht und ihr Wiederanwachsen vermindert.

Wurzelkunkräuter
Freigelegte Blacke nach Durchgang mit Flachgrubber. Bild: Strickhof

 

Düngung

Kalken zur Stoppelbearbeitung

Nach der Getreideernte stehen auf vielen Betrieben die ersten Stoppelstürze an. Damit öffnet sich auch ein günstiges Zeitfenster für die Kalkung. Die Flächen sind noch nicht neu bestellt und der Kalk kann mit der anschliessenden Stoppelbearbeitung flach eingemischt werden. Trotzdem sollte nicht routinemässig gekalkt werden. Zunächst muss geklärt werden, ob der Boden tatsächlich Kalk benötigt.

Kalk erfüllt im Boden verschiedene Aufgaben. Am offensichtlichsten ist seine chemische Wirkung: Er neutralisiert Säuren und stabilisiert - beziehungsweise - erhöht den pH-Wert. Dadurch verändert sich die Verfügbarkeit verschiedener Nährstoffe. Für die meisten Ackerkulturen liegt der günstige pH-Bereich ungefähr zwischen 6 und 7. Der anzustrebende Wert hängt jedoch von Bodenart, Humusgehalt und Kultur ab.

Daneben besitzt Kalk eine wichtige physikalische Wirkung. Calcium bildet Brücken zwischen Ton- und Humusteilchen und fördert dadurch die Entstehung stabiler Bodenkrümel (besonders ton- und schluffreiche Böden profitieren davon). Eine stabile Bodenstruktur verbessert den Luft- und Wasserhaushalt und gleichzeitig sinkt das Risiko von Verschlämmung und Erosion. 

Ein günstiger pH-Wert und eine gute Bodenstruktur schaffen zudem bessere Bedingungen für Regenwürmer und Mikroorganismen. Damit werden auch der Abbau von Ernteresten und die Mineralisierung beeinflusst. 

Grundlage jeder Kalkung ist eine aktuelle und repräsentative ÖLN-Bodenanalyse. Der pH-Wert allein reicht jedoch nicht immer aus. Mit steigendem Ton- und Humusgehalt nimmt auch die Pufferung des Bodens zu. Schwere Böden benötigen deshalb grössere Kalkmengen, um den pH-Wert anzuheben. Auf leichten Böden können dagegen bereits kleinere Gaben eine deutliche Veränderung verursachen.

Auch Unterschiede innerhalb einer Parzelle sollten berücksichtigt werden. Wechselnde Bodenarten oder frühere Bewirtschaftungseinflüsse können dazu führen, dass der Kalkbedarf innerhalb eines Schlages stark variiert. Ein Mittelwert aus sehr unterschiedlichen Teilflächen kann somit sowohl zu einer Über- als auch zu einer Unterversorgung führen. Bei erkennbar heterogenen Parzellen sollten die Bereiche möglichst getrennt beprobt werden. 

Bei der Kalkung wird zwischen Erhaltungs- und Aufkalkung unterschieden. Die Erhaltungskalkung ersetzt die laufenden Kalkverluste und stabilisiert den pH-Wert. Eine Aufkalkung ist notwendig, wenn der pH-Wert unter dem für den Standort günstigen Bereich liegt und innerhalb der Fruchtfolge angehoben werden soll.

Die notwendige Menge wird in Dezitonnen CaO-Äquivalent pro Hektare angegeben. Daraus muss anhand des produktspezifischen Kalkwertes die tatsächliche Produktmenge berechnet werden:

Kalkdünger in dt/ha = empfohlene CaO-Menge in dt/ha ÷ Kalkwert in Prozent × 100

Ein Beispiel: Bei 15 Prozent Ton und einem pH-Wert von 5,5 beträgt die grobe Empfehlung nach den Schweizer Grundlagen rund 20 dt CaO pro Hektare. Bei einem Produkt wie Agrokalk mit 53 Prozent CaO-Äquivalent entspricht dies etwa 38 dt pro Hektare.

Das zugegebenermassen etwas extreme Beispiel zeigt, weshalb nicht allein die Tonnage des Produktes zählt. Massgebend sind der Kalkbedarf des Bodens und der Kalkwert des Produktes. Grössere Gaben von mehr als 20 dt CaO pro Hektare sollten dabei auf mehrere Termine verteilt werden. Dadurch lässt sich ein zu schneller Anstieg des pH-Wertes vermeiden.

Für die Erhaltungskalkung eignen sich in der Regel kohlensaure Kalke wie Agrokalk. Sie wirken vergleichsweise langsam und nachhaltig. Ihre Wirkungsgeschwindigkeit wird neben der chemischen Form vor allem von der Mahlfeinheit bestimmt. Je feiner ein Kalk gemahlen ist und je gleichmässiger er verteilt wird, desto schneller kann er reagieren. Magnesiumhaltige Kalke sind sinnvoll, wenn gleichzeitig ein Magnesiumbedarf besteht. Branntkalk wirkt dagegen deutlich schneller. Er kann insbesondere auf mittleren und schweren Böden mit Strukturproblemen interessant sein. Allerdings ist er stark reaktiv und stellt höhere Anforderungen an die Handhabung, da er auch das Bodenleben beeinträchtigen kann. Der Zeitpunkt der Stoppelbearbeitung ist für die Kalkung gut geeignet. Eine Ausbringung auf nassen Böden im Herbst oder Frühjahr kann Verdichtungen verursachen und damit einen Teil der gewünschten Strukturwirkung wieder zunichtemachen. Deswegen eignen sich die trockenen Bedingungen dieses Jahr hervorragend. 

Kalk sollte nicht gleichzeitig mit Gülle oder Mist ausgebracht werden. Durch die Anhebung des pH-Wertes können Ammoniumverluste in Form von Ammoniak begünstigt werden. Beide Massnahmen sind deshalb zeitlich zu trennen und unter den aktuell trockenen und windigen Bedingungen empfiehlt sich die Gülleausbringung nicht. Zusätzlich finden sich aktuell in vielen Böden erhöhte Nmin Gehalte, da das Getreide späte Düngergaben aufgrund der hohen Temperaturen kaum umsetzen konnte.

 

Braucht die Zwischenkultur eine Düngung?

Nach der Getreide- und Rapsernte sollte möglichst rasch eine Zwischenfrucht angesät werden. So bleibt der Boden auch in der heissen Jahreszeit bedeckt und liegt nicht ungenutzt brach. Die Pflanzen nutzen das Sonnenlicht für ihr Wachstum und bilden dabei wertvolle Biomasse. Ausserdem sind begrünte Ackerflächen vor Erosion geschützt und die Bodenlebewesen werden geschont.

Es stellt sich jeweils die Frage, ob die Zwischenkultur gedüngt werden soll. Grundsätzlich ist eine Düngung nicht unbedingt nötig, doch je nach Vorkultur oder Zusammensetzung der Zwischenkultur macht eine Düngung Sinn. Eine moderate Güllegabe (maximal 20 – 30 m3; 1:1 verdünnt) in eine Zwischenkultur aus Nicht-Leguminosen und einem hohen Gräseranteil kann die Verrottung des Getreidestrohs beschleunigen und eine allfällige Stickstoffblockade verhindern. Ist die Vorkultur Raps, ist eine Düngung eher nicht angesagt, da die Ernterückstände meist genügend Nährstoffe für die Entwicklung der Zwischenkultur liefern.

Eine Güllegabe im Sommer hat den Vorteil, dass die Böden meist trocken und befahrbar sind. Wird durch die Düngung das Wachstum der Pflanzen angeregt, kommt das der Bodenfruchtbarkeit zugute. Denn durch verstärktes Wurzelwachstum und eine erhöhte Biomasseproduktion werden die Bodenlebewesen und damit die Bodenstruktur gefördert. Aber auch bei einer Güllegabe in die Zwischenkultur gilt der Grundsatz der guten landwirtschaftlichen Praxis. Bei anhaltender Trockenheit sollte bis nach dem nächsten Regen zugewartet werden, damit die Gülle besser in den Boden infiltrieren kann. Keinesfalls sollte die Düngung der Zwischenkultur dazu dienen, um Gülle zu «entsorgen».

 

Erdmandelgras

Neues Video über die Bekämpfung von Erdmandelgras

Beim Erdmandelgras läuft die Knollenbildung bereits auf Hochtouren. Eine einzige Pflanze kann bis zum Herbst bis zu 700 Tochterknollen bilden. Der richtige Bekämpfungszeitpunkt ist entscheidend: Sobald die Pflanzen eine Höhe von ca. 10 cm erreichen (3- bis 5-Blatt-Stadium), müssen sie konsequent mechanisch oder chemisch reguliert werden, um eine Vermehrung im Boden zu verhindern.

Hierzu hat der Strickhof ein neues Beratungsvideo veröffentlicht:

Strickhof-Video «Erdmandelgras: Vermehrung der Knöllchen verhindern»

Erdmandelgras
Strickhof-Video «Erdmandelgras: Vermehrung der Knöllchen verhindern»

 

 

Das nächste Pflanzenbau News erscheint am 12. August 2026.

 

PDF: Pflanzenbau News Strickhof vom 22. Juli 2026

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