Regelmässige Zuckerrüben-Feldkontrollen bleiben wichtig
Schädlinge
Aufgrund des fortgeschrittenen Rübenstadiums sind Schäden durch Blattläuse wirtschaftlich kaum noch relevant, weshalb sich eine Bekämpfung dieser Schädlinge erübrigt. Der Blattlausdruck im Jahr 2026 war im Grossen und Ganzen mässig. Zum einen bildete sich die Blattlauspopulation eher spät, zum anderen konnten die Rüben dank ihrer hervorragend schnellen Entwicklung den Blattläusen davonwachsen. Zudem half das Wetter vielerorts mit Regenfällen nach und spülte gewisse Teile der Blattlauspopulationen ab. Die Grüne Pfirsichblattlaus wurde, wenn überhaupt, erst spät und lediglich gebietsweise gefunden. Aufgrund dieses Umstandes kann davon ausgegangen werden, dass auch die viröse Vergilbung in dieser Saison keine grossen Probleme verursachen wird.
In den letzten Wochen fand sowohl der Einflug des Rübenrüsslers wie auch seine Eiablage in den Zuckerrüben statt. Aus den abgelegten Eiern sind bereits die Larven des Rübenrüsslers geschlüpft. Diese bohren sich nun durch den Blattstiel der Zuckerrübenpflanze Richtung Rübenkopf hindurch. Ob die Larve den Rübenkopf befällt oder nicht, hängt unter anderem von der Nähe der Einstichstelle zum Rübenkörper, von der Sortenwahl und von den Umweltfaktoren ab. Je näher die Einstichstellen am Rübenkopf liegen, desto wahrscheinlich ist ein Bohrschaden. Je nach Sorte weisen die Pflanzen längere oder kürzere Blattstiele auf, was schlussendlich auch Auswirkungen auf den Befall in den Rüben haben kann. Ein sehr wichtiger Punkt sind die Umweltbedingungen wie beispielsweise die Bodenart oder die gefallene Niederschlagsmenge über den Sommer hinweg. Bei regelmässigen Niederschlägen und schweren Böden ist die Wasserversorgung der Pflanze besser gewährleistet. Die Stängel sind saftig und bieten den Larven genug Nahrung. Bei trockenen Bedingungen ist es hingegen eher möglich, dass die Larven sich in den Rübenkörper bohren.
Dieses Jahr besteht die Möglichkeit den Rübenrüssler mittels einem per Notfallzulassung bewilligten Insektizids (Wirkstoff: Acetamiprid) zu bekämpfen. Eine Bekämpfung des Schädlings ist jedoch bewilligungspflichtig und erfordert für jeden Betrieb eine individuelle Sonderbewilligung der kantonalen Pflanzenschutzfachstelle. Für eine optimale Wirkung des Insektizids sollte die Applikation im Zeitraum zwischen dem Zuflug der adulten Rüsselkäfer und dem Auftreten erster Einstichstellen erfolgen. In den meisten Regionen ist dieses Behandlungsfenster inzwischen bereits verstrichen. Der Wirkstoff Acetamiprid besitzt neben einer Kontakt- und Frasswirkung ebenfalls eine systemische Wirkung im Saftstrom der Pflanze. Trotz dieser systemischen Eigenschaft ist die Bekämpfung von Eiern und Larven, die sich im Blattstiel befinden, deutlich weniger zuverlässig als eine Behandlung gegen adulte Käfer vor der Eiablage. Aus diesem Grund ist eine zu späte Bekämpfung der Larven im Stängel wenig von Erfolg gekrönt. Sofern sich eine Parzelle nicht in einer bekannten Hotspot-Region befindet, fallen die zu erwartenden Ertragsverluste durch einen Rübenrüsslerbefall meist moderat aus. Eine rechtzeitig durchgeführte Insektizidbehandlung kann jedoch das Risiko von Bohrlöchern im Rübenkopf reduzieren und damit auch die Gefahr von Fäulnisbefall verringern.
Feldkontrollen
Auch wenn bereits einige Herausforderungen mit Erfolg überwunden werden konnten, sind regelmässige Feldkontrollen in den Zuckerrübenparzellen nach wie vor von grosser Bedeutung. So gilt es beispielsweise der Feldhygiene Sorge zu tragen. Derzeit können in den Beständen erste Schosserrüben vorkommen. Diese sollten möglichst früh ausgerissen und aus der Parzelle entfernt werden. Auch erste Vorkommen von Neophyten wie der Samtpappel sind bereits im Feld sichtbar. Die Samtpappel kann von weitem leicht mit Durchwuchssonnenblumen verwechselt werden. Sie keimt vergleichsweise spät und besitzt eine dichte Behaarung auf ihren Pflanzenpartien. Aufgrund dieser Behaarung ist die Samtpappel auch schwierig auf chemischem Weg zu bekämpfen, da das Herbizid oftmals abperlt. Die Samtpappel muss frühzeitig erkannt und konsequent entfernt werden. Das hohe Samenpotenzial und die lange Keimfähigkeit der Samen gefährden ansonsten die Feldhygiene.
Obwohl der frühe Bestandesschluss in den Rüben erfreulich ist, birgt dieser jedoch auch Risiken. Denn in Kombination mit feucht-warmen Verhältnissen sind optimale Konditionen für einen frühen Cercospora-Blattfleckenbefall gegeben. Eine frühe Erkennung der Pilzkrankheit ist essenziell, um eine erfolgreiche Bekämpfung in die Wege zu leiten. Daher sollte bereits jetzt ein Auge auf die Situation im Feld geworfen werden. Cercospora-Blattflecken treten oftmals zuerst in Muldenlagen, Gewässerläufen oder in der Nähe von letztjährigen Rübenmieten auf. Die kantonalen Fachstellen und die Zuckerrübenfachstelle führen auch dieses Jahr wieder auf verschiedenen Standorten ein Monitoring für die Bestimmung des Erstbefalls durch. Die Informationen über die ersten Befunde werden wie gewohnt über die gängigen Kanäle kommuniziert. Das Monitoring ist zwar hilfreich, dennoch ersetzt es nicht die regelmässige Feldkontrolle auf dem eigenen Feld. Sobald die ersten Blattflecken gefunden werden, können zusätzliche Schutzmassnahmen ergriffen werden. Das Fungizid Propulse steht auch dieses Jahr wieder per Notfallzulassung zur Verfügung und sollte für die erste Applikation eingeplant werden. Die Aufwandmenge beträgt 1.2l/ha. Es ist äusserst ratsam das Pflanzenschutzmittel in Kombination mit Kupfermitteln auszubringen. Propulse darf lediglich zwei Mal pro Jahr in Zuckerrüben appliziert werden.