Milchkühe mit Durchfall & Hitzestress
Ursache
Die Erregersuche ist hier wohl zweitrangig, denn Hitzestress schwächt nachweislich die Verdauung. Bei Hitze wird die Haut stärker durchblutet, damit sich das Blut abkühlen kann. Diese Blutmenge wird unter anderem der Verdauung entzogen, so entsteht eine Schwachstelle in der Darmbarriere. Der schnellste Erreger nimmt überhand und die Erkrankung bricht aus. Die Schwächung der Darmbarriere wird durch weitere Faktoren verstärkt:
- Futterknappheit
- Abrupte Futterumstellung
- Unregelmässiger Tagesablauf
(Fütterungszeiten und Weidezeiten müssen täglich gleich sein) - Wassermangel (erhöhter Bedarf kann nicht gedeckt werden)
- Fliegen im Stall
- Viel herumstehen aufgrund der Hitze -> weniger Erholungszeit
Sind mehrere Tiere an Durchfall erkrankt, muss ein Tierarzt zugezogen werden.
Die Herde stärken
Auch Herden, die noch nicht betroffen sind, sollten jetzt prophylaktisch vorbereitet und gestärkt werden.
- Wasser: das wichtigste Futtermittel überhaupt, bei Hitze und Durchfall steigt der Wasserbedarf pro Kuh. Ist Wasser Mangelware im Körper, wird als erstes die Milchleistung reduziert zum Wasser sparen (Für jeden Liter Milch, gehen 500 Liter Blut durchs Euter). Tränken müssen täglich gereinigt werden!
Einfache Anpassung: Zusätzliche Tränken im Stall, z.B. mit Tränkefass im Auslauf, verbessern die Verfügbarkeit auch für rangniedere Tiere. - Heu: strukturreiches Futter in Phasen von akutem Durchfall hilft die Verdauung zu stabilisieren. Das Heu kann in die TMR beigemischt, oder separat vorgelegt werden. Wichtig ist dabei, Rangkämpfe um Futterplätze zu vermeiden.
Einfache Anpassung: Heu kann in einer zusätzlichen Raufe mit vielen Fressplätzen angeboten werden. - Apfelessig: wirkt kühlend und stärkt das Immunsystem. Zudem wirkt er stabilisierend für die Silage. Nach der Futterentnahme den Futterstock mit Apfelessig-Wasser Gemisch benetzen, oder 2dl Apfelessig pro Kuh direkt in die TMR geben.
- Pflanzenkohle: entgiftet und bindet Toxine im Verdauungstrakt. 50g / Kuh ins Futter geben, bei Herden mit akutem Durchfall bis 150g pro Kuh.
- Eiweiss reduzieren: die Tiere brauchen während der Hitze und während Krankheit vor allem Energie und Strukturfutter. Eiweisskonzentrate können reduziert werden (unter Berücksichtigung des Milchharnstoffgehalts).
- Puffer: erkrankte Tiere reduzieren die Wiederkautätigkeit, dadurch wird weniger puffernder Speichel in den Pansen geleitet, eine Übersäuerung entsteht. Der Einsatz von Pansenpuffern in der Fütterung lohnt sich.
- Mineralstoff: die Verdauung ist geschwächt, Mineralstoff wird schlechter aufgenommen und schneller wieder ausgespült. Mineralstoffgabe soll um 25% erhöht werden.
- Effektive Mikroorganismen: EM enthält unter anderem viele Milchsäurebakterien, diese unterstützen die Verdauung und fördern eine gesunde Bakterienzusammensetzung in Pansen und Darm.
Kranke Kühe benötigen eine tierärztliche Betreuung. Zusätzlich kann mit fachkundig durchgeführtem Drenchen, die Flüssigkeitsversorgung sichergestellt werden. Die Zugabe von Mineralstoff, Puffer, sowie 1 dl Essig und 1 dl Kolostrum in das warme Drenchwasser unterstützt die Kuh in der Genesung.
Roboterbetriebe: bei drastischer Milchleistungsreduktion werden die Kühe vom Roboter als unvollständige Melkvorgänge markiert und erhalten je nach Einstellungen sofort Melkberechtigung. Gehen die Kühe 4 und mehr mal pro Tag in den Roboter wird das Euter übermässig gereizt und je nach Einstellungen wird mehr Kraftfutter aufgenommen, wodurch eine Pansenazidose entstehen kann.
Es empfiehlt sich in dieser Situation die Zwischenmelkzeit manuell zu ändern auf über 8 Stunden.
Kühlung im Stall
Hitzestress lässt sich reduzieren durch den Einsatz von Ventilatoren oder noch effektiver einer Kombination von Kuhduschen und Ventilatoren. Aber Achtung: bereits kranke Tiere können bei Einsatz von Kuhduschen und Ventilatoren empfindlicher auf die Zugluft reagieren und zu stark auskühlen. Lungenentzündungen sind die Folge. Grosse Ventilatoren sollten so eingestellt sein, dass die Kühe wahlweise in den Wind stehen oder diesem ausweichen können.
Sind die Kühe zeitweise auf der Weide, soll der Stall weiter belüftet werden, damit das Gebäude abkühlen kann.
Eine spannende Zusammenfassung zu Hitzestress vom RGD: https://www.rgs-ntgs.ch/cust/files/93A/Akt_20260721_Zusammenfassung_Hitzestress.pdf