Schweine wühlen und entdecken
11 Jager liegen grad friedlich im Auslaufbereich des Schweinestalls (BTS und Raus-konform) im Schatten. Sie haben es sich im mit Strohpellets gefüllten Areal bequem gemacht und dösen vor sich hin. Eigentlich sind die Wühlareale zum Graben gedacht, doch die Tiere nutzen sie ebenso gerne zum Ausruhen.
Natalie Bölsterli, Praktikantin im Team Tierhaltung, begleitet das Projekt im Schweinestall am Strickhof, welches im Rahmen des Livings labs «Im Grunze gut» des FiBL, die Praxistauglichkeit solcher Wühlbereiche in Schweineställen untersucht. Sie mag die Arbeit mit den intelligenten Tieren und sieht viel Potential in diesem Projekt.
Strohpellets als Versuchsmaterial für Wühlareal
Die Wühlareale am Strickhof liegen im überdachten Teil des Auslaufs der Ferkelaufzucht und machen knapp ein Drittel der Fläche aus. Als Einstreu werden in der Pilotphase Strohpellets als Grundmaterial getestet. Die Schweine zerbeissen sie gerne. Zurück bleibt eine feinere, weiche Schicht aus gehäckseltem Stroh. Als kleine Leckerbissen wurden unter anderem in einem Wühlareal Maiswürfel eingemischt und in einem anderen Pinienrindezur zusätzlichen Beschäftigung. Das regt das wühlen zusätzlich an. Grundsätzlich eignen sich als Einstreumaterial erdähnliche und fressbare Materialien. Reines Stroh ist weniger attraktiv. Ein Kamerasystem zeichnet das Verhalten der Schweine auf. So lässt sich auswerten, wie viel Zeit sie mit Wühlen, Ruhen oder Spielen verbringen. Das Projekt läuft für drei Jahre.
Der Strickhof möchte neben den Tierwohl- und Gesundheitsaspekten, auch die Wirtschaftlichkeit überprüfen, denn durch die Wühlareale entsteht ein Mehraufwand. Lohnt es sich dennoch? Es wird die Nutzungsdauer des Wühlmaterials sowie der zusätzliche Arbeitsaufwand erfasst. Bereits im ersten Umtrieb zeigte sich, dass die Jager die Bucht und den Auslauf besser sauberhalten. Es hat einen Ort an dem sie Kot und Urin absetzen, dies freut die Mitarbeitenden im Stall.
Wühlen als arttypisches Verhalten von Schweinen
Wühlen gehört zu den wichtigsten natürlichen Verhaltensweisen von Schweinen. Sie sind von Natur aus neugierige und soziale Tiere, die ein ausgeprägtes Bedürfnis haben ihre Umgebung zu erkunden. Sobald sie die Möglichkeit dazu haben, wühlen sie mit ihrem Rüssel im Boden oder in Wühlmaterial. In einer natürlichen Umgebung sind Schweine stundenlang mit der Futtersuche und Umgebungserkundung beschäftigt. Fehlen solche Möglichkeiten, können Verhaltensstörungen wie Schwanzbeissen- auftreten, wenn nicht andere Ursachen dies hervorrufen (z.Bsp. gesundheitliche Aspekte).
Deshalb ist auch eine Beschäftigung für 24 h obligatorisch (Art. 44 TSchV). Am Strickhof sind die gängigen Beschäftigungsmaterialien und Installationen vorhanden. Die Sauen haben Heuraufen, die Jager Heubälle, wie es in der Praxis üblich ist. Die Heubälle sind beweglich aufgehängt, sodass die Jager das Heu nicht zu leicht, sondern rausarbeiten müssen. Im Stallinnern stehen den Schweinen ausserdem Futter und Wasser zur Verfügung. Im warmen Ferkelschlupf können sie sich zurückziehen.
Arbeitsaufwand und Kosten im Blick haben
Wühlareale in der Schweinehaltung sind noch wenig verbreitet, man kennt es eher in der Bioproduktion. Demzufolge gibt es wenig Erfahrung zum Bau und Management, v.a. in der konventionellen Produktion. Wichtig ist, dass die Kosten und der Arbeitsaufwand tief gehalten werden und das Material leicht zu beschaffen ist – idealerweise direkt vom Hof oder aus der Region. In der Bioproduktion muss es zudem Bioqualität haben. Auch muss die Biosicherheit gewährleistet sein und die Entsorgung sollte früh mitgedacht werden. Materialien, die sich kompostieren oder in der Biogasanlage verwerten lassen, sind am besten geeignet.
Text: Ursina Berger, Strickhof