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Obst-Info Zürich Nr. 16 vom 18. Juni 2026

Aktuelle Themen: Wetter und Phänologie ¦ Pflaumenwickler: aktuelle Situation; Phänologie als Entscheidungshilfe für Behandlungszeitpunkt; Zugelassene Mittel ¦ Kirschessigfliege ¦ Kernobst: Fruchtausdünnung

Wetter und Phänologie

In den nächsten Tagen erwartet uns hochsommerliches Wetter mit sehr heissen Temperaturen von bis zu 36°C. Entsprechend muss mit Gewittern gerechnet werden, derzeit sind diese vor allem für den Freitag prognostiziert. www.meteoschweiz.admin.ch

Phänologie: Beim Kernobst ist das Fruchtwachstum in vollem Gange und wir beobachten verbreitet einen aussergewöhnlich starken Junifruchtfall. Bei den Kirschen ist die Ernte der frühen und mittelfrühen Sorten im Gange, so werden in Lindau derzeit Merchant gepflückt. Auch frühe Aprikosensorten wie Springblush sind im Tunnel bereits bei Erntebeginn. Zwetschgen befinden sich im Fruchtwachstum.

 

Pflaumenwickler

Aktuelle Situation

Seit diesem Jahr überwachen wir den Pflaumenwicklerflug mit einer unserer neuen Lepidotraps. Dank täglichen Daten können wir nun den Flug besser überwachen, als dies in der Vergangenheit der Fall war (siehe Grafik). Bisher gab es gemäss Fallenfängen am Standort Höri (Referenzregion Zürich Reckenholz auf SOPRA) eine starke Flugaktivität Ende April und einen Flughöhepunkt am 21. Mai 2026. Die Erfahrung dieses Jahres und auch der letzten Jahre zeigt, dass eine klare Abgrenzung des Pflaumenwicklerfluges zwischen der 1. und 2. Generation nicht möglich ist, da sich die Flugkurven überlagern. Aus diesem Grund macht ein fixer Behandlungszeitpunkt zum Flugbeginn der 2. Generation wenig Sinn. 

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen zudem, dass bei einem zu späten Start der Behandlungen gegen den Pflaumenwickler trotzdem Schäden zu erwarten sind, weshalb wir empfehlen, den Behandlungsbeginn auf die phänologische Entwicklung und eigene Beobachtungen abstützen.

Pflaumenwickler Grafik
Pflaumenwickler Flugaktivitägen pro Tag am Standort Höri ZH (per 10.6.2026). Grafik: D. Szalatnay, Strickhof

 

Es ist grundsätzlich empfehlenswert, Früchte auf Eiablagen und Einstichstellen zu kontrollieren. Die Jungraupen schlüpfen 9 – 15 Tage nach Eiablage und spätestens dann sollte die Behandlung erfolgen, da die zugelassenen Mittel auf Junglarven die beste Wirkung haben.

Zu beachten ist, dass bei Sortenblöcken mit schwachem Behang der Anteil befallener Früchte hoch ausfallen kann und darum eine saubere Abdeckung des Pflaumenwicklers zur Verhinderung von wirtschaftlichen Schäden wichtig ist.

Steinobst Pflaumenwickler Situation 23.6.2025
Eier des Pflaumenwicklers sind meist an der Unterseite der Früchte zu finden. Foto: Strickhof

 

Phänologie als Entscheidungshilfe für Behandlungszeitpunkt

Die Phänologie kann eine zusätzliche Hilfe für das Festlegen des Behandlungszeitpunkts sein. Die Zeit kurz nach Ende der Ernte von Merchant scheint ein guter Richtwert für die erste Pflaumenwickler-Behandlung zu sein.

>> Wir empfehlen die erste Behandlung gegen Pflaumenwickler Ende dieser bis Anfang der kommenden Woche durchzuführen.

 

Für eine Behandlung gegen den Pflaumenwickler sind im ÖLN zugelassen:

Emamectinbenzoat (Affirm)
Reguläre Zulassung nur zur Anwendung in Obstanlagen! Maximal 2 Anwendungen pro Parzelle und Jahr. Wartefrist 3 Wochen. Wirkungsdauer ca. 2 Wochen.
Gemäss Allgemeinverfügung vom 26.01.2026 maximal eine Behandlung auf Halb- oder Hochstammbäume. 

Spinetoram (Zorro)
Gemäss Allgemeinverfügung vom 26.01.2026 dürfen max. 3 Behandlungen pro Parzelle und Jahr gemacht werden. Wartefrist 1 Woche. Wirkungsdauer ca. 3 Wochen. 

Details zu den Auflagen der Notfallzulassungen unter folgendem Link unbedingt befolgen! 
Allgemeinverfügung Pflaumenwickler (www.blv.admin.ch)

Beide zugelassenen PSM sind bienengefährlich. Die Auflagen zum Schutz der Bienen sind strikt einzuhalten.

 

Kirschessigfliege

Wichtigste Massnahme, um Schäden durch die KEF in den Kirschen zu verhindern ist und bleibt die Erntehygiene. Ernten Sie die Sortenblöcke konsequent ab und führen Sie auch Ausschussware aus der Anlage, um die Vermehrung von KEF zu verhindern. Dies gilt auch für eingenetzte Parzellen! 

Wird eine direkte Bekämpfung nötig, bestehen auf Kirschen folgende Möglichkeiten:

ÖLN: Acetamiprid per Notfallzulassung, 0.32kg/ha, maximal 2 Anwendungen, Wartefrist 7 Tage

BIO / ÖLN: Spinosad, 0.32 l/ha, maximal 2 Anwendungen, Wartefrist 7 Tage

Nur für Industrieware (Spritzflecken!) kommen zudem Behandlungen mit Kaolin (Surround) oder Löschkalkprodukten in Frage. 

 

Kernobst Fruchtausdünnung

Die Handausdünnung wird dieses Jahr an vielen Orten weniger aufwändig ausfallen als gewohnt – dem starken Junifruchtfall sei Dank. Wo nötig kann jetzt mit der Handausdünnung begonnen werden. Bei kleinfruchtigen Sorten und gutem Behang sind Einzelfrüchte das Ziel, bei grossfruchtigen Sorten oder schwachem Behang können zwei bis drei Früchte pro Blütenbüschel belassen werden.

Vorsicht bei den kommenden Hitzetagen: Früchte, die beim Ausdünnen aus einer vorherigen Schattenposition plötzlich der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, sind gefährdet für Sonnenbrand. Wenn möglich also die Früchte hängen lassen, welche bereits sonnenexponiert sind.     

 

Weitere Themen

  • Fachbewilligung Pflanzenschutzmittel: bis 30.6.2026 umwandeln
  • Notfallzulassungen / Allgemeinverfügungen
  • Termine

 

PDF: Obst-Info Zürich Nr. 16 vom 18. Juni 2026
 

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