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Stress, Staub und Schlemmereien: Herausforderungen in der Pferdehaltung

Am Pensionspferdetag referierten erfahrene Tierärzte zu den Themen Atemwegserkrankungen, Magengeschwüre, Parasiten und Gewichtsdisbalancen und stellten wirksame Massnahmen gegen diese Probleme vor.

Am Pensionspferdetag zum Thema «Gesundheit beginnt im Stall» von letzter Woche am Strickhof Lindau konnte Organisatorin Bettina Ehrbar eine beachtlich grosse Anzahl Pferdehalterinnen und -halter begrüssen. Diese nutzten den Fachtag, um sich weiterzubilden sowie sich untereinander zu vernetzen und auszutauschen. Am Ende der Referate hatten die Anwesenden zudem die Möglichkeit, Fragen zu stellen, was rege genutzt wurde und auch für die Zuhörenden von grossem Wert war.

Anhaltenden Stress vermeiden

Den Anfang machte Tierarzt Stéphane Montavon vom Equi-Scope zum Thema Magengeschwüre. Dabei handelt es sich um kleine Wunden im Magen, die sehr schmerzhaft sein können. Da der obere Magenbereich im Gegensatz zum unteren nicht durch Säure geschützt ist, ist er besonders anfällig für Geschwüre. Wie Stéphane Montavon aufzeigte, können zahlreiche Symptome und Verhaltensweisen auf ein Magengeschwür hindeuten, wie Unwillen, Gewichtsverlust, Kopfneigen, häufiges Scharren und Gähnen, das Dehnen des Bauchs sowie weitere Auffälligkeiten in der Körpersprache. Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen anhaltendem Stress und Magengeschwüren. Da Pferde Beutetiere sind, müssen sie sich sicher fühlen, um sich entspannen zu können. Transporte, Turniere, Veränderungen der Routine, Trennungen, Langeweile und vieles mehr können solchen Stress verursachen. Mittels einer Gastroskopie kann der Tierarzt ein Magengeschwür diagnostizieren. Diese kann relativ einfach in rund 20 Minuten durchgeführt werden.

Staubbildung beachten

Tierarzt Urs Röthlisberger beleuchtete Atemwegserkrankungen bei Pferden, insbesondere das Equine Asthma, das zu verengten und entzündeten Bronchien führt. Hauptursache sind gemäss Urs Röthlisberger Staubstoffe in der Stallumgebung. «Das Pferd ist ein Steppentier, und dort gab es keine solchen permanenten Schwebestoffe in der Luft», begründete er. Erkennbar ist die Krankheit vor allem durch Husten, Nasenausfluss, geblähte Nüstern und erschwerte Atmung. Nach der Diagnose kann sie medikamentös behandelt werden, anschliessend muss jedoch zwingend das Management angepasst werden, da die Krankheit sonst rasch zurückkehrt.

Staub entsteht insbesondere durch Heu, Stroheinstreu, auf Hallenböden und durch unhygienische Stallbedingungen, die Milben und Pilzsporen begünstigen. Wer Asthmatiker im Stall hält, muss das gesamte Stallmanagement überdenken – etwa den Standort von Futter- und Mistlager, die Wahl des Raufutters und der Einstreu, die Frischluftzufuhr, die Arbeitsabläufe und das Bewegungsmanagement der Tiere. Eine Möglichkeit ist es, das Heu ausreichend zu nässen oder den Tieren Heulage zu verfüttern. «Eine gute Heulage ist ein ideales Futter», ergänzte Bettina Ehrbar. In der Regel funktioniert die Fütterung von Heu bei gleichzeitiger Stroheinstreu gut, doch bei asthmakranken Tieren müssen solche Aspekte hinterfragt werden.

Resistenzen vorbeugen

Tierarzt Hubertus Hertzberg referierte zum Thema Parasiten. Gleich zu Beginn stellte er klar, dass ein parasitenfreies Pferd eine Utopie bleibt. Während früher die «grossen Strongyliden» weit verbreitet waren, dominieren heute eher die «kleinen Strongyliden», die jedoch vergleichsweise weniger schädlich sind. Besonders die Weidehaltung trägt zur Kontamination mit Parasiten bei.

In den letzten Jahrzehnten haben die Resistenzen gegenüber den drei verfügbaren Wirkstoffen deutlich zugenommen. Ziel ist es deshalb, die Tiere nur dann zu behandeln, wenn eine gewisse Anzahl an Eiern im Kot nachgewiesen wird. Zudem ist die richtige Dosierung entscheidend. Wichtig ist auch eine gute Weidehygiene: Der Kot sollte mindestens alle sieben Tage eingesammelt werden. Ob eine Behandlung notwendig ist, kann mittels Kotprobe im Labor festgestellt werden. Es empfiehlt sich zudem, bei neuen Pensionären vor dem Einstallen eine Kotprobe zu entnehmen.

Leben am Dessertbuffet

Im letzten Referat widmete sich Tierarzt Christian Haas den Problemen von adipösen und alten Pferden. Übergewichtige Pferde fressen schlicht zu viel, was zu gesundheitlichen Problemen wie beispielsweise Hufrehe führen kann. «Heute leben viele Pferde an einer Art Dessertbuffet», sagte Christian Haas. Zwar muss auch Stroh als Einstreu mitgerechnet werden, da es ebenfalls Kalorien enthält, als Hauptproblem sieht er aber die Ergänzungsfuttermittel sowie die oft mangelnde Bewegung. Besonders Rassen aus kargen Regionen wie Araber oder Islandpferde sowie Esel sind anfällig für Übergewicht.

Im Falle von Übergewicht ist es notwendig, die Futtermenge genau abzuwägen (rund 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht) und auch die Einstreu zu hinterfragen.

Heute werden Pferde immer älter, da sie meist als Freizeitpartner gehalten werden und die Behandlungsmöglichkeiten stetig besser werden. Christian Haas zeigte auf, an welchen Krankheiten ältere Pferde häufig leiden und wie damit umgegangen werden kann.

Text: Ursina Berger, Strickhof

Pensionspferdetag 2026
Die Referenten des Strickhof Pensionspferdetags (v.l.): Christian Haas, Urs Röthlisberger, Hubertus Hertzberg und Stéphane Montavon sowie in der Mitte Organisatorin Bettina Ehrbar.
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