Neue Viruserkrankungen verunsichern die Pferdehalter
Die gute Nachricht vorweg: Mit dem Herbstbeginn und der Abnahme des Insektendrucks ist auch eine Abnahme der Infektionen zu erwarten, weil beide Viren durch Insekten (Gnitzen und Stechmücken) übertragen werden. Die winterliche Verschnaufpause sollte jedoch genutzt werden, um sich Strategien für den kommenden Sommer zu überlegen. An erster Stelle steht dabei der Schutz vor den stechenden “Plagegeistern”. Beim WNV kann zudem eine Impfung ins Auge gefasst werden.
Zwei nicht verwandte Virusstämme
Abgesehen vom gleichzeitigen Auftreten, der Übertragung durch Insekten und neurologischen Störungen als Symptome, handelt es sich bei den beiden Erregern um eigene Virusstämme, die zudem in verschiedenen Tierarten nachgewiesen werden konnten. Erschwert wird die Diagnose durch den Umstand, dass die Symptome je nach Tierart erheblich variieren können.
West-Nil-Virus
Das WNV gehört zur Gruppe der Flaviviren und wurde bereits 1937 in Uganda nachgewiesen, in der Nähe der Nil-Quelle, was dem Virus seinen Namen gab. Es kursiert hauptsächlich zwischen Vögeln und Mücken und konnte sich deshalb über Zugvögel in den Nahen Osten und später nach Europa, Asien und sogar Nordamerika ausbreiten. Pferde gelten als Fehlwirte und scheinen bei der Übertragung keine Rolle zu spielen. Dennoch erkranken sie weit häufiger und schwerer als andere Nutztiere oder Menschen. Bei Letzteren verläuft die Krankheit meist symptomlos, gelegentlich treten grippeähnliche Symptome auf und sehr selten greift das Virus das zentrale Nervensystem an. Deshalb gilt das WNV als Zoonose und ist laut BLV eine meldepflichtige und zu überwachende Tierseuche.
Erkrankungen wurden erwartet
Nachdem das Virus im Jahr 2022 erstmals bei Mücken im Tessin nachgewiesen werden konnte und 2025 dort die erste Infektion beim Menschen auftrat, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Krankheit über die Alpen schwappen würde. Das infizierte Pferd aus dem Kanton Aargau befindet sich mittlerweile auf dem Weg zur Besserung.
Die Symptome des WNV können von Fieber, Appetitlosigkeit und allgemeiner Schwäche im Anfangsstadium zu Muskelzittern, schwankendem Gang und in seltenen Fällen zu Lähmungen und Festliegen führen.
Der WNV ist gut erforscht und es gibt für die Schweiz zugelassene Impfstoffe. Das Impfschema sieht eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen und anschliessend jährlicher Auffrischung vor. Die Impfung schützt vor schweren Krankheitsverläufen.
Shamonda-Virus
Ganz anders ist die Lage beim SHVA, dem Schreckgespenst des Sommers 2026 bei den Rindern: Dieses Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe wurde neu entdeckt, als viele Rinder während der sommerlichen Hitze unter Fieber, Durchfall, Mattigkeit und Milchleistungsrückgang litten. Gleichzeitig wurden vermehrt Pferde mit neurologischen Störungen in den Tierarztpraxen vorgestellt.
Bisher konnte das Virus bei sechs verstorbenen Pferden im Hirngewebe nachgewiesen werden. Beim Institut für Virologie und Immunologie (IVI) sind Antikörpertest und PCR erhältlich, gekoppelt an eine Untersuchung mit WNV. Ein Nachweis am lebenden Pferd ist zurzeit nicht möglich.
Noch bestehen wenig gesicherte Informationen zu dieser Krankheit. Viele Fragen rund um die Prävention, die Therapie und mögliche Langzeitfolgen bleiben offen. Die Übertragung erscheint durch Gnitzen zu erfolgen und es ist davon auszugehen, dass das Virus in der Schweiz schon grossflächig verbreitet ist. Betroffene Pferde können zum jetzigen Zeitpunkt nur symptomatisch behandelt werden. Es sollten zudem Stresssituationen vermieden werden.
Die Wissenschaft arbeitet auf Hochtouren und in den kommenden Monaten sind neue Erkenntnisse zu erwarten. Umso wichtiger ist der Schutz der Pferde vor Stichen und die Verhinderung der Vermehrung an feuchten Orten und in abgestandenem Wasser.
Massnahmen zum Schutz vor Insektenstichen:
- Keine Weidebestossung in der Dämmerung, wenn Gnitzen hauptsächlich aktiv sind.
- Wasser in offenen Tränken regelmässig erneuern.
- Den Liegebereich trocken halten.
- Fliegenmasken und Netzdecken bieten einen effektiven Schutz vor Stichen.
- Verschiedene Insektensprays und Repellentien sowie olfaktorisch relevante Futterzusätze wie Knoblauch oder gewisse Kräuter (beispielsweise Lavendel, Zitronendüfte oder Duftgeranien) vergrämen die Insekten.
- Bedarfsgerecht mit Mineralstoffen und Vitaminen versorgte Pferde reagieren robuster auf Stiche.
- Ein gutes Stallklima mit genügend Luftumwälzung vermindert den Insektendruck ebenfalls.
Text: Bettina Ehrbar, Strickhof
Quellen: https://www.blv.admin.ch/de/shamonda-virus-in-der-schweiz
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