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Das Rebjahr 2026 scheint es eilig zu haben

In Wädenswil haben Pinot Noir und Müller-Thurgau die Vollblüte um den 5. Juni erreicht, in Wülflingen 2-3 Tage später, das ist ähnlich früh wie 2018.

Frühe Blüte, frühe Lese

Der Blühtermin (Vollblüte, BBCH 65) ist mehr als nur eine phänologische Notiz, denn er lässt eine erste – zugegebenermassen noch unsichere – Schätzung des möglichen Lesefensters zu. Auf der Basis langjähriger Beobachtungen durch Agroscope am Standort Wädenswil lässt sich folgendes ableiten: Müller-Thurgau erreicht sein Hauptlesefenster etwa 95 Tage nach Vollblüte, mit ± 8 Tagen. Pinot Noir liegt eher bei 112 Tagen nach Vollblüte, mit ± 10 Tagen. 

Verlauf Phänologie Pinot Noir 6.2026
Pinot Noir (dunkle Linie) erreichte in Wädenswil die Vollblüte (BBCH 65) dieses Jahr deutlich früher als im langjährigen Mittel. Quelle: www.agrometeo.ch

www.agrometeo.ch/de

 

Für 2026 bedeutet dies: Bei Vollblüte zwischen dem 5.–8. Juni fällt das rechnerische Lesefenster für Müller-Thurgau ungefähr auf den 8.–11. September, mit einer praxisnahen Spanne von etwa 31. August bis 19. September. Pinot Noir erreicht sein Lesefenster rechnerisch um den 25.–28. September, realistisch etwa 15. September bis 8. Oktober. Somit reiht sich 2026 phänologisch vorerst in die frühen Jahre ein. Ob diese Prognose letztendlich zutrifft, entscheiden aber vor allem die Witterung und die Pflege der Reben zwischen Blüte und Ernte.

Fruchtentwicklung Trauben Rebbau
Die Vielfalt der Rebsorten zeigt sich bereits während der Blüte: Gescheine der Sorten Calardis blanc, Floreal, Souvignier gris und Muscaris (von links).

 

Witterung und Pflege sind entscheidend

Warme, sonnige Tage während des Sommers und im Herbst beschleunigen die Zuckerbildung und den Säureabbau und damit auch die Reife. Kühle, wolkenreiche Phasen dagegen verlangsamen die Assimilation, erhalten Säure und dehnen die Reifephase aus. Extreme Hitze wirkt sich jedoch eher negativ aus, zumindest bei den Sorten Müller-Thurgau und Pinot Noir. 

Die Entblätterung der Traubenzone verbessert Belichtung, Durchlüftung und Abtrocknung. Früh und moderat durchgeführt, reduziert sie Kompaktheit und Fäulnisdruck; zu stark oder zu spät ausgeführt erhöht sie Sonnenbrand- und Hitzestressrisiko. Massvolles Gipfeln bremst das vegetative Wachstum und sorgt für eine bessere Versorgung der Trauben. Zu frühes oder starkes Gipfeln entfernt jedoch aktive Blattfläche und kann zu kompakteren Trauben führen. Entscheidend ist ein ausgewogenes Blatt-Frucht-Verhältnis. Ein angepasster moderater Ertrag ist und bleibt aber der wichtigste Baustein für eine gleichmässige Reife.

Die obige Faustregel ist somit nur eine grobe Einschätzung, gibt aber dennoch einen wertvollen Hinweis. Pflege, Wetter und der gewünschte Weintyp entscheiden letztendlich, wann die optimale Lesereife tatsächlich erreicht ist.

Fruchtentwicklung Trauben Rebbau
In vielen Lagen ist die Blüte bereits beendet und die Beerenentwicklung hat begonnen. Bild: M. Gölles, Strickhof

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