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Rindvieh aktuell Juni / 2026

Ein effizienter Melkprozess ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit und Eutergesundheit im Milchviehbetrieb. Melkberater analysieren Melkroutine, Melktechnik und mögliche Keimquellen, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu beheben.

Milchgewinnung: Erfolgreich Milch für den Verkauf gewinnen

Melken gilt als Routinearbeit. Umso wichtiger ist ein festgesetzter, effizienter Ablauf. Da der Melkprozess von vielen Faktoren abhängig ist, führen kleine Fehler schnell zu wirtschaftlichen Einbussen. Im Gespräch mit einem Melkberater können diese aufgedeckt und gelöst werden.

Welche Fragen stellt sich ein Melkberater?

  • Melkarbeit: Wie ist der Melkablauf?
  • Melktechnik: Mit welchem Melksystem wird gearbeitet, passt es zu den Tieren im Stall?
  • Kühe: Wie ist der Allgemeinzustand? Hat es Kühe, die regelmässig auffallen?
  • Stallumgebung: An welchem Standort befindet sich der Stall, welche Umweltbedingungen sind vorherrschend?
  • Leitkeime: Welche lassen sich identifizieren? Wirken sich vorhandene Keime negativ auf die Eutergesundheit aus

 

Melkarbeit

Der Zeitaufwand beim Melken darf nicht vernachlässigt werden. Die Melkdauer hängt von vielen Faktoren ab. Der Melkberater wird dem Betriebsleiter beim Melken über die Schulter schauen und für das nachfolgende Gespräch dokumentieren. 

  • Routine beim Melken
  • Melkdauer der Kühe
  • Milchleistung & Milchfluss
  • Melkbarkeit der Kühe
  • Art des Betretens
  • Art technischer Hilfsmittel
  • Anzahl zur Verfügung stehender Melkeinheiten und Anzahl Kühe

 

Dauert das Melken pro Kuh 6 Minuten und die Melkroutine ist bei 65 Sekunden pro Kuh, kann ein Melker 6 Melkzeuge bedienen. Haben die Kühe eine Melkdauer von 8 Minuten pro Kuh, kann der Melker rein theoretischen mit 8 Melkeinheiten gleichzeitig arbeiten. Um mit mehr als 4 Melkeinheiten gleichzeitig zu arbeiten, empfiehlt sich die Installation einer Selbstabnahme. So kann ein Blindmelken und somit eine Reizung des Eutergewebes verhindert werden. 

 

Melktechnik

Der Melkberater schaut sich den Bericht der letzten Serviceprüfung an und kann mittels einer Nassmessung die Funktionalität des Melkzeugs überprüfen. Die sogenannte Nassmessung wird während des Melkens durchgeführt und bietet daher ein reales Bild des Melkablaufs. Es wird empfohlen bei Problemen mit der Eutergesundheit, bei Umstellungen des Melkzeugs (auch bei Änderungen von Zitzengummis) und bei Neuinstallationen eine Messung vorzunehmen. 

Gruppieren 2, Gruppiertes Objekt
Gruppieren 3, Gruppiertes Objekt

Eine Nassmessung gibt Einblick, ob die Melktechnik zu den Kühen passt. Auch wenn die jährliche DIN ISO Prüfung der Melkanlage korrekt ist, kann es währen dem Melken zu Abweichungen kommen.

 

Auch die Züchtung hat einen Einfluss auf den Milchfluss. Dieser beträgt nicht mehr konstant zwei Liter pro Minute, sondern kann je nach Herde und Genetik bis auf fünf Liter pro Minute ansteigen. Auch die Melkleistung leidet unter dem schnelleren Milchfluss: Bildet sich ein Milchstau in der Leitung, zieht sich der Vorgang in die Länge. Dazu besteht das Risiko, dass es zu einer Euterentzündung kommt, wodurch Mehrarbeit und zusätzlichen Kosten entstehen.

 

Leitkeime

Nebst den Anforderungen, die in der Verordnung des EDI über die Hygiene bei der Milchproduktion (→VHyMP) aufgeführt sind, entscheiden weitere Faktoren ob und wie wirtschaftlich Milch produziert werden kann. Kommt es zu akuten Viertel mit Entzündung und Fieber bei den Kühen, ist schnelles Handeln angesagt. Wenn die Viertel aber chronisch sind, ist eine Leitkeimbestimmung sinnvoll. Jeder Keim erzählt eine Geschichte, woher sie kommen und wie diese bekämpft werden können. Damit erreichen wir die Ursachenbekämpfung anstelle der Symptombekämpfung. 

Da auch die Milchabnehmer interessiert sind an qualitativ hochstehender Milch, wird eine Beratung pro Jahr von einigen Milchkäufern unterstützt.

Wichtig ist, das frühzeitig reagiert und hinterfragt wird, bevor es zu einem finanziellen Dilemma kommt.

Kuhassoziierte ErregerUmweltkeime
Staphylococcus aureusStaphylococcus sp.
Streptococcus agalactiaeStreptococcus dysgalactiae
Mycoplasma bovisStreptococcus uberis
Micoplasma sp.Enterococcus faecalis/faecum
 Corynebacterium bovis
 Trueperella pyogenes/Peptoniphilus indolicus (häufig in Mischinfektion)
 Escherichia coli
 Klebsiella sp.
 Serratia marcescens
 Prototheca species
 Hefen

Einteilung der Euterkeime (Quelle:Suisselab)

Aktuelles aus dem Team Tierhaltung

  • Save the date: Regionaltagung TG, SH und ZH Mutterkuh Schweiz, 5.9.26
  • Im Arbeitskreis Milchproduktion treffen sich Milchviehhalter*innen regelmässig, um gemeinsam aktuelle Themen zu diskutieren und Erfahrungen zu teilen. 1. Treffen am 30. Oktober 2026
  • SKN Schmerzausschaltung, 8.10.26 à hier geht’s zur Anmeldung 
  • Einführungskurs Biolandbau Wiederkäuer à hier geht’s zur Anmeldung
  • Informationen des BLV zur Blauzungenkranheit und verbilligtem Impfstoff über Selbstdeklaration ab 15.4. bis 31.8.2026, beachten Sie das Merkblatt
    und hier geht’s zu BLV-Homepage