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Uneins über die Fläche

Am Podium vom vergangenen Montag, organisiert von den angehenden Agrotechnikern, lieferten sich zwei praktizierende Landwirte und je ein Vertreter von Birdlife und dem Bauernverband eine kurzweilige Debatte über die Biodiversitätsinitiative, die am 22. September 2024 vor das Volk kommt.

Einleitend gab Moderator Adrian Krebs den beiden Organisationsvertretern Raffael Ayé von Birdlife sowie Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband die Gelegenheit, den 180 Besucherinnen und Besuchern in einer kurzen Präsentation ihren Standpunkt zur Initiative zu erläutern. Raffael Ayé zeigte auf dabei, wie wichtig es sei, Insekten und Vögel zu schützen, die für die Produktion von 80 Prozent unserer Nahrungsmittel ihren Beitrag leisten, beispielsweise durch Bestäubung. Die Biodiversität sei stark bedroht, weltweit und besonders stark in der Schweiz.

Weitere 900'000 ha?

Martin Rufer betonte, dass in der Landwirtschaft die Biodiversität ernst genommen werde, da ihr Nutzen für die Landwirtschaft sehr wichtig sei. An der Initiative problematisch sei für ihn die Fläche: 30 Prozent der Landesfläche müsste für Biodiversität ausgeschieden werden. Das bedeute, zu den heute bereits vorhandenen 190'000 ha Biodiversitätsförderflächen müssten weitere 900'000 ha dazukommen. Im ländlichen Raum habe sich eine breite Allianz vom Gewerbe über den Tourismus bis zur Energiewirtschaft gegen die Initiative gebildet, weil sie sich bei einer Umsetzung benachteiligt sieht. 

Enorme Bürokratie

Die beiden Landwirte gaben Einblick in ihren Betrieb und offenbarten ihre Einstellung zur Biodiversität. Milchproduzent Jörg Büchi aus Elgg erachtet Biodiversität als wichtig und setzt einige Massnahmen auch freiwillig um. Er bemängelte aber den damit einhergehenden bürokratischen Aufwand, der für ihn so unverständlich wie unzumutbar ist. Er verfolge lieber mit privaten Organisationen regionale Projekte zur Förderung der Biodiversität, weil diese weniger bürokratisch organisiert seien und fügte hinzu: «Wenn diese Projekte der Biodiversität nützen, freut es mich.»

Gemüseproduzent Samuel Kessens führt in Oberwil-Lieli AG den Biogarten Lieli. Die über 50 angebauten Gemüsesorten werden in der Region an 1500 Gemüse-Abonnenten vermarktet. Bei ihm befinden sich die Biodiversitätsförderelemente auf jeder seiner kleinräumig und divers angelegten Parzellen in die Produktion integriert, um damit die Nützlinge anzulocken. Er sagte: «Biodiversität ist für mich ein fester Bestandteil der Nahrungsmittelproduktion.»

Qualität erhöhen

Viel zu reden gab die Fläche, die bei Annahme der Initiative ausgeschieden werden müsste. Raffael Ayé wiedersprach Martin Rufer, dass das Initiativkomitée bewusst auf eine Flächenangabe verzichtet habe, weil «es vielmehr um die Qualität der Biodiversität auf den entsprechenden Flächen geht». Und wenn er dann doch eine Angabe machen müsse: «mit einer ungefähren Verdoppelung der jetzigen Fläche würden wir schon weit kommen». Statt weitere Flächen für die Biodiversität hergeben, möchte Martin Rufer vielmehr bei den vorhandenen 190'000 Ha mit diversen Massnahmen die Qualität erhöhen. «Darüber sind wir bereit zu diskutieren», sagte er. 

Weiter wird von der Branche befürchtet, dass die Kosten der Initiative – auf zirka 400 Millionen Franken geschätzt – auf die Landwirtschaft umgewälzt würden. Raffael Ayé relativierte diese Kosten, das seien 0,5% des Bundesbudgets: «Der Erhalt unserer Lebensgrundlagen müsste uns das Wert sein!»

Text: Ursina Berger

 

Podium Biodiversitätsinitiative
Podium Biodiversitätsinitiative

 

Bildlegende: Die Podiumsgäste v.l.: Raffael Ayé, Samuel Kessens, Martin Rufer, Jörg Büchi sowie Moderator Adrian Krebs. (Bild: Strickhof)

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