Pflanzenbau News Strickhof vom 3. Juni 2026
Getreide
Feldrand-Hygiene
Feldränder haben eine gewisse ökologische Bedeutung als Rückzugs- oder Vermehrungsort für Nützlinge. Ist der Feldrand aber voll mit Trespen, Quecken oder Blacken etc., sollten diese vor der Getreideernte gemäht, gemulcht und korrekt entsorgt werden. Werden beispielsweise Trespen in diesem Randbereich vom Mähdrescher erfasst, verbreiten sie sich durch den Auswurf der Maschine immer weiter in die Parzelle hinein.
Mutterkorn
Der Mutterkorn-Pilz befällt vor allem Roggen und Triticale, während geschlossen blühende Selbstbefruchter wie Weizen oder Gerste seltener infiziert werden. Das aktuell regnerische Wetter verlängert die Blütezeit und hemmt den Pollenflug. Dies trifft besonders Hybridroggen: Bleibt die Befruchtung aus, stehen die Blüten tagelang offen, so dass statt Pollen die Pilzsporen die Narben besetzen. Im Vorteil sind Parzellen mit einer sauberen Pflugfurche, auf welchen die Sklerotien sauber vergraben sind. Zudem sollten auch hier blühende Gräser an den Feldrändern abgemäht werden, ehe diese als Infektionsherde fungieren.
Ährenfusariosen
Die Ährenfusariose gefährdet Ertrag und Qualität im Weizenbau, da die Pilze gesundheitsschädliche Mykotoxine bilden. Das Risiko ist besonders hoch bei der Vorfrucht Mais, nicht-wendender Bodenbearbeitung sowie anfälligen Sorten (Bsp. Piznair, Axen oder Cadlimo). Nur während der Blüte entstehen Ähreninfektionen, daher spielt das Wetter eine entscheidende Rolle: Ab 20 bis 25°C und hoher Feuchtigkeit breitet sich der Erreger rasch aus. Bislang war das Infektionsrisiko dank des trockenen Wetters sehr gering. Bei späten Beständen (späte Saaten und Sorten, erhöhte und nordseitige Lagen) prognostiziert FusaProg aufgrund der aktuellen Gewitter eine erhöhte Infektionsgefahr. Eine Fungizidbehandlung im Stadium der Blüte sollte maximal zwei Tage vor oder nach einem Niederschlag erfolgen. Wir empfehlen den Einsatz von Doppelflachstrahldüsen mit einem zugelassenen Fungizid in die Blüte des Weizens (DC 55-69, optimal im DC 67), Staubbeutel noch nicht vertrocknet (vgl. Mittelheft, S. 19). Eine spätere Behandlung, ab DC 69 weist einen schlechten Wirkungsgrad auf. Während die meisten Produkte bis Ende der Blüte (DC 69) zugelassen sind, ist zu beachten, dass Pandorra und Ascra Xpro nur bis Beginn der Blüte DC 61, und folglich jetzt nicht mehr eingesetzt werden dürfen.
Kartoffeln
Alternaria und Krautfäule
Die heftigen Gewitter und Niederschläge haben die Hitzeperiode abrupt beendet. Durch das nun kühlere, wechselhafte und feuchte Wetter steigt das Infektionsrisiko für die Krautfäule an. Die Kartoffeln sind im vollen Wachstum, deshalb ist ein konsequenter Fungizidschutz jetzt zwingend aufrechtzuerhalten. Empfohlen werden kurze Behandlungsintervalle von ca. 7 Tagen.
Gleichzeitig sorgt das Wechselwetter für einen hohen Stresslevel in den Beständen. Alternaria wird besonders begünstigt, wenn auf eine Trockenphase regnerisches Wetter folgt, daher ist bei der Fungizidwahl auf eine gute Alternaria Wirkung zu achten. Mischen Sie bei den anstehenden Phytophthora-Behandlungen rechtzeitig ein Produkt mit ausgewiesener Alternaria-Wirkung bei (z. B. Dagonis, Signum) oder setzen Sie auf kombinierte Mittel wie Revus Top.
Noch wurden auf PhytoPRE ausserhalb des Tessins keine neuen Befallsherde gemeldet. Das Risiko für Primärherde und einer schnellen Infektionsverbreitung ist aber hoch. Kontrollieren Sie Ihre Bestände jetzt äusserst aufmerksam und melden Sie jeden Befallsverdacht umgehend (www.phytopre.ch).
Schnecken und Kartoffelkäfer
Überwachen Sie nach den willkommenen Niederschlägen das Aufkommen von Schnecken in Ihren Kartoffelbeständen. Eine Applikation von Schneckenkörnern ist vor allem bei starkem Druck ab dem Reihenschluss notwendig um die späteren, qualitätsmindernden Knollenschäden im Damm zu verhindern. Wird es wieder warm und trocken, bleiben die Schnecken im Boden und kommen nicht an die Oberfläche, um die Körner zu fressen.
Bei den Kartoffelkäfern finden wir nebst zahlreichen Eigelegen bereits erste junge Larven (L1 und L2). Eine konsequente Feldkontrolle ist jetzt entscheidend. Für intensive Bestände empfiehlt sich nach Überschreitung der Bekämpfungsschwelle eine Erstbehandlung mit Coragen. Dieses erfasst adulte Käfer, Larven sowie Eigelege und erfordert zwingend eine einzelbetriebliche Sonderbewilligung. IP-Suisse-Produzenten profitieren ab diesem Jahr von einer höheren Prämie, sind dafür aber verpflichtet, bei einem Befall zuerst zweimal das biologische Produkt Novodor 3FC einzusetzen, bevor eine Ausnahmebewilligung für ein anderes Mittel zulässig ist. Da dieses biologische Produkt ausschliesslich auf Larven wirkt und die beste Wirkung bei den kleinen Larvenstadien erzielt, ist hier der exakte Behandlungszeitpunkt (kleine Larven) matchentscheidend. Zur Verbesserung der Abwaschfestigkeit und als wichtiger UV-Schutz ist es empfohlen, dem lichtempfindlichen Bt-Präparat das neu formulierte Netzmittel CropCover CC-2000 beizumischen.
Zuckerrüben
Rübenrüssler in Zuckerrüben
Der Rübenrüssler und seine Einstiche können nach wie vor im Rübenbestand gefunden werden. Vereinzelt konnten bereits erste Larven in den Stängeln in der Nähe der Eiablagestellen entdeckt werden. Der Schädling liebt warme und trockene Bedingungen. Bei Niederschlag wird der Käfer immobil und ist auch weniger aktiv in der Parzelle. Aufgrund des relativ neuartigen Auftretens des Rübenrüsslers, ist das Befallsausmass schwierig abzuschätzen. Trockene Regionen sind tendenziell mehr gefährdet. Zudem kann man beobachten, dass die Populationszahlen von Jahr zu Jahr je Gebiet ansteigen. Sprich, wenn Sie bereits letztes Jahr Rübenrüsslerbefall hatten, ist für dieses Jahr eher mit einem Befallsanstieg zu rechnen. Tiefe Befallszahlen (Einstiche im tiefen einstelligen Bereich pro Pflanze) sind in der Regel unbedenklich. Bei einem Fund von Einstichstellen oder Rüsselkäfern besteht nach wie vor die Möglichkeit eine kantonale Sonderbewilligung für die Bekämpfung zu beantragen. Nach Erhalt der Sonderbewilligung stehen Insektizide mit dem Wirkstoff Acetamiprid (Gazelle, Pistol, Gepard, Oryx Pro) zur Verfügung. Die Aufwandmenge beträgt 200g/ha. Zudem muss ein Spritzfenster (mind. Halbe Spritzbreite) angelegt werden, damit der Erfolg der Behandlung abgeschätzt werden kann. Aufgrund der teils systemischen Wirkung des Insektizids können auch erste kleine Larven im Stängel von der Wirkung erfasst werden.