Pflanzenbau News Strickhof vom 9. September 2026
Sonnenblumen
Erntezeitpunkt
Üblicherweise erreichen Sonnenblumen ab Mitte September ihre Druschreife. Doch aufgrund der hohen Sommertemperaturen wird der Reifefortschritt in diesem Jahr auf vielen Parzellen unterschätzt. Die Bestimmung des optimalen Erntetermins rein über das Erscheinungsbild der Pflanze ist anspruchsvoll.
Das Ziel ist eine Ernte bei 8 bis 12 % Kornfeuchtigkeit (die Abrechnung erfolgt auf Basis von 6 %). Ein optimaler Erntezeitpunkt liegt vor, wenn der Blütenboden braun und gewölbt ist, die Körner gut sichtbar sind und die Blätter der unteren zwei Drittel des Stängels verdorrt sind – einzelne Blätter an der Spitze dürfen dabei noch grün sein.
Eine Verzögerung des Drusches birgt erhebliche Risiken: Bei überständigen Beständen platzen die Körbe auf, was zu hohen Ausfallverlusten führt. Bei Express-toleranten Sorten (Klassische Sorte Suomi und HO-Sorte P63HE189) ist dies besonders heikel, da Ausfallsonnenblumen in den Folgekulturen auch mit anderen Sulfonylharnstoffen nur eingeschränkt bekämpfbar sind.
Raps
Rapserdfloh
Auf zahlreichen Zürcher Rapsparzellen kamen diese Woche die ersten echten Laubblätter zum Vorschein. Damit wächst der Raps der kritischen Phase rasch davon: Das Schadpotenzial der Erdflöhe nimmt ab diesem Stadium deutlich ab, da die Jungpflanzen an Attraktivität verlieren und ihr Wachstum die Frassschäden gut kompensieren kann. Obwohl der Rapserdfloh aktuell auf den Feldern aktiv ist, bleibt das Schadensausmass in den allermeisten Fällen tolerierbar und rechtfertigt in der Regel keinen Insektizideinsatz.
Zur Absicherung gilt im Keimblattstadium weiterhin die Bekämpfungsschwelle von 50 % der Pflanzen mit mehreren Schabstellen (Beurteilung anhand von 10 × 5 Pflanzen). Bei Saatgut, das mit der Notfallzulassung «Buteo Start» (Wirkstoff Flupyradifuron) gebeizt wurde, lohnt sich ein Zuwarten. Da die Beizung systemisch wirkt und über die Wurzeln aufgenommen sowie in das junge Blattgewebe verfrachtet wird, bedarf es einigen ersten Schabstellen, bevor der Schutz greift.
Sollte die Bekämpfungsschwelle auf unbehandelten Flächen dennoch überschritten werden, ist zu beachten, dass der Einsatz von Pyrethroiden zwingend eine einzelbetriebliche Sonderbewilligung erfordert. Anträge können mit Nachweis (Fotos des Schadbildes) digital über «sonderbewilligung.strickhof.ch» eingereicht werden.
Herbizidschäden
Nach der Ausbringung von Clomazone-haltigen Herbiziden im Vorauflauf kommt es an Feldrändern immer wieder zu auffälligen Aufhellungen oder Ausbleichungen. Die Ursache hierfür ist in den seltensten Fällen eine klassische Abdrift während des Spritzvorgangs. Vielmehr neigt der Wirkstoff Clomazone zur Verflüchtigung über die Dampfphase. Besondere Witterungsbedingungen wie hohe Temperaturen und Wind – beide Faktoren waren in den jüngsten Tagen reichlich gegeben – begünstigen diesen Prozess, sodass Wirkstoffdämpfe verweht werden und in benachbarten Pflanzen die sogenannte «Carotinoidsynthese» vorübergehend hemmen. Diese chlorotischen Symptome verwachsen sich in der Regel wieder innert kurzer Zeit.
Gleichzeitig sind derzeit auch auf den jungen Rapskeimlingen leichte Bleichsymptome an den Keim- und ersten Laubblättern zu beobachten. Diese Erscheinungen treten auf, wenn der Wirkstoff durch Niederschläge eingeschwemmt und über die Wurzeln aufgenommen wird oder die Spritzbrühe bei ungleicher Saatgutablage direkt von sehr flach liegenden Keimlingen absorbiert wurde. Auch diese Aufhellungen wachsen sich in der Regel mit der Bildung der nächsten Laubblätter rasch aus, ohne dass Ertrags- oder Vitalitätseinbussen zu befürchten sind.
Mais
Maiszünsler
Die wirksamste Massnahme gegen den Maiszünsler beginnt nach der Ernte. Da die Raupen des Schädlings in den verbleibenden, intakten Maisstoppeln überwintern, entscheidet die Qualität der Erntehygiene massgeblich über den Befallsdruck im Folgejahr. Werden die Stoppeln konsequent zerkleinert, entfällt in vielen Fällen die Notwendigkeit einer direkten biologischen Bekämpfung mit Trichogramma-Schlupfwespen. Wer ohne vorheriges Mulchen direkt nach dem Feldhäcksler grubbert, riskiert, dass intakte Stängelbasis-Reste erhalten bleiben und den Raupen ein ideales Winterquartier bieten.
Für eine flächendeckende Wirkung sollten die Maisstoppeln unmittelbar nach dem Schnitt mit einem Schlegelmulcher oder einer Messerwalze intensiv aufgefasert werden. Auch eine anschliessende wendende Bodenbearbeitung bis spätestens Ende April 2027 vergräbt die verbliebenen Pflanzenreste tief. Dies zerstört die Behausung der Schädlinge und zwingt sie an die Oberfläche, wo sie der Witterung sowie natürlichen Fressfeinden schutzlos ausgesetzt sind.