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Rindvieh aktuell August 2026

Erreger von Euterentzündungen können in zwei Kategorien unterteilt werden. Das Rindvieh aktuell August 2026 beleuchtet einige Erreger im Detail. Zum Schluss sind weitere aktuelle Fachbeiträge und Kurse verlinkt.

Mastitis-Keimen auf der Spur

Erreger von Euterentzündungen können in zwei Kategorien unterteilt werden.

Bakterien im Euter: werden über Melkzeug und die Melkerhand von einer Kuh auf die Nächste übertragen. Eine konsequente Melkhygiene inkl. Zwischendesinfektion der Aggregate und Reinigung der Hände des Melkers kann Übertragungen drastisch reduzieren. 

Bakterien aus der Umwelt: sind im Stall, in Mist & Einstreumaterial, auf dem Futtertisch und vielen anderen Orten überlebensfähig. Eine Ausrottung im Betrieb ist nicht möglich. Wichtig ist es, die Anzahl der Keime gering zu halten und die Übertragungswege von der Umwelt ans Euter zu reduzieren. Ausserdem ist ein stabiles Immunsystem der Kühe massgeblich relevant für das Erkrankungsrisiko.

Bakterien aus dem Euter 
(kuh- & technikassoziiert)
Erreger aus der Umwelt 
(umweltassoziiert)
Staphylococcus aureus (schwierig zu behandeln)Staphylococcus species
Streptococcus agalactiae (sofort behandeln!)Streptococcus dysgalactiae (sofort behandeln!)
Streptococcus uberis ( sofort behandeln & schwierig zu behandeln)
Mycoplasma bovisEnterococcus faecalis/faecum ( sofort behandeln & schwierig zu behandeln)
Mycoplasma speciesCorynebacterium bovis
 Trueperella pyogenes 
Peptoniphilus indolicus (häufig in Mischinfektion) 
(sofort behandeln!)
 Escherichia coli (sofort behandeln!)
 Klebsiella species ( sofort behandeln & schwierig zu behandeln)
 Serratia marcescens
 Prototheca species
 Hefen

Auf den nachfolgenden Seiten werden die einzelnen Erreger aus der Umwelt im Detail betrachtet.

Staphylococcus species

Bezeichnet alle weiteren Arten von Staphylokokken ohne Staph. aureus.

Vorkommen
  • Euterhaut
  • Zitzenkanal
  • Hände des Melkers
  • Schleimhäute
  • Umgebung der Kuh
Erregerspezifische Symptome
  • Nur krankmachend, wenn Kuh geschwächt ist
  • Milder Krankheitsverlauf
  • Zellzahlen nur selten höher als 500'000/ml
Zusammenhänge
  • Kuh ist geschwächt / gestresst
  • Ansteckung meist in Galtphase: Mastitis tritt häufig nach dem Kalben auf Zitzenkondition & Melkmaschineneinstellungen
  • Stallklima
  • Haltung & Stallhygiene, Fütterung & Melkarbeit

Streptococcus dysgalactiae

Vorkommen
  • Einstreu
  • Euterputzlappen,
  • Hände des Melkers
  • Zitzengummi, Fliegen                                                                                       
Erregerspezifische SymptomeErhöhte Zellzahl, teilweise flockige Milch
Zusammenhänge
  • Zitzenverletzungen
  • Übertragung aus Umwelt oder von Kuh zu Kuh möglich
  • Liegeboxen-Hygiene (auch bei den Galttieren)
  • Fliegenbekämpfung und gute Melkhygiene 

Streptococcus uberis

Vorkommen
  • Haut
  • Kot
  • Liegeflächen
  • Überall in der Umgebung der Kuh inkl. Weide
Erregerspezifische Symptome
  • Veränderung des Eutersekretes
  • Euterschwellung
  • Chronische Mastitis schwierig therapierbar
Zusammenhänge
  • Ansteckung findet zwischen den Melkzeiten statt
  • Infektion zu Beginn Laktation oder in Galtphase
  • Immunsystem, Zitzenkondition (Melkmaschine) Stallklima, Hygiene (Liegeflächen & Stallboden)
  • Übertragung durch: Melker’s Hände, Milchspritzer (Vormelken ohne Becher), Eutertücher, säugende Tiere und Fliegen

Enterococcus faecalis/faecum

Vorkommen
  • Überall in der Umgebung der Kuh, inkl. Weide
  • Wird auch über den Kot ausgeschieden
Erregerspezifische SymptomeSporadisch auftretende akute Mastitis
Zusammenhänge
  • Verkotete Liegeflächen, Stallhygiene, Hygiene in der Abkalbebox, Fütterung & Melkhygiene
  • Antibiotika Resistenzen möglich
  • Bei unsauberer Probenahme kann Enterococcus aus dem Dreck in die Milchprobe gelangen (Kontamination)

Trueperella pyogenes 

Kommt häufig in Mischinfektion vor und tritt vermehrt bei Galtvierteln auf. Pyogenes steht für die Eiterbildung. Wird diese Mastitis nicht rasch entdeckt, entwickelt sich Eiter, welcher als stinkende Absonderung wahrgenommen wird. Viertel geht verloren, wenn Behandlung nicht sofort erfolgt.

Vorkommen
  • Haut- und Schleimhaut
  • Wundinfektionen
  • Stechfliegen
  • Einstreumaterial
Erregerspezifische Symptome
  • Stinkende Absonderung / Eiter
  • Vergrösserter Viertel
  • grobknotige Veränderung
ZusammenhängeGeschädigte Zitzen                                                                                                 

Escherichia coli

Vorkommen
  • Kot
  • Liegefläche
  • Im Boden
  • In verseuchtem Wasser
  • Einstreu
Erregerspezifische Symptome

Auftreten v.a. in wärmeren Jahreszeiten, feucht-schwüles Wetter

Akute Mastitis: durch absterbende Bakterien werden Toxine im Körper freigesetzt und belasten das Entgiftungssystem (Blutvergiftung), darum ist neben der Behandlung eine Unterstützung des Entgiftungssystems sehr wichtig.

Zusammenhänge
  • Verschmutzte Liegeflächen und Laufgänge 
  • Stoffwechselstörungen zu Beginn der Laktation (Ketose, Ca-Mangel, etc.) schwächen die Immunabwehr
  • Ungenügende oder nasse Zitzenreinigung

Klebsiella species

Vorkommen
  • Kot
  • Liegeflächen
  • Im Boden
  • In verseuchtem Wasser
  • Sägespäne
  • Einstreu
  • Separationsmaterial
Erregerspezifische Symptome
  • Akute Mastitis, lang andauernd
  • Oft stark geschwächte Kuh mit Appetitlosigkeit, inaktiver Pansen bis Festliegen, Fieber  
Zusammenhänge
  • Stoffwechselstörungen zu Beginn der Laktation (Ketose, Ca-Mangel, etc.) schwächen die Immunabwehr
  • Einstreu darf nicht feucht werden, kein Pilzbesatz
  • Milchreste im Liegebereich
  • Meist sind mehrere Tiere im Bestand mit Klebsiellen infiziert, eine Übertragung ist auch nach erfolgreicher Behandlung noch möglich.
  • Kann die Kuh direkt nach dem Melken liegen (Roboterbetriebe) steigt das Infektionsrisiko

Corynebacterium bovis

Vorkommen
  • Euterhaut
  • Strichkanal
  • Umwelt 
Erregerspezifische Symptome
  • Selten krankmachend
  • Milder Krankheitsverlauf
  • Geringe Zellzahlerhöhung
Zusammenhänge
  • Dippmittel
  • Antibiotisches Trockenstellen
  • Geschwächtes Immunsystem                                                                        

Serratia marcescens

Vorkommen 
  • Mist
  • Einstreu
  • Verschmutztes Waschwasser im Melkstand
Erregerspezifische Symptome
  • Nur selten akute Mastitis mit Fieber / Festliegen
  • Meist subakute Mastitis mit chronischem Verlauf, Zellzahlen sind nicht permanent erhöht
Zusammenhänge
  • Verschmutzte, feuchte Liegeflächen & Laufgänge, schmutzige Kühe, 
    ungenügende Euterreinigung vor dem Melken
  • Direktes Abliegen nach dem Melken
  • Selten von Kuh zu Kuh übertragbar
  • Ansteckung in der Galtphase möglich

Prototheca species

Prototheken sind farblose Algen, also keineBakterien. 

Vorkommen
  • Feuchtes Milieu
  • In der Umgebung von Wasser & Abwasser (stehendes Wasser)              
Erregerspezifische Symptome
  • Meist unauffällige Mastitis mit Zellzahlerhöhung
  • Teilweise Mastitis mit flockig-wässrigem Eutersekret 
  • Vverhärteter Viertel
  • Fieberhafte Verlaufsform             
  • Nicht mit Antibiotika behandelbar
Zusammenhänge
  • Übertragung über unsaubere Nutzung von Eutertuben
  • Übertragung beim Melken

Hefen

Hefen treten häufig im Nachgang einer Antibiotikabehandlung auf. Das ist ein Zeichen, dass die Ursache der Entzündung nicht in der bakteriellen Infektion lag, nach Beseitigung der Bakterien übernehmen die Hefenpilze den Platz und führen die Infektion weiter. Eine schulmedizinische Behandlung für Hefen-Mastitis gibt es nicht. Die Stärkung der körpereigenen Abwehr steht im Vordergrund.

Vorkommen
  • Überall im Stall
  • Futtermittel mit Hefebesatz (Silagen können Fehlgärung mit Hefe machen), Biertreber
Erregerspezifische Symptome
  • Einzeltiere betroffen, vorangegangene Antibiotikabehandlung
  • Massive Zellzahlerhöhung
  • Nicht mit Antibiotika behandelbar (kontraproduktiv!)
Zusammenhänge
  • Unsaubere Applikation von Medikamenten ins Euter, unsachgemässe Medi-Lagerung, mehrmaliger Gebrauch von Euterkanülen & Einwegspritzen
  • Schlechte Melkhygiene
  • Geschwächtes Immunsystem

Leitkeim-Bestimmung

Treten auf einem Betrieb vermehrt Mastitiden auf oder sind die Zellzahlen über längere Zeit erhöht, empfehlen wir eine Leitkeim-Bestimmung mit PCR durchzuführen. Dies dient der Bestimmung der mehrheitlich problematischen Erreger auf deinem Betrieb. Aus diesen Informationen können wir Berater ursächliche Faktoren ableiten und gemeinsam mit euch einen Massnahmenplan zur Optimierung der Eutergesundheit erstellen.
Leitkeimbestimmung: 10% der Herde (mind. 5 Proben) Zellzahl auffälliger Tiere werden beprobt.
Videoanleitung zur sterilen Milchprobennahme

 

Kurz Info’s

 

Aktuelle Kurse

  • Save the date: Regionaltagung TG, SH und ZH Mutterkuh Schweiz, 5.9.26
  • Im Arbeitskreis Milchproduktion treffen sich Milchviehhaltende, um gemeinsam aktuelle Themen zu diskutieren und Erfahrungen zu teilen 
    1. Treffen am 30. Oktober 2026
  • SKN Schmerzausschaltung, 8.10.26 -> hier geht’s zur Anmeldung
  • Einführungskurs Biolandbau Wiederkäuer -> hier geht’s zur Anmeldung

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