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Pflanzenbau News Strickhof vom 16. September 2026

Ein wüchsiger Herbst erfordert beim Raps ein rechtzeitiges Bremsen des Längenwachstums ab dem 4- bis 8-Blattstadium. Bei der Bekämpfung des Ausfallgetreides ist der richtige Entwicklungsstand der Gräser entscheidend. Gegen Schädlinge sind Bestände ab dem 4-Blattstadium vorerst sicher, ehe Ende Oktober die Larven des Rapserdflohs in den Fokus rücken.

Raps

Wachstumsregulation im Herbst

Wachstumsregulatoren wirken ausschliesslich vorbeugend – bereits gestreckte Bestände lassen sich im Nachhinein nicht mehr einkürzen. Die Risikofaktoren für ein Überwachsen im Herbst sind in diesem Jahr reichlich gegeben: ein früher Saattermin, wüchsige Witterung, hohe Stickstoffverfügbarkeit und grosse Konkurrenz durch Ungräser. Im intensiven Anbau sollte diesen Herbst der Raps deshalb im 4-Blattstadium im Längenwachstum gebremst werden. Dazu stehen Fungizide mit einkürzender Nebenwirkung (Sirocco, Caramba, Horizont, Fezan, Tilmor), reine Wachstumsregler (Medax) sowie Kombinationspräparate (Toprex, Corex oder Caryx) zur Verfügung (vgl. Mittelheft 2026, Seite 26).

Je kleiner die Rapspflanzen, desto empfindlicher reagieren sie auf stark verkürzende Wirkstoffe wie Mepiquat-Chlorid oder Paclobutrazol. Bei gehemmtem Wuchs oder ungleicher Bestandesentwicklung ist von einem zu frühen Einsatz abzusehen. Beim Produkt Caryx mit Mepiquat-Chlorid liegt die zugelassene Aufwandmenge bei 0,75 bis 1,4 l/ha; jedoch raten wir zum jetzigen frühen Zeitpunkt selbst in wüchsigen Beständen von einer Dosierung über 1,2 l/ha ab. Verläuft die Witterung im weiteren Herbstverlauf sehr wüchsig, kann mit einer Teilmenge eines reinen Verkürzers – beispielsweise Medax mit 0,5 bis 0,7 l/ha – nachbehandelt werden. 

Wird die Dosierung von Kombinationsprodukten reduziert, schwächt sich zwar deren Schutzwirkung gegen Phoma ab, diese wird in der Praxis jedoch primär über die Sortenresistenz abgedeckt. Für die Praxis empfiehlt es sich zwingend, ein Spritzfenster anzulegen, um den Behandlungserfolg im Feld direkt zu kontrollieren. Zudem sollte zusammen mit der Einkürzung eine ausreichende Bor-Versorgung sichergestellt werden.

Raps Wachstumsregulation
Erste Rapsparzellen erreichen bereits den Bestandesschluss. Foto: Strickhof
Raps Wachstumsregulation
Raps im 6-Blattstadium: Hier sollte eine erste Verkürzung eingeplant werden. Foto: Strickhof

 

Ungräser

Die gängigen Rapsherbizide weisen nur eine ungenügende Wirkung gegen Ausfallgetreide auf. Hier ist mit spezifischen Gräsermitteln (Agil, Focus Ultra, Fusilade Max, Propaq, Ruga, Targa Super, Select, Xenturion; vgl. Mittelheft 2026, S. 104) im Nachauflauf bei wüchsiger Herbstwitterung eine gezielte Bekämpfung möglich. Für einen optimalen Bekämpfungserfolg ist abzuwarten, bis das Ausfallgetreide vollständig aufgelaufen ist oder das Dreiblattstadium (vor Bestockungsbeginn) erreicht hat. Der Herbizideinsatz sollte erfolgen, bevor die Rapsblätter einen Spritzschatten bilden und die Gräser verdecken. Hirse-Arten müssen nicht berücksichtigt werden, da sie nicht winterhart sind und beim ersten Frost absterben.

Liegt bei Ackerfuchsschwanz eine Resistenz gegen diese Gräsermittel der Resistenzgruppe 1 vor, bietet sich der Wirkstoff Propyzamid (Kerb Flo, Granat, Nizo-S, Proper Flo) aus der Gruppe 3 an. Ackerfuchsschwanz nimmt Propyzamid über die Wurzeln auf. Bei diesem Bodenwirkstoff ist der Anwendungszeitpunkt entscheidend: Die Bodentemperatur in 5 cm Tiefe muss konstant unter 10 °C liegen, was meist erst ab Ende Oktober der Fall ist. Bei höheren Bodentemperaturen – aktuell liegen diese noch bei rund 18°C – baut sich der Wirkstoff im Boden zu rasch ab, bevor er seine volle Wirkung entfalten kann.

Raps Ungräser
Hier ist der Einsatz eines spezifischen Gräsermittels angezeigt, noch bevor der Raps das Ausfallgetreide abdeckt. Foto: Strickhof
Raps Ungräser
Eine gekeimte Hirse im Raps. Diese profitiert von den spätsommerlichen Temperaturen. Foto: Strickhof

 

Schädlinge

Die Schädlingssituation in den Rapsbeständen präsentiert sich aktuell sehr unterschiedlich. Sowohl beim Rapserdfloh als auch bei den Nacktschnecken hängt das Schadpotenzial massgeblich vom Entwicklungsstadium der Kultur ab. Die grösste Gefahr droht dabei im Keimblattstadium: Zarte Keimblätter sind für Schnecken wie auch für adulte Rapserdflöhe besonders attraktiv. Sobald hingegen vitale Rapsparzellen das 4-Blattstadium überschritten haben, sind sie aus der kritischen Phase herausgewachsen; der Lochfrass durch adulte Erdflöhe sowie Schnecken stellt dann keine Gefahr mehr dar. Gefährdet bleiben hingegen Parzellen mit gestaffeltem Feldaufgang, Raps-Nachsaaten oder Bestände mit gebremster Jugendentwicklung, etwa aufgrund verschlämmter bzw. verhagelter Böden oder eines grobscholligen Saatbetts. In diesem Jahr zeigt es sich sehr deutlich, wie stark der Bodenzustand bzw. die Bodenbearbeitung das Schadpotenzial der Erdflöhe determiniert. 

In vielen gut entwickelten Rapsparzellen wird der Rapserdfloh erst gegen Ende Oktober wieder zum Thema: Während der Lochfrass der adulten Käfer vor allem in der Keimphase gefährlich ist, verursachen später die Larven den eigentlichen Hauptschaden. Sie bohren sich ab Ende September in die Blattstiele ein und fressen im Stängelinneren weiter. Eine allfällige Bekämpfung der Larven wird deshalb erst im späten Herbst – üblicherweise von Ende Oktober bis Mitte November – spruchreif.

 

Erdraupen

In Feldern, die langsam immer «lichter» werden, muss nach der Ursache des Pflanzenausfalls gesucht werden. Zeigen die Pflanzen Blattabfrass oder fangen sie an zu welken, lohnt sich die Suche im Boden: Mit einem Messer lässt sich im Umkreis der geschädigten Rapspflanzen in etwa 2 cm Tiefe nach den graubraunen Raupen der Saateule suchen. Werden sie freigelegt, rollen sich die Larven charakteristisch zusammen.

Die Erdraupen fressen bis zum Vegetationsende an den Wurzeln der jungen Rapspflanzen, ehe sie sich über den Winter in tiefere Bodenschichten zurückziehen. Im Frühjahr steigen sie wieder an die Bodenoberfläche auf und verpuppen sich. Ab Mai fliegen die nachtaktiven, grauen Falter, paaren sich und legen die Eier für die nächste Generation ab.

Raps Erdraupen
Erdraupen (hier links eingerollt) können lückige Bestände verursachen. Foto: Strickhof

 

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PDF: Pflanzenbau News Strickhof vom 16. September 2026

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