Vielversprechende Startbedingungen bei Zuckerrüben
Bestandesdichten auszählen
Nach der Saat beginnen diverse Kontrollarbeiten auf dem Rübenfeld. Das Überprüfen der Bestandesdichte ist eine davon. Vielerorts befinden sich die Rüben momentan zwischen Keimblatt- und 2-Blattstadium. Besonders bei frühgesäten Rüben (um 10. März), welche am ehesten Schäden durch den Frost erlitten haben, sollten die Bestände ausgezählt werden. Das Bestimmen der Bestandesdichte muss auf mehreren Stellen in der Parzelle erfolgen. Dabei sind pro Stelle jeweils 10 Meter abzumessen. Innerhalb dieser Abmessung werden die aufgelaufenen Pflanzen gezählt. Von den verschiedenen Stellen wird schlussendlich der Durchschnitt als Referenzwert genommen. Die optimale Bestandesdichte liegt zwischen 80'000 bis 95'000 Pflanzen/ha. Ein Umbruch verbunden mit einer Neuansaat ist in den wenigsten Fällen lukrativ. Erst ab einer Bestandesdichte unterhalb von 45'000 Pflanzen/ha ist eine Neuansaat in Betracht zu ziehen. Somit ist bei einem Reihenabstand von 50 Zentimetern erst ab unter 22 Pflanzen bzw. bei 45 Zentimetern ab unter 20 Pflanzen pro 10 Metern eine Neuansaat zu erwägen. Bestände mit 60'000 – 70'000 Rüben/ha können dank dem kompensatorischen Wachstum der Zuckerrübe dennoch gute Erträge liefern. Während der heiklen Jugendentwicklungsphase müssen jedoch anderweitige Verlustquellen durch Schaderreger möglichst tief gehalten werden, um die Bestandesdichte auf dem Niveau zu halten.
Herbizidanwendungen
Auf klassischen Rübenfeldern, die zwischen Mitte bis Ende März ausgesät wurden, steht die erste Herbizidanwendung an. Im klassischen Anbauverfahren muss das Unkraut bestenfalls im Keimblatt bekämpft werden. Befindet sich das Unkraut bereits im 2-Blattstadium, so muss die Kontaktmitteldosis erhöht werden, was auch die Rübenkultur zu spüren bekommt. Bodenherbizide wie Metamitron sind besonders wirksam, wenn ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist. Beim Einsatz von Herbiziden auf Metamitron-Basis sind maximal 5l/ha und Jahr bzw. 4kg/ha und Jahr erlaubt. Es ist empfehlenswert diese Maximalmenge auszuschöpfen und auf die Herbizidanwendungen zu verteilen. Ergänzungsmittel sind der Unkrautsituation anzupassen und sollten, sofern sie bereits im ersten Split zum Einsatz kommen, mit Vorsicht verwendet werden. Im IP-Suisse Rübenanbau ist der Einsatz des Wirkstoffes Lenacil verboten. Die nächste Herbizidanwendung sollte innerhalb von 8-12 Tagen erfolgen.
Auch bei den früh gesäten Conviso-Rüben ist langsam aber sicher mit der ersten Herbizidapplikation zu rechnen. Für das korrekte Setzen der Anwendung muss dabei das Stadium des Weissen Gänsefusses beachtet werden. Sobald dieser sich im 2- bzw. 4-Blattstadium befindet, ist der Zeitpunkt für die erste Herbizidapplikation gekommen. Beim Conviso One Herbizid ist es ratsam, die maximale Aufwandmenge von 1l/ha und Jahr auf zwei Anwendungen zu verteilen, da so auch spätkeimende Unkräuter wie Hirsen oder Disteln besser erfasst werden können. Neben dem Conviso-Herbizid sollte 1l/ha des Aktivators Mero zugemischt werden. Bei hohem Ehrenpreisdruck wird der Zusatz mit Dimethenamid + Quinmerac -Produkten empfohlen. Die zweite Conviso-Applikation wird nötig, sobald die nächste Welle des Weissen Gänsefusses das 2-4-Blattstadium erreicht hat. Dies ist normalerweise etwa zwei Wochen nach der ersten Applikation der Fall.
Schnecken
Die meisten Rüben befinden sich momentan in der heiklen Jugendphase. In dieser Periode ist es besonders wichtig die Rübe vor Schaderregern zu schützen. Der Wetterbericht lässt durchblicken, dass örtlich mit Niederschlägen zu rechnen ist. Bei feuchten Verhältnissen sind Schnecken aktiver und können für Frassschäden sorgen. Um eine Schneckenbekämpfung zu rechtfertigen, muss die Anwesenheit der Schnecken jedoch zuerst bewiesen werden. Dies macht man am besten mit einer Schneckenköderfalle. Hierzu legt man einen Kartonsack auf eine Stelle in der Parzelle aus und streut unterhalb des Sackes Schneckenkörner auf Metaldehyd-Basis aus. Metaldehyd schädigt die Schleimzellen der Schnecken und sorgt für starke Schleimabsonderung. In der Folge vertrocknen die Schnecken. Die Schleimspuren und toten Schnecken sind später unter dem Sack sichtbar. Eisen-III-Phosphat eignet sich für diese Kontrolle nicht. Nach dem Nachweis dürfen auf der gesamten Fläche Schneckenkörner ausgebracht werden. Hierzu dürfen maximal 700g des Wirkstoffes Metaldehyd pro Hektare und Jahr eingesetzt werden. Zwischen zwei Applikationen müssen mindestens 14 Tage liegen.
Erdschnaken
Neben den Schnecken können auch Erdschnaken-Larven für Frassschäden an Rüben sorgen. Typische Schadbilder sind unter anderem angefressene Keimschläuche, einseitig abgeschnittene Keimblätter, in den Boden gezogene Rübenkeimlinge und Fehlstellen. Bei akuten Fällen können gar ganze Feldpartien kahlstehen. Die Erdschnaken-Larven befinden sich oftmals in der umliegenden Erde der betroffenen Pflanzen.
Die adulten Erdschnaken-Fliegen legen ihre Eier bevorzugt im Sommer auf bewachsene Felder ab. Hierfür sind vor allem Kunstwiesen und früh ausgesäte Gründüngungen attraktiv. Um das Risiko eines Erdschnaken-Befalls in den Rüben zu reduzieren, sollte deshalb auf Kunstwiesen als Vorkultur vor Zuckerrüben verzichtet werden und die Gründüngungen im Vorjahr nicht all zu früh ausgesät werden. Die Saatgutbeizungen bieten zwar einen gewissen Schutz, aber die Wirkung lässt nach wenigen Wochen nach. Es gibt keine erlaubte direkte Bekämpfungsmöglichkeit gegen Erdschnaken.
Rübenerdfloh
Zum jetzigen Zeitpunkt ist auch der Rübenerdfloh langsam aber sicher aktiv im Feld. Das typische Schadbild dieses Schädlings äussert sich anhand von Schabstellen an den Keim- und Laubblättern der Rüben. Bei neu bestelltem Saatgut bietet das Beizmittel Buteo Start einen gewissen Schutz gegen die Schäden des Erdflohs. Die Wirkungsdauer beträgt etwa 4 Wochen. Die Erdflöhe müssen zuerst Schabstellen an den Rüben verursachen, um den Wirkstoff aufzunehmen. Daher sollte die Entscheidung einer allfälligen Insektizidbehandlung nicht voreilig getroffen werden. Spätestens ab dem Echtblattstadium muss der Bestand genauer kontrolliert und bei heftigen Schäden eine Bekämpfung abgewogen werden.
Bei Anfang März gesäten Rüben ist die Wirkung der Beizung bereits abgeklungen, weshalb der Erdfloh dort besonders aufmerksam beobachtet werden muss. Eine Insektizidbehandlung gegen den Erdfloh ist nur mit einer kantonalen Sonderbewilligung erlaubt. Die Bekämpfungsschwelle des Schädlings liegt bei 50 Prozent befallenen Pflanzen im Keimblattstadium bzw. 80 Prozent befallenen Pflanzen im 2- bis 4-Blattstadium.
Wurzelbrand
Neben den Schädlingen kann auch Wurzelbrand für Auflaufverluste sorgen. Befallene Rüben laufen schlecht auf, fangen an zu welken und fallen auf den Boden. Bei einem fortgeschrittenen Befall ist der Keimschlauch eingeschnürt und braun bis schwarz verfärbt. Im Endeffekt reisst die Hauptwurzel und die Pflanze stirbt ab. Das Auftreten von Wurzelbrand wird durch saure Böden (pH unterhalb von 6.5), einer engen Rübenfruchtfolge und einer generell gehemmten Jugendentwicklung begünstigt. Zudem kann ein extrem früher oder später Saattermin und ein strukturgeschädigter Boden die Krankheit fördern.