Wie der Kürbis zum Symbolgemüse von Halloween wurde
Sortengruppe innerhalb der Kürbisse
In diesen Tagen kann man sich dem grinsenden orangen Gesicht eines geschnitzten Halloween-Kürbis kaum erwehren. Auch mir als mittlerweile Ende 30-jährigem fällt es auf, wie stark sich Halloween und das damit verbundene Kürbisschnitzen im Vergleich zur eigenen Kindheit verbreitet hat. Die nackten Anbauzahlen von Kürbissen in der Schweiz verdeutlichen das eindrücklich. War der kommerzielle Anbau von Kürbis im Kanton Zürich Anfang der 90er Jahre noch beinahe unbekannt, wurden 2025 bereits über 140 ha Kürbis im Kanton angebaut. Gesamtschweizerisch waren es rund 530 ha; Tendenz weiterhin steigend. Kürbisse haben sich so über die letzten Jahrzehnte zu einer wichtigen Gemüsekultur entwickelt und wurden flächenmässig 2025 in der Schweiz sogar mehr angebaut als grüner Kopfsalat. Für einzelne Betriebe im Kanton Zürich sind Kürbisse zu einer Hauptkultur geworden und die Betriebsentwicklung wurde massgeblich durch den Kürbistrend geprägt.
Beim Wort "Kürbis" muss man streng genommen von einer ganzen Produktegruppe bestehend aus mehreren botanischen Arten (v.a. Cucurbita maxima, C. pepo, C. moschata) und im Handel unterschiedenen Produkten sprechen. Es werden verschiedene Gruppen oder Typen wie etwa "Butternuss", Hokkaido" oder "Muskat" unterschieden, die wiederum aus verschiedenen Einzelsorten bestehen. Eine solche Gruppe stellen auch die Halloween-typen dar, welche botanisch meist der Art C. pepo angehören und das typische Aussehen verbindet. Innerhalb der Halloweengruppe gibt es wichtige Sorten- und Unterscheidungsmerkmale, etwa das durchschnittliche Fruchtgewicht, die Fruchtform, die Farbe (hell-dunkelorange), Resistenzen, Frühzeitigkeit, Stieldicke oder auch wie ausgeprägt die Berippung ist. Für die verschiedenen Typengruppen bestehen leider keine gesonderten Anbaustatistiken, deshalb lässt sich auch nicht abschliessend sagen, wie hoch der Anteil der Halloween-Kürbisse innerhalb der Kürbisse insgesamt ist. Die Halloweentypen sind aber neben Hokkaido, Butternuss und Muskat sicher eine der Hauptgruppen.
Vorteile beim Schnitzen verhalfen zum Durchbruch
Es wird angenommen, dass der Brauch ausgehölte, mit furchterregenden Gesichtern versehene Laternen im Herbst herzustellen mit irischen Einwanderern nach Amerika gebracht wurde. In der irischen Heimat verwendete man ursprünglich jedoch keine Kürbisse sondern Steckrüben, Herbstrüben oder anderes Wurzelgemüse. In der neuen amerikanischen Heimat waren Kürbisse zur Zeit der grossen Einwanderungswellen aus Irland in der Mitte des 19. Jh. im Anbau bereits weit verbreitet. Kürbisse eigneten sich, verglichen mit Rüben, wesentlich besser für das Schnitzen. Zum einen waren die Früchte schlicht und einfach grösser und auffälliger, die Schalen liessen sich einfacher bearbeiten und auch das Aushöhlen der lockeren Samenhöhle war deutlich einfacher als bei einer festen Rübe. So löste der geschnitzte Kürbis allmählich die ursprünglich nach Amerika mitgebrachte Rübenlaterne ab. Über die nächsten Jahrzehnte verbreitete sich der geschnitzte Kürbis über Illustrationen, Literatur und als Hausdekoration in der amerikanischen Kultur und wurde allmählich zum Symbol von Halloween als Fest insgesamt. Ab etwa den 1990er Jahren verbreitete sich die Nutzung von Kürbissen zum Schnitzen und Halloween als Fest durch den Einfluss amerikanischer Filme, Serien, Bücher etc. auch zunehmend in Europa und bei uns.
Einheimische Alternative: das "Räbeliechtli"
In gewisser Weise kann man also von einer Art Rückimport mit anderem Gemüse nach Europa sprechen, wenn es um das Kürbisschnitzen geht. Denn auch bei uns blickt die Herstellung von Laternen aus Herbstrüben im Herbst auf eine lange Tradition zurück, wenngleich die eingeschnitzten Sujets oft weit weniger furchterregend sind. Wohl fast jeder hat in seiner Kindheit einmal ein Räbeliechtli geschnitzt und ist an einem Umzug mitgelaufen. Auch diesen Herbst wird es wieder an verschiedenen Orten Umzüge zu bestaunen geben. Und auch für den Anbau von grosskalibrigen Herbstrüben, die besonders gut für das Schnitzen geeignet sind, gibt es im Kanton spezialisierte Betriebe. Allerdings macht der Anbau von Herbstrüben aktuell nur ungefähr 5% der Kürbisanbaufläche im Kanton ZH aus.