Einblick in die Gemüseproduktion im Kanton Genf
Geographische Besonderheiten
Zur Unternehmertagung Gemüse Schweiz lädt jeweils die Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau (SZG) ein und jedes Jahr wird dabei eine andere Gemüsebauregion der Schweiz besucht. Dieses Jahr führte die Reise in den aus Zürcher Sicht entferntesten Kanton - Genf. Nicht einmal 5 km gemeinsame Grenze teilt der Westkanton mit der übrigen Schweiz. Demgegenüber stehen über 100 km Grenze mit dem umgebenden Frankreich. Der viele Einkaufstourismus ist ein konstantes Thema, obschon sich mit der Stadt Genf der zweitgrösste Konsumentenmarkt der Schweiz (nach Zürich) eigentlich direkt vor der Nase befindet.
Aufgrund der Grösse der Agglomeration Genf befindet sich die landwirtschaftliche Produktion konstant in Stadtnähe mit den entsprechenden Nutzungskonflikten wie z. B. Produktion vs. Freizeit/Erholungsnutzung. Diese Themen kamen einem aus Zürcher Sicht erstaunlich bekannt vor. Insgesamt sind die Gemüseflächen mit nur 150 ha Freilandgemüse nicht gerade riesig. Demgegenüber stehen aber ganze 70 ha gedeckte Kulturen und 25 ha Hors-sol Anlagen. Der gedeckte Gewächshausanbau ist im Kanton überdurchschnittlich vertreten und die Tomate das eigentliche Hauptprodukt des Genfer Gemüsebaus.
Genossenschaftlich organisierte Vermarktung
In dieser Form einzigartig ist die Absatzstruktur des Genfer Gemüsebaus. So sind 30 Betriebe und damit der Grossteil der relevanten Produzenten in der "Union maraîchère de Genève", kurz UMG, genossenschaftlich organisiert. Die seit 1948 bestehende Genossenschaft kümmert sich um die Verpackung, Verkauf und Logistik des Gemüses im Raum Genf und der ganzen Schweiz. Täglich verlassen rund 70 Tonnen Gemüse die Rampe der modernen Verpackungshallen in Perly südöstlich von Genf. Dabei erhalten alle Produzenten mit demselben Produkt denselben Produzentenpreis. Auch die Anbauplanung für die Folgesaison wird in Planungssitzungen zwischen den Betrieben organisiert. Der gemeinsame Nachteil der Geografie schweisst offenbar zusammen. Seit dem Jahr 2000 werden die Produkte zudem unter der Eigenmarke "Coté Jardin" vertrieben. Die Markte begegnet einem in der Genfer Gemüsewelt konstant: Ob auf Produktverpackungen, Transportkisten oder auch als Erkennungssymbol für die Verkaufslokale.
Ein solches Lokal wurde am zweiten Tag mitten in der Stadt in Gehdistanz des Hauptbahnhofs besichtigt. Auffallend neben der grosszügigen Verkaufsflächen war dabei der hohe Anteil von verarbeiteten Produkten. In den letzten Jahren hat die UMG die Produktepalette in diesem Bereich wie etwa Tomatensugo stark erweitert. Man sieht darin eine Möglichkeit, mehr der Wertschöpfung in den eigenen Händen zu behalten, um auch in der Zukunft bestehen zu können.
Gemüse mitten in der Stadt
Eine innovative Form des Basismarketings wurde am zweiten Tag direkt vor dem Genfer Kunstmuseum angeschaut. Mitten an bester städtischer Lage sind seit einigen Jahren unter dem Titel "Légumes en Ville" einige Gemüsebeete und sogar ein Folienhaus in einer Parkanlage fix angelegt. Die Ausstellung soll insbesondere Schulklassen, aber auch anderen Interessenten, den Gemüsebau der Region näher bringen und so einen Beitrag zum Dialog zwischen Produktion und Konsumenten leisten. Die Ausstellungen werden geführt angeboten, können aber auch einfach beim Vorbeigehen angeschaut werden. Bisher gab es übrigens noch erstaunlich wenig Vandalismus an der Ausstellung zu beklagen. Wer weiss, vielleicht macht das System bald auch in anderen Städten Schule.