Planung der Zuckerrüben-Ernte
Dürftige Ertragsaussichten
Die ersten Rübenfelder sind gerodet und die Biokampagne im Werk Frauenfeld läuft seit einigen Tagen bereits. Die Trockenheit wie auch die dadurch geförderten Schädlinge haben die Rübenfelder stark in Mitleidenschaft gezogen. Am 15. September lieferte die 3. Ertragserhebung neue Erkenntnisse zur Ertragssituation in den Zuckerrübenfeldern. Mit 64.8 t/ha in der Westschweiz bzw. 67.8 t/ha in der Ostschweiz sind die Erträge dieses Jahr um rund einen Viertel tiefer als im Fünfjahresschnitt der vergangenen Erhebungen. Bei diesen Zahlen gilt es zu beachten, dass die von Hand entnommenen Proben über ca. 15% höher ausfallen als bei einer maschinell durchgeführten Ernte. Bei den Qualitätsparametern zeichnet sich ein ähnlich dürftiges Bild ab. Aufgrund des Ertragszuwachses sind die Zuckergehalte gesunken und liegen mit 15.3% im Westen bzw. 15.9% im Osten in der neutralen Zone. Die ausgeprägte Sommertrockenheit hat zudem den Melassebildneranteil in der Rübe erhöht, wodurch die Ausbeute gesunken ist.
In manchen Parzellen wiegen die Schäden so schwer, dass sich zurecht die Frage gestellt wird, ob eine Ernte überhaupt noch rentabel ist. Für die Entscheidung ist das Gewicht sowie der Durchmesser der Rüben zum Erntezeitpunkt elementar. Damit ein erfolgreiches Ernten gelingt, sollte eine Zuckerrübe um 400 Gramm wiegen und einen Durchmesser von über 6 Zentimeter aufweisen. Eine Anpassung des Roders, damit auch sehr kleine Rüben geerntet werden können, ist zu unterlassen. Solche Anpassungen führen zu einem erhöhten Fremdbesatz in Form von Steinen, die die Verarbeitung behindern und zu massiven finanziellen Einbussen bei der Rübenabrechnung des Produzenten führen. Die Qualität muss ebenfalls überprüft werden. Für eine möglichst problemlose Rübenverarbeitung dürfen maximal 15% der angelieferten Rüben eine Nassfäule aufweisen. Schwarz verfärbte Bohrlöcher des Rübenrüsslers sehen zwar auf den ersten Blick krass aus, haben aber mit Fäulnis nichts zu tun und können, sofern das umliegende Rübenfleisch trocken und intakt bleibt, normal in den Fabriken verarbeitet werden. Die Ernte sollte generell möglichst nahe am Verladetermin angesetzt werden, um unnötige Lagerverluste zu vermeiden. Die Temperaturen sind tagsüber noch zu warm, um eine stabile Feldlagerung der Rüben zu gewährleisten. An eine Feldlagerung ist erst ab Kühlschranktemperaturen von unter 8° C zu denken.
Umbruch als letzter Ausweg
Erfüllen die Zuckerrüben die Ertrags- und/oder Qualitätsanforderungen nicht, muss eine vorzeitige Vernichtung der Kultur ins Auge gefasst werden. Hierzu bieten sich Bodenbearbeitungsgeräte wie Scheibeneggen oder Bodenfräsen an, welche die Rüben zerkleinern. Die Zuckerrübenstücke sollten dann eine Weile an der Bodenoberfläche gelassen werden, damit die Verrottung schnell vorangetrieben wird. Intakte Rübenkörper können in der Folgekultur ins Schosserstadium übergehen und versamen. Dies wiederum wirkt sich schlecht auf die Feldhygiene aus. Die Einzelkultur- und Produktionssystembeiträge werden infolge des aussergewöhnlichen Jahres auch bei einem vorzeitigen Umbruch ausbezahlt. Es gilt die Schweizer Zucker AG über den Verlust der Fläche in Kenntnis zu setzen. Im Kanton Zürich muss ein vorzeitiger Umbruch der Abteilung Landwirtschaft gemeldet werden.
Erdmandelgraskontrolle vor der Ernte
Trotz der vielen Herausforderungen darf die Erdmandelgrasthematik nicht in Vergessenheit geraten. Die Rübenfelder sollten vor der Ernte auf Erdmandelgras kontrolliert werden. Ein allfälliger Fund muss der kantonalen Pflanzenschutzfachstelle, den Transportorganisationen und den betroffenen Lohnunternehmern gemeldet werden. Nur durch dieses solidarische Handeln lässt sich eine Verschleppung der Erdmandeln vermeiden. Das Erdmandelgras zeichnet sich durch seine helle, gelbgrüne Farbe aus. Der dreikantige Stängel des Sauergrases besitzt keinerlei Halmknoten. Die Blätter sind glatt-glänzend und unbehaart. Im September sind die gelb-goldenen Blütenstände des Ungrases sichtbar.
Blattfleckensituation
Mitte September ist der allerletzte Zeitpunkt für eine allfällige Abschluss-Fungizidbehandlung. Es muss jedoch zuerst abgewogen werden, ob eine Behandlung der Parzelle noch Sinn macht. Eine Fungizidapplikation sollte nur auf gesundes und intaktes Blattwerk durchgeführt werden. Die Temperaturen sind langsam aber sicher auf dem absteigenden Ast. Dies hemmt die Entwicklung von Cercospora-Blattflecken. Zudem ist der Erntezeitpunkt enorm wichtig. Als Faustregel gilt: 6 Wochen vor der Ernte sollten keine Fungizidapplikationen mehr erfolgen. Grund dafür sind allfällige Wartefristen der eingesetzten Fungizide.