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Pflanzenbau News Strickhof vom 23. September 2026

Themen dieser Woche: Raps: Der Herbst 2026 wird zur Herausforderung ¦ Getreide: Letzter Herbst mit Flufenacet ¦ Wiesen-Neuansaaten: Säuberungsschnitt; Blackenbekämpfung ¦ Düngung: Borversorgung im Raps

Raps

Der Herbst 2026 wird zur Herausforderung

Eigentlich wären die Voraussetzungen für den Rapsanbau gut: Neue spannende Sorten – teilweise mit der neuen Beizung (Buteo Start) gegen Erdflöhe ausgestattet – sowie gute Bedingungen bei der Saat. Im August gesäter Raps präsentiert sich aktuell prächtig und steht bereits im 6-Blattstadium.

Anders sieht es bei den späten Saaten aus: Nachsaaten in Hagelgebieten vom September oder Felder mit grobscholligem Saatbett und gestaffelter Keimung befinden sich erst im Keim- bis 2-Blattstadium. Die Bestände sind sehr lückig und werden vom Rapserdfloh massiv geschädigt. Bei uns gehen derzeit täglich Anfragen für Sonderbewilligungen ein, um ein Pyrethroid gegen die Erdflöhe einzusetzen. Teilweise haben Felder eine zu geringe Bestandesdichte und die wenigen Jungpflanzen sind komplett «verschabt» oder so stark verkrüppelt, dass ein Kulturabbruch nahegelegt werden muss. Zu beachten wären dann die Nachbaueinschränkungen des eingesetzten Herbizids. Bei vielen würden Ackerbohnen gehen, aber Getreide und Gräser nicht. Alternativ wäre im Frühjahr Sommerraps eine Option.

Dass einige Bestände sehr schlecht aussehen, hat verschiedene Gründe, wobei der Saatzeitpunkt auch in diesem Jahr der entscheidende Faktor war. Betroffen sind vor allem Saaten ab September, weil der Erdflohdruck dann seinen Höhepunkt erreicht. Hinzu kommt, dass die neue Beizung bei fehlender Bodenfeuchte nicht wirken kann, da der Wirkstoff über die Rapswürzelchen aufgenommen werden muss. Grobscholliger Boden stresst die Keimlinge zusätzlich und führt zu ungleichmässigem Auflaufen. Die fehlenden Niederschläge verschärfen diese Gesamtsituation weiter.

Witterungsbedingt empfehlen wir sehr zurückhaltend zu Verkürzen. Bestände, die unter der Trockenheit (sichtbar) leiden ev. später verkürzen oder nicht verkürzen. Verkürzungen, wenn sie dann nötig sind, können auch noch im Oktober durchgeführt werden. In Feldern mit vitalem, schönen Raps nur mit einer stark reduzierten Aufwandmenge arbeiten. Eine zeitgleiche Bekämpfung von Ausfallgetreide ist möglich, bei solchen Kombibehandlungen sollte jedoch auf Additive verzichtet werden. Wird gleichzeitig Bor über das Blatt verabreicht, ist die Spritzbrühe zuvor anzusäuern.

Raps Schädlinge
Massiv geschädigter, spät gesäter Raps. Wir zählen über 50 adulte Erdflöhe auf einer Pflanze. Foto: Strickhof

 

Getreide

Letzter Herbst mit Flufenacet

Mit dem anstehenden Herbizideinsatz im Herbst bietet sich die letzte Gelegenheit, Lagerbestände von Präparaten mit dem Wirkstoff Flufenacet (z. B. Herold SC, Malibu, Araldo, Miranda) aufzubrauchen. Die Aufbrauchfrist endet definitiv per 01.01.2027. Auszubringen sind die Mittel im Rahmen der regulären Pflanzenschutz-Saison bis spätestens 14.11.2026.

Der Herbizideinsatz im Herbst schaltet die Unkrautkonkurrenz frühzeitig aus, schont die Kultur und vermindert durch den Wechsel der Wirkstoffklassen das Resistenzrisiko gegenüber reinen Frühjahrsbehandlungen.

Für einen optimalen Bekämpfungserfolg beim Ackerfuchsschwanz – insbesondere auf schweren Böden – kommt es auf das richtige Timing und pflanzenbauliche Begleitmassnahmen an:

  • Falsches Saatbett: Auf Problemflächen regt ein früh hergerichtetes Saatbett die erste Keimwelle an, die vor der eigentlichen Saat mechanisch oder mit einem Totalherbizid vernichtet wird. Dies funktioniert jedoch nur bei genügend Bodenfeuchte, was zurzeit nicht gegeben ist.
  • Spätere Saat: Eine Ansaat nach Mitte Oktober reduziert den Druck deutlich, da die Keimfähigkeit des Ackerfuchsschwanzes mit sinkenden Temperaturen spürbar nachlässt.
  • Frühes Behandlungsfenster: Chemisch lässt sich Ackerfuchsschwanz im Herbst am effektivsten im Vorauflauf und bis zum 3-Blattstadium erfassen. Im Frühjahr stehen nur noch Produkte mit Sulfonylharnstoffen (2er-Mittel) zur Verfügung, deren Einsatz mit einer erhöhten Resistenzgefährdung einhergeht.
Getreide Unkraut
Für die optimale Versiegelung des Bodens mit Bodenherbiziden braucht es ein feinkrümeliges, gewalztes Saatbett. Foto: Strickhof

 

 

Wiesen-Neuansaaten

Um einer neu angelegten Kunstwiese den besten Start zu ermöglichen und eine dichte Grasnarbe zu fördern, stehen im Herbst zwei zentrale Pflegemassnahmen im Fokus: der Säuberungsschnitt und die rechtzeitige Regulierung von Blackenkeimlingen.

Säuberungsschnitt für einen dichten Bestand

Ein Säuberungsschnitt verdrängt die Unkräuter und schafft Platz für die wertvollen Futterpflanzen. Gegen die meisten allgemeinen Breitblattunkräuter ist ein Säuberungsschnitt völlig ausreichend. Wurde vorgängig eine chemische Behandlung durchgeführt, erfolgt dieser idealerweise etwa drei Wochen später. Bei den aktuellen trockenen Verhältnissen kann auch zu schlagkräftiger Mechanisierung gegriffen werden. Achten Sie auf eine Schnitthöhe von ca. 8 cm, um den Vegetationskegel der Gräser nicht zu verletzen. Das Schnittgut kann bei überschaubaren Mengen liegen gelassen werden – dieses schwindet in der prallen Mittagssonne dahin.

Blackenbekämpfung: In Neuansaaten am wirksamsten

Seit dem Wegfall von Asulam (die Aufbrauchfrist war am 1. Juli 2026) gewinnen die noch verbleibenden Strategien zur Blackenregulierung an Bedeutung. Die Bekämpfung von Samenblacken ist in Neuansaaten am effektivsten und verursacht im Vergleich zu Behandlungen in späteren Jahren keine nennenswerten Ertragseinbussen.

Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Witterung, Zeitpunkt und Entwicklungsstadium exakt stimmen:

  • Zeitpunkt & Entwicklungsstadium: Der Klee bzw. die Luzerne muss mindestens 3 bis 4 echte, dreiteilige Blätter aufweisen, um eine ausreichende Verträglichkeit zu gewährleisten. Die Blackenkeimlinge wiederum sollten nicht mehr als 4–5 Blätter haben (maximal etwa 5-Liber-gross) und über genügend Blattmasse verfügen. Sofern die Temperaturen mitspielen, sind Behandlungen bis spätestens Mitte Oktober möglich. Wüchsiges Wetter verstärkt die Herbizidwirkung.
  • Mittelwahl: Als Standard gilt die Anwendung von 4.0 l/ha MCPB (oder eine Mischung aus 2.0 l/ha MCPA und 2.5 l/ha MCPB). Achtung: Einjährige Kleearten wie Alexandriner-, Perser- oder Inkarnatklee dürfen nicht behandelt werden.
  • Ergänzender Hinweis zu etablierten Beständen: In Beständen ab dem 2. Standjahr kann 45 g/ha Harmony SX eingesetzt werden oder Hoestar mit 80 g/ha. Letzteres wirkt auch gegen Löwenzahn und Hahnenfuss.
Blacke Unkraut
Blacken bekämpft man am besten, bevor sich die Wurzel als grosses Speicherorgan gebildet hat. Foto: Strickhof

 

Düngung

Raps: Borversorgung im Herbst im Blick behalten

Wenn noch keine Bordüngung über den Boden erfolgt ist, sollte jetzt über eine Blattdüngung nachgedacht werden. Raps gehört zu den Kulturen mit einem vergleichsweisen hohen Borbedarf. Bor übernimmt in der Pflanze zahlreiche Funktionen. Es ist unter anderem am Aufbau und an der Stabilisierung der Zellwände sowie an der Zellteilung beteiligt. Ein Mangel kann deshalb die Entwicklung der Wurzeln und des Vegetationspunktes beeinträchtigen. Typische Mangelsymptome sind ein gedrungener Wuchs, verformte junge Blätter sowie Verbräunungen und Hohlräume im Wurzelhals. Besonders im Herbst ist deshalb eine ausreichende Versorgung wichtig, um die Ausbildung eines kräftigen Wurzelsystems und die Entwicklung der Pflanzen zu unterstützen.

Gerade nach den trockenen Witterungsphasen dieses Sommers verdient die Borversorgung besondere Aufmerksamkeit. Bor gelangt überwiegend mit dem Bodenwasser zu den Wurzeln. Bei Trockenheit ist dieser Transport eingeschränkt, sodass selbst auf ausreichend versorgten Böden ein vorübergehender Mangel auftreten kann. Mit einsetzenden Niederschlägen verbessert sich die Aufnahme wieder, auf Standorten mit hohen pH-Werten kann die Verfügbarkeit allerdings zusätzlich eingeschränkt sein. 

Eine Blattdüngung bietet die Möglichkeit, die Versorgung kurzfristig und unabhängig von der Verfügbarkeit im Boden zu ergänzen. Besonders auf bekannten Mangelstandorten oder bei eingeschränkter Nährstoffaufnahme ist dies sinnvoll. Normal entwickelte Rapsbestände haben im Herbst einen Borbedarf von etwa 150 bis 200 g/ha. Früh gesäte und kräftig entwickelte Bestände, die bis zum Winter noch viel Blattmasse bilden, können dagegen einen Bedarf von 200 bis 300 g/ha aufweisen. 

Bei kräftigen Beständen mit höherem Bedarf kann die Herbstmenge auf zwei Anwendungen verteilt werden. Der Vorteil einer Aufteilung liegt darin, dass Bor innerhalb der Rapspflanze kaum von älteren Blättern in neu gebildete Pflanzenteile verlagert wird. Eine frühzeitige Blattdüngung versorgt deshalb nicht automatisch den späteren Blattzuwachs. Eine zweite Gabe kann deshalb bei anhaltend kräftigem Wachstum und erhöhtem Versorgungsbedarf sinnvoll sein. Gerade wenn aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen eine verlängerte Vegetationsperiode zu erwarten ist, empfiehlt sich diese Strategie.

Raps 2026
Kräftig entwickelte Rapspflanzen. Foto: M. Baur, Strickhof

 

PDF: Pflanzenbau News Strickhof vom 23. September 2026

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