Zwischen Totalausfall und Spitzenbestand
Die Strickhof Fachstelle Pflanzenschutz führte eine Umfrage zur vergangenen Rapssaison durch, an der sich über 100 Produzenten aus verschiedenen Regionen beteiligten. Dafür möchten wir uns bedanken!
Abgefragt wurde die Einschätzung zu möglichen Einflussfaktoren wie Witterung, Sorte, Nährstoffversorgung, Bodenverhältnisse und Pflanzenschutzmassnahmen. Die Resultate zeigen eine grosse Spannweite: Die Einschätzungen reichten von «blendend» bis «katastrophal», entsprechend stark streuten auch die Ertragserwartungen. Ein klarer Einzelfaktor konnte die Unterschiede jedoch nicht erklären.
Saisonstart fiel ins Wasser
Schon vor der Saat waren die Bedingungen vielerorts anspruchsvoll. Vor der Aussaat fielen regional teils über 100 mm Regen. Kurz danach Anfang September kam es lokal erneut zu Starkregen, teils mit 50 mm an einem einzigen Tag. Der September war insgesamt sehr nass, die Wetterkarten zeigen jedoch deutliche regionale Unterschiede. Zwar gab es Ende August vielerorts ein geeignetes Saatfenster, doch anschliessende Niederschläge dürften das Saatbett stellenweise wieder verschlämmt haben, was die Jugendentwicklung des Raps verzögerte.
Wechselhaftes Wetter und Schädlinge
Die Umfrage und unsere Analysen zeigen deutlich: Weder Bodenbearbeitung, Bearbeitungstiefe, Vorkultur, Sorte, Saatmethode noch Pflanzenschutzmassnahmen konnten die teils schwache Blüte allein erklären. Auch die Blattsaftanalysen ergaben keinen klaren Nährstoffmangel als Hauptursache. Entscheidend war vielmehr das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, was auch die Unterschiede der Bestände bei identischer Kulturführung erklärt. Im Februar setzten früh milde Temperaturen ein, wodurch der Raps bereits zu wachsen begann. Um Ostern herum folgten hohe Sonneneinstrahlung am Tag, kalte Nächte mit Frost sowie eine nass-kalte Phase. Dies führte zu wachstumsbedingtem Stress und in vielen Beständen zu physiologischer Knospenwelke. Zusätzlich war zeitweise auch der Schädlingsdruck hoch, zuerst durch den Rapsglanzkäfer, später durch den Kohlschotenrüssler und die Kohlschotengallmücke. Viele Landwirte hegten zudem den Verdacht auf eine verminderte Wirkung eines Insektizids, was jedoch anhand der Umfrage nicht eindeutig belegt werden konnte. Einige Landwirte gaben zudem an, dass der Rapsanbau kaum noch Freude bereite, da nur wenige Möglichkeiten bestünden, die anfallenden Herausforderungen wirksam anzugehen.
Empfehlung für das kommende Rapsjahr
Für die nächste Rapssaison sollte eine Saat in der Zeit von Mitte bis Ende August angepeilt werden. Der Grundstein wird jedoch schon zuvor gelegt: Bei einem trockenen August sollte die Grundbodenbearbeitung möglichst rasch erfolgen, um Bodenfeuchte zu konservieren und Ausfallgetreide zum Keimen anzuregen. Zudem muss die Ackerfurche vor dem Austrocknen bearbeitet werden, ansonsten droht ein grobscholliges Saatbett mit gestaffeltem Feldaufgang. Unter feuchten Bedingungen wiederum erhöht sich das Risiko von Verdichtungen, die die empfindliche Pfahlwurzel beeinträchtigen können.
Lange Stoppeln sollten besonders bei pfluglosem Anbau gemulcht werden, damit ein gutes Saatbett mit sicherem Bodenschluss entsteht. Raps reagiert sehr positiv auf Hofdünger und Kalkung; diese sollten gleichmässig eingearbeitet werden. Für die Feldhygiene gilt: Die Rapsstoppeln und der Ausfallraps auf den geernteten Rapsparzellen sollten konsequent bearbeitet werden, da sie wichtige Infektionsquellen für Krankheiten wie Phoma (Wurzelhals- und Stängelfäule) darstellen.