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Wiesenfutter deckt den Bedarf an Eiweiss weitgehend

Der Online-Fachabend «Wie viel Protein braucht die Milchkuh?» informierte darüber, wie Milchkühe bei viel Weidegang Eiweiss möglichst effizient verwerten können.

Der online Fachabend «wieviel Protein braucht die Milchkuh?» des Teams Tierhaltung, unter der Leitung von Milada Quarella und Selina Hug, lud ein, die Weidefütterung mit ihrem schwankenden Nährstoffgehalt unter die Lupe zu nehmen. Wie viel Protein braucht die Kuh und wie kann sie dieses effizient in Milchproteine umwandeln?

Eiweissreiches Kraftfutter nur im Berggebiet

Florian Leiber des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) hat die Proteinverwertung bei Milchkühen untersucht. Nicht verwertetes Eiweiss aus dem Futter wird als Harnstoff ausgeschieden. Das belastet die Umwelt und den Stoffwechsel der Kuh und verschlechtert die Wirtschaftlichkeit.

Seine wichtigsten Erkenntnisse:

  • Im Schweizer Mittelland enthalten Weiden und Kunstwiesen meist viel Eiweiss. Folglich können viele Betriebe ihre Kühe weitgehend mit Wiesenfutter versorgen, ohne zusätzliches Eiweiss zufüttern zu müssen.
  • Eiweissreiches Kraftfutter verbessert die Proteineffizienz nicht. Studien zeigen, dass zwar die Milchmenge erhöht werden kann, aber der Anteil des umgesetzten Eiweisses nimmt nicht zu. Sollte man also auf eiweissreiches Kraftfutter verzichten? Laut Florian Leiber hängt das von der Region ab. In Berggebieten ist das Grundfutter oft eiweissärmer, sodass Ergänzungen sinnvoll sein können. Im Mittelland hingegen bringt zusätzliches Eiweiss im Kraftfutter meist keinen Vorteil für die Effizienz.
  • Energiereiches Kraftfutter kann hingegen Sinn machen. Die Kühe fressen zwar etwas weniger Gras, aber das Verhältnis von Eiweiss zu Energie ist ausgeglichener, was sowohl die Proteineffizienz als auch die Milchleistung verbessert. Dieser Effekt hat aber Grenzen: Ab einer gewissen Menge bringt zusätzliches Kraftfutter keinen weiteren Nutzen mehr.
  • Kräuter mit Gerbstoffen (Tanninen) schützen einen Teil des Eiweisses im Pansen, sodass es erst später im Labmagen verdaut wird. Dadurch kann die Eiweisseffizienz erhöht werden, und die Stickstoffverluste nehmen ab.
  • Entwarnung bei den Harnstoffwerten: Werte zwischen 15 und 25 gelten als unproblematisch und haben keinen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Erst bei Werten unter 10 muss genauer hingeschaut werde, da dies auch die Milchleistung beeinflusst.

Florian Leiber empfiehlt, den Einsatz von energiereichem Kraftfutter zu berechnen, da es höhere Kosten verursacht und auf Ackerland produziert wird. In der vorgestellten Modellrechnung konnte mit dem Einsatz von bis zu 3.5 kg einer Gerste-Mais-Triticale-Mischung, die Proteineffizienz gesteigert werden. Eine grössere Menge brachte keine Verbesserung der Proteineffizienz mehr. 

Zielkonflikte auf der Weide

Nun ging es auf die Weide: Landwirtin Anna Bolleter führt in Meilen einen Betrieb mit 25 behornten OB-Milchkühen im Anbindestall. Die Bewirtschaftung der Weiden ist eine Herausforderung, denn verschiedene Ziele müssen gleichzeitig erreicht werden. Wichtig dabei ist, die botanische Zusammensetzung gut zu kennen. Gerade im Frühling liefert die Weide viel Protein, weshalb Anna Bolleter mit kleinen Mengen der eigenen Getreidemischung das Eiweiss- zu Energieverhältnis ausgleicht.

Zur Kontrolle der Protein-Energiezufuhr nutzt sie folgende Ansätze: Der Kot - im Winter eher fest - wird im Frühling dünner, was auf eine höhere Proteinaufnahme hinweist. Zusätzlich liefern die Harnstoffwerte der Milchleistungskontrolle Hinweise. Sind diese zu hoch, verfüttert Anna Bolleter mehr Heu und eigenes Getreide.

Futterqualität gezielt steuern

Laut Futterbauexpertin Bettina Tonn sind die Milchanalyse und die Begutachtung des Kots sinnvoll, auch wenn die Milchwerte nur rückwirkend Hinweise liefern. Grundsätzlich enthalten junge Pflanzen mehr Protein und Energie, mit zunehmendem Alter sinken diese Gehalte. Leguminosen wie Klee behalten ihren Proteingehalt länger als Gräser. Da ihr Anteil im Herbst in der Regel höher ist, ist das Futter eiweissreicher.

Anna Bolleter pflegt ihre Weiden durch Striegeln und Mulchen. Zur Düngung verwendet sie Gülle. Damit die Tiere auch weniger beliebte Pflanzen fressen, hat sie vor, die betroffene Fläche möglichst bald zu beweiden. 

Um bei Weidebeginn einen Überschuss an Protein zu vermeiden, empfiehlt Bettina Tonn, die Fresszeit auf der Weide allmählich zu verlängern und direkt nach dem Weidegang strukturreiches Heu sowie energiereiches Futter wie Maissilage oder Getreide zuzufüttern.

Ursina Berger, Strickhof

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