Pflanzenbau News Strickhof vom 30. September 2026
Erdmandelgras
Spätbefall in Zuckerrüben
Auf von Erdmandelgras betroffenen Flächen besteht im Frühherbst das Risiko, dass die gefürchteten Sauergräser nochmals intensiv auflaufen. Grund dafür ist das absterbende Blätterdach der Zuckerrüben, wodurch wieder deutlich mehr Licht auf den Boden fällt. Das Schadpotenzial dieser späten Welle ist enorm: Selbst unauffällige Einzelpflanzen bilden in knapp zehn Tagen bereits 20 bis 25 Tochterknöllchen aus. Bleiben beispielsweise nur zehn Erdmandelgraspflanzen unbemerkt auf dem Feld stehen, können daraus innerhalb von drei bis vier Wochen über 1'500 neue Knöllchen entstehen. Der Bekämpfungserfolg der gesamten Saison kann dadurch in kürzester Zeit zunichtegemacht werden.
Zuckerrüben sind auf Befallsflächen deshalb die denkbar ungünstigste Kultur. Neben den eingeschränkten Optionen zur chemischen Regulierung und dem erschwerten Monitoring begünstigt vor allem die späte Ernte eine ungestörte Knöllchenbildung in den Monaten August und September. Zudem besteht bei der Ernte ein hohes Risiko, das Erdmandelgras über Erntemaschinen auf weitere Parzellen zu verschleppen. Stellen Sie deshalb unbedingt sicher, dass die Erntekolonne über den Befall informiert ist und die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen ergreift.
Strickhof-Video: Erdmandelgras-Update "Befallssituation in Zuckerrüben im September 2026"
Getreide
Saatzeitpunkt Wintergerste
Nach einer alten Bauernregel hätte die Gerste um den Bettag (in diesem Jahr der 20. September) gesät werden sollen. Tatsache ist aber auch, dass mangels Bodenfeuchte bislang höchstens eine gestaffelte Keimung erfolgt wäre. In der Hoffnung, dass um das Wochenende noch ein paar Tropfen Regen fallen, empfehlen wir, die Aussaaten bis dahin abzuschliessen. Eine anschliessend vorhandene Bodenfeuchte begünstigt die Wirkung von Bodenherbiziden gegen Unkräuter und Ungräser wie den Ackerfuchsschwanz. Vorhandene Restbestände von Produkten mit dem Wirkstoff Flufenacet (Aufbrauchfrist per Ende dieses Jahres) könnten so optimal in den obersten zwei Zentimetern des Bodens wirken.
Saatzeitpunkt Winterweizen
Besonders auf Parzellen mit Ackerfuchsschwanz sollte mit der Weizensaat noch zugewartet werden. Reicht die aktuelle Feuchtigkeit für die Keimung des Ackerfuchsschwanzes aus, erhält dieser einen Vorsprung und lässt sich im Nachauflauf deutlich schwerer bekämpfen als im Vorauflauf.
Mangels Bodenfeuchte ist aber auch ein falsches Saatbett wenig vielversprechend. Um bei der aktuellen Trockenheit nicht unnötig Feuchtigkeit zu verlieren, sollte der Boden nicht unnötig häufig bearbeitet werden. Für die anschliessende Saat ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett entscheidend. Der Bodenschluss sichert die Wasserversorgung des Saatkorns und sorgt für einen gleichmässigen Feldaufgang.
Raps
Ungräser
Für den Einsatz von Kerb Flo zur Ungrasbekämpfung inklusive Ackerfuchsschwanz ist es aktuell noch viel zu früh. Damit der enthaltene Wirkstoff Propyzamid zuverlässig wirkt, sind kühle Bedingungen mit Bodentemperaturen von unter 10 °C zwingend erforderlich. Bei den aktuell warmen Böden von 15 bis 20 °C wird der Wirkstoff zu rasch abgebaut, sodass keine ausreichende Wirkstoffkonzentration in der Bodenlösung verbleibt. Da Propyzamid als systemischer Wirkstoff vor allem über die Wurzeln aufgenommen wird, ist zudem eine ausreichende Bodenfeuchte entscheidend. Ein Zuwarten ist problemlos möglich, da das Mittel viele Gräser auch im 2- bis 3-Blatt-Stadium noch sicher erfasst.
Erdfloh-Larven
Bei den Erdfloh-Larven können die spärlichen Niederschläge dazu führen, dass ein grosser Teil der in den Boden nahe an den Rapspflanzen abgelegten Eier vertrocknet. Dadurch würden deutlich weniger Eier und Junglarven überleben, was den Schaddruck senken und im Winter zu geringerem Larvenbefall in den Stängeln führen würde. Sehr zahlreiche adulte Erdflöhe lassen folglich nicht auf einen späteren grossen Larvenbefall schliessen. Deswegen steht gegen Ende Oktober eine sorgfältige Larvenkontrolle an. Diese kann dann wahlweise mithilfe der Berlèse-Methode oder durch das direkte Aufschneiden und Prüfen der Blattstiele durchgeführt werden.
Zuckerrüben
Keine Ernte auf Vorrat
Die Bio-Kampagne in der Zuckerfabrik Frauenfeld konnte in den vergangenen Tagen erfolgreich abgeschlossen werden. Damit ist der Weg für den Beginn der konventionellen Rübenverarbeitung frei. Da die Temperaturen weiterhin relativ hoch sind, sollte die Ernte möglichst zeitnah zum jeweiligen Verladetermin erfolgen. Dadurch lässt sich die Lagerdauer der Rüben auf dem Feld reduzieren und gleichzeitig das Risiko von Verlusten in der Feldmiete minimieren. Eine längere Lagerung auf dem Feld sollte erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Temperaturen auf höchstens 8°C, also etwa auf Kühlschrankniveau, sinken. Eine Ernte auf Vorrat ist deshalb normalerweise frühestens ab Ende Oktober sinnvoll.
Verluste vorbeugen
Grundsätzlich sind die Rüben im Boden am besten vor Qualitäts- und Ertragsverlusten geschützt. Im Oktober kann unter normalen Bedingungen weiterhin mit einem Ertragszuwachs von ungefähr einer Tonne pro Hektar und Woche gerechnet werden. Sollte die anhaltende Trockenheit jedoch bestehen bleiben, sind kaum noch nennenswerte Ertragssteigerungen zu erwarten. Trotzdem sollte die Ernte nicht unnötig früh durchgeführt werden, da eine zu frühe Ernte sowohl zu Ertragsverlusten als auch zu einer schlechteren Rübenqualität führen kann.
Kontrolle während der Ernte
Während der Ernte sollte der Landwirt selbst auf dem Rübenfeld anwesend sein und insbesondere die Qualität des Köpfens kontrollieren. Wird zu tief geköpft, gehen unnötig wertvolle Rübenanteile verloren. Ein zu hohes Köpfen hingegen führt dazu, dass der Fremdbesatz in der angelieferten Rübenmenge zunimmt. Eine weitere Herausforderung stellt die teilweise geringe Grösse der Rübenkörper dar. Sehr kleine Rüben mit einem Durchmesser von weniger als 6 cm beziehungsweise einem Gewicht von weniger als 400 g können bei der Rodung durch die Maschine fallen und dadurch auf dem Feld zurückbleiben. Es sollte jedoch vermieden werden, die Rodefahrzeuge drastisch anzupassen, nur um auch die kleinsten Rüben aufnehmen zu können. Solche Anpassungen können dazu führen, dass gleichzeitig vermehrt Steine mit aufgenommen werden. Dadurch steigt der Fremdbesatz des Erntegutes. Ein zu hoher Fremdbesatz hat für den Produzenten direkte finanzielle Folgen, da es zu Abzügen bei der Rübenabrechnung kommen kann. Zusätzlich erschweren die mitgelieferten Steine die Verarbeitung der Rüben in den Zuckerfabriken.