Pflanzenbau News Strickhof vom 21. Oktober 2026
Raps
Nachkürzen vor dem Vegetationsende
Das Vegetationsende ist noch nicht erreicht. Ragt der Vegetationskegel im Winter aus der schützenden Schneeschicht, steigt die Frostgefährdung massiv. Da Raps bereits ab etwa 5°C weiterwächst und wir noch immer Bodentemperaturen von 12°C haben, erzielen auch späte Nachkürzungen eine gute Wirkung. Ein applizierter Wachstumsregler wirkt in der Regel rund zwei Wochen. Eine (Nach-)Kürzung von üppigen Rapsbeständen im 10- bis 12-Blattstadium sollte also sinnvollerweise spätestens 10 Tage vor dem tatsächlichen Vegetationsende erfolgen.
Für die Bestandesregulierung stehen verschiedene Produkte zur Verfügung. Mit Medax steht ein reiner Wachstumsregulator bereit, der auch bei kühleren Temperaturen ab 5°C zuverlässig wirkt; hierbei ist die Spritzbrühe solo oder in Mischung mit einem Insektizid anzusäuern. Kombinierte Mittel, also mit Fungizid- und Verkürzer-Eigenschaften, wie Caryx (welches neben einen fungiziden Wirkstoff, den Verkürzer des Mittels Medax, das Mepiquatchlorid enthält) oder Toprex beziehungsweise Corex (mit der Wirkstoff-Komponente Paclobutrazol, die als Triazol nur verkürzende Eigenschaften hat) vereinen Fungizid- und Regulationseffekte. Auch Wirkstoffe wie Tebuconazol oder Metconazol verfügen über eine kombinierte fungizide und wachstumsregulierende Wirkung. Reine Fungizide wie Prothioconazol oder Difenoconazol zeigen hingegen praktisch keine verkürzenden Eigenschaften.
Wurde der Raps bereits im frühen Stadium eingekürzt, ist bei einer erneuten Anwendung von Medax zu berücksichtigen, dass die maximal zulässige Gesamtaufwandmenge von 1,0 l/ha nicht überschritten werden darf.
Rapserdfloh-Larven
Frostschäden, die durch den Rapserdfloh begünstigt werden, setzen zwei Faktoren voraus: Einerseits braucht es gefrässige Larven in den Blattstielen, deren Bohrlöcher als Eintrittspforten für Wasser dienen. Andererseits ist ein ausreichend kalter Winter nötig, damit das gefrierende Wasser die Stängel aufsprengt. Während Langzeit-Wetterprognosen einem Blick in die Kristallkugel gleichen, lässt sich der parzellenspezifische Befall mit Erdfloh-Larven vor dem Wintereinbruch recht gut einschätzen.
Der Einsatz von Pyrethroiden im ÖLN-Ackerbau ist nur noch mit einer einzelbetrieblichen Sonderbewilligung zulässig
(➜ https://sonderbewilligung.strickhof.ch/). Der entsprechende Antrag muss zwingend mit dem Überschreiten der Bekämpfungsschwelle begründet werden. Diese ist erreicht, wenn 7 von 10 Rapspflanzen einen sichtbaren Larvenbefall aufweisen. Die Bohrlöcher und Frassgänge lassen sich auf der Oberseite der Blattstiele gut feststellen.
Alternativ können die Larven mit der Berlèse-Methode aus den Blattstielen ausgetrieben werden. Dazu werden an fünf Stellen im Feld jeweils fünf Pflanzen ausgerissen. Anschliessend schneidet man die Wurzeln sowie den oberen Teil der Blätter mit einer Rebschere ab, sodass rund 20 cm lange Stängelstücke übrigbleiben. Auf dem Betrieb lässt sich hierfür beispielsweise ein leerer Lecksalz-Kübel mit einem Maschendraht bespannen. In den Kübel wird etwas Seifenwasser gefüllt und die Rapsstiele werden auf dem Gitter ausgelegt. Diese Vorrichtung verbleibt für rund 7 Tage in einem temperierten Raum, in dem der zunehmend starke Kohlgeruch nicht stört (wie etwa im Heizungskeller). Während die Rapsstiele austrocknen, verlassen die Larven das Pflanzengewebe und fallen ins Wasser, wo sie anschliessend problemlos ausgezählt werden können. Die Bekämpfungsschwelle liegt je nach Vitalität der Rapspflanzen bei durchschnittlich 2 – 5 Larven pro Pflanze (entspricht mindestens 50 Larven bei einer Stichprobe von 25 Pflanzen).
Seit der Saison 2023 sind Pflanzenschutzmitteleinsätze bis einschliesslich 14. November zulässig. Für eine allfällige Larvenbekämpfung lohnt es sich, diesen terminlichen Spielraum auszuschöpfen, da Pyrethroide zwar adulte Erdflöhe und Larven erfassen, nicht aber die Eier. Ein möglichst später Behandlungszeitpunkt stellt sicher, dass der grösste Teil der Eier bereits geschlüpft ist. Wurden bereits die adulten Rapserdflöhe im Keimblattstadium bekämpft, muss bei der nachfolgenden
Larvenbehandlung zur Resistenzvorbeugung unbedingt der Wirkstoff (nicht nur das Produkt!) gewechselt werden. Zudem sind die Driftauflagen der Pyrethroide von bis zu 100 Metern zu Oberflächengewässern strikt einzuhalten. Um jeden Eintrag zu vermeiden, sollte die Applikation bei möglichst windstillen Verhältnissen und mit tief geführtem Spritzbalken erfolgen; offene Schächte in der Parzelle sind vorab abzudecken.
Pyrethroide reagieren empfindlich auf hohe pH-Werte, wie sie bei kalkreichem Leitungswasser oder beim Zumischen von Bor-Blattdüngern auftreten. Die Spritzbrühe kann bei Bedarf mittels pH-Stabilisatoren, Zitronensäure oder aufgelöstem Ammoniumsulfat angesäuert werden (vgl. Pflanzenschutzmittel im Feldbau 2026, S. 5). Damit der Wirkstoff die tief in den Blattstielen sitzenden Larven gut erreicht, wird insbesondere in üppigen, weit entwickelten Beständen ein erhöhtes Brühevolumen von mindestens 350 l/ha empfohlen. Die Zugabe eines Netzmittels (Pflanzenschutzmittel im Feldbau 2026, S. 88) reduziert die Oberflächenspannung, sodass die Sprühtropfen besser in die Frassgänge eindringen können.
Zwischenkulturen
Gründüngungen
Bei vielen Gründüngungen hat aufgrund der vorangegangenen Trockenheit als Stressreaktion eine verfrühte Samenbildung eingesetzt. Diese generative Phase verläuft dank der aktuellen, reichlichen Bodenfeuchte nun ausserordentlich rasch. Um eine unerwünschte Versamung auf den Parzellen zu verhindern, sollten blühende Bestände möglichst zeitnah abgestoppt werden.
Kurse & Veranstaltungen
Die nächsten Veranstaltungen im Bereich Pflanzenbau:
18.11.2026: Online-Kurs: Parzellengenau düngen mit dem neuen Excel-Tool für die Praxis
20.11.2026: Veranstaltung: 6. Fachtagung Protein Power
25.11.2026: Online-Kurs: Wild(schwein)-Schäden verhindern