Strickhof testet Anbau von Quinoa
(24.07.2026) ‒ An der Genusswochen-Eröffnung von Gastrosuisse Anfang dieses Jahres am Strickhof Lindau entstand die Idee, Lernenden die gesamte Wertschöpfungskette einer Ackerbaukultur näherzubringen: vom Feld bis auf den Teller. Für die angehenden Fachkräfte ist dieses Wissen von grosser Bedeutung. Die Wahl fiel auf Quinoa, eine Kultur, die bei allen Beteiligten auf Interesse stiess und vielseitig in der Küche verwendet werden kann. Die teilnehmenden Lernenden stammen von Gastrobetrieben des Kantons Zürich und erlernen die verschiedensten Berufe von Restaurantfachperson bis Koch.
Die teilnehmenden Gastrobetriebe sind alle Fait-Maison-zertifiziert und stellen einen grossen Teil ihres Angebots selbst her. Dieses Quinoa-Projekt bietet ihnen die Chance, eine lokal angebaute Kultur zu verarbeiten und ihren Gästen näherzubringen.
Sorten für unsere Böden
Der Strickhof baut Quinoa erstmals an. Quinoa bevorzugt heisse, trockene Bedingungen und magere Böden. Bodenverdichtungen verträgt die Pflanze schlecht. Das Feld umfasst rund 70 Aren. «Wir haben Sorten gesucht, die für unsere Böden geeignet sind und auch mit etwas feuchteren Bedingungen zurecht kommen», erklärt Raphael Bernet, Betriebsleiter Pflanzenbau des Strickhof Ausbildungs- und Versuchsbetriebs. Mit den drei gewählten Sorten Vikinga, Freya und Dagr soll das Risiko eines Ertragsverlust etwas reduziert werden.
Trockenheit wirkt sich positiv aus
Die Sorten unterscheiden sich aber auch im Saponingehalt – dem Bitterstoff der Pflanze. Dieser beeinflusst einerseits den Geschmack der Quinoakörner, andererseits auch den Ertrag: Je höher der Saponingehalt, desto ertragreicher die Sorte. «Es kommt enorm auf das Jahr an, wie erfolgreich eine Sorte ausfällt», sagt Raphael Bernet. Das aktuelle, trockene Jahr wirkt sich positiv auf die Kultur aus. In feuchteren Jahren kann die Bilanz jedoch ganz anders ausfallen. Auch wird sich zeigen, wie die Pflanze mit den feuchteren Morgen- und Abendstunden im späten Sommer umgehen wird.
Die Sorte Vikinga zeigte in der Jugendphase ein verzögertes Wachstum, was zu stärkerem Unkrautdruck führte. Die Ernte wird zeigen, wie sich das auf den Gesamtertrag auswirkt.
Anbau ohne Pflanzenschutz
Für Quinoa sind keine Pflanzenschutzmittel zugelassen. Deshalb legte der Strickhof umso mehr Wert auf die Bodenbearbeitung. Mitte Februar wurde gepflügt und anschliessend geeggt, um ein feines Saatbett zu schaffen. Die auflaufenden Unkräuter wurden mechanisch zerstört. Danach folgte die Saat unter optimalen und warmen Bedingungen. Anschliessend folgten ein Blindstriegeln und ein weiteres Striegeln im Keimblattstadium. «Für eine solche Kultur war das Jahr bis anhin ein ideales», bilanziert Raphael Bernet.
Mähdrescher anpassen
Für die Ernte kommt ein konventioneller Mähdrescher zum Einsatz, der jedoch angepasst wird: Der Korb erhält zusätzliche Reibflächen, der Wind wird auf die tiefste Stufe gestellt und zusätzliche Bleche verschliessen den Luftansaug, damit die kleinen feinen Kerne nicht aus der Maschine geblasen werden. Gedroschen wird eher «zu dreckig», um möglichst wenig Körner zu verlieren.
Ursina Berger, Strickhof