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Schadgase im Stall ermitteln

Am Online-Fachabend zum Thema «Stallklima und Hitzestress» zeigten Experten praktikable Lösungen für eine tierwohlgerechte und wirtschaftliche Tierhaltung.

Bei warmen Frühlingstemperaturen begrüsste Matthias Schick vom Strickhof Ende April zum Online-Fachabend und bemerkte, dass die aktuelle Temperatur von 22 Grad für die Tiere in unseren Ställen bereits Stress bedeute. Eduard Zentner von Raumberg-Gumpenstein, ein Zentrum für Bildung und Forschung in Österreich, hielt den ersten Fachvortrag. Als Abteilungsleiter für «Tierhaltungssysteme Technik und Emissionen» rät er für ein gutes Stallklima und zur Reduktion von Hitze Folgendes:

– In Österreich trifft Eduard Zentner auf viele Stallneubauten, die aber grosse Probleme im Bereich Stallklima aufweisen. Er empfiehlt, vor dem Bau eine unabhängige Beratung durchführen zu lassen.

– Die meisten Probleme im Bereich Tiergesundheit entstehen aufgrund von zu hohen Schadgasgehalten. Eine zu hohe Ammoniak-Konzentration schwächt das Immunsystem, führt zu Entzündungen der Atemwege und zu weiteren Sekundärinfektionen und schliesslich zu sinkender Leistung. Ebenso leidet die Bausubstanz der Gebäude. Eduard Zentner empfiehlt, die Strömung der Dämpfe (z.B. vom Gülleloch) mit Rauchpatronen zu überprüfen: «Das ist eine sehr günstige und einfache Methode, die die Wirtschaftlichkeit Ihrer Tierhaltung markant verbessern kann.»

– Aufgrund der gestiegenen Durchschnittstemperaturen sollten in den Stallungen Massnahmen gegen Hitze ergriffen werden. Denn Hitze sei «multifaktoriell negativ», so Zentner. Sie beeinträchtigt die Fruchtbarkeit und die Leistung, führt zu Stoffwechselkrankheiten und verursacht Probleme mit der Milchhygiene. Zudem kann ein Kuhkalb, das im Mutterleib einer hitzegestressten Kuh gewachsen ist, keine Hochleistungskuh mehr werden.

– Um die Hitze im Stall zu reduzieren, sind Ventilatoren eine günstige und effektive Massnahme. Wobei nicht die heisse Luft unterhalb des Dachs (aufgrund fehlender Isolation) auf den Liegebereich geblasen werden darf. Ventilatoren im Liegebereich sind wichtig, damit die Kühe gerne liegen. Wobei die Körperoberfläche der Kuh angeblasen und nicht über die Liegeboxen hinweg geblasen werden sollte. Der Kühleffekt von herkömmlichen Ventilatoren liegt bei bis zu 13 Grad. 

Wasser sparsam einsetzen 

Im zweiten Teil begrüsste Selina Hug (Strickhof) im Milchviehstall von AgroVet-Strickhof die Zuschauerinnen und Zuschauer am Bildschirm. Als Experte eingeladen war Thomas Jenni, Geschäftsführer der Jenni Lüftungen AG. Die Firma vertreibt und installiert Lüftungsanlagen im Bereich Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Auch Thomas Jenni erachtet den Liegebereich als die wichtigste Zone für ein gutes Stallklima, weil und damit die Kühe oft liegen. Ganzjahreslüftungen sind für ihn ebenfalls ein Thema, um die Feuchtigkeit auch im Winter aus dem Stall zu transportieren. Ab spätestens 20 Grad sollte belüftet werden. Die Windgeschwindigkeit einer Lüftung liegt ideal bei drei bis fünf Metern pro Sekunde. Um Fliegen zu verdrängen reichen jedoch 1,5 Meter pro Sekunde aus. 

Wie Eduard Zentner rät auch Thomas Jenni, die Luftfeuchte in den Ställen möglichst tief zu halten (im Sommer unter 50 Prozent), weshalb Wasser als Mittel gegen Hitze sparsam eingesetzt werden sollte und nur, wenn keine anderen Massnahmen mehr möglich sind. Das Wasser muss mit Hochdruck vernebelt werden. Das verdunstete Wasser nimmt die Umgebungstemperatur auf und kühlt die Luft und somit die Kuh ab. Diese kühlere Luft darf nicht weggeblasen werden, ansonsten verpufft der positive Effekt. 

Text: Ursina Berger

 

Hitzestress
Tipp zur Berechnung des Hitzestresses: In der Strickhof-App unter «Toolbox» kann der THI (Temperatur-Feuchtigkeits-Index) vor Ort berechnet werden.

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