So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

Gewächshaus Temperatur-Strahlungs-Dichte Verhältnis

Wer Gemüse-Gewächshauskulturen anbaut, der muss für ein gutes Verhältnis von Temperatur-Strahlung und Stängeldichte achten. Sonst droht ein Ungleichgewicht der Pflanze mit Folgen wie Blütenabortion, schlechter Befruchtung, Blütenendfäule oder Platzfrüchten.

Assimilatbalance

Basis dieser Überlegung ist die Assimilatbalance. Auf der Inputseite ist die Photosynthese, welche direkt Strahlungsabhängig ist. Ist die Tagesluftfeuchte im optimalen Bereich je nach Kultur und Temperatur zwischen 65 und 80%, so gilt in einem bestimmten Bereich, dass mit steigender Strahlung mehr Assimilate produziert werden. Für den Bezug (Outputseite) sind in erster Linie die Früchte verantwortlich. Je mehr es von diesen hat, desto mehr Assimilate werden bezogen. Für die Anzahl Früchte ist zum einen die Stängeldichte als auch die Reduktionsstrategie entscheidend. Weil die Umlagerung in die Früchte Enzymabhängig ist, steigt die Umlagerung mit höheren Temperaturen. Das heisst, dass der Bezug der Früchte umso grösser ist, je mehr es davon hat und je höher die Tagesmitteltemperatur (24 Stunden Temperatur) ist.

Ist der Bezug von Assimilaten grösser als die Produktion, geht das auf Kosten der Pflanzenteile, die die wenigsten Assimilate bekommen. Die Wurzeln beispielsweise bekommen nur rund 10% der Assimilate. Ebenso die Blüten. Gibt es zu wenig Assimilate, sind das die ersten Pflanzenteile, die geschwächt sind. 

Geschwächte Wurzeln werden wenige bis keine Wurzelexudate mehr ausscheiden, die für die Mikroorganismen wichtig sind. Zudem kann eine Pflanze mit geschwächten Wurzeln wenig Wasser aufnehmen. Das zeigt sich dann insbesondere an warmen Sommertagen, wo die Wasseraufnahme für die Kühlung der Pflanze und des Gewächshauses nötig sind. Zudem wird Calcium nur über junge Wurzelspitzen aufgenommen. Ist das Wurzelsystem zu klein, kann es wegen ungenügender Calciumaufnahme vermehrt zu Blütenendfäule bei Tomaten und Paprika sowie zu Brennköpfen bei Gurken kommen. Der Mangel bei den Blüten zeigt sich in schlechter Befruchtung oder auch einer Abstossung von Blüten, insbesondere bei Gurken. Im Pflanzenkopf kann man eine abnehmende Dicke beobachten, was auf eine Schwächung der Pflanze hindeutet.

Gemüse Gewächshaus
Abbildung 1: Tagesmitteltemperatur: Basis und Erhöhung pro 1000 Joule Strahlungssumme. Grafik: Christof Gubler, Strickhof

 

Gleichzeitig will man aber so viele Assimilate in die Früchte einlagern wie möglich. Ansonsten verliert man Ertrag, die Pflanzen werden vegetativ und das Wurzelsystem allenfalls gar zu stark. Das kann bei starkem Wurzeldruck insbesondere zu Platzfrüchten bei Tomaten führen. Um die richtige Balance zwischen Temperatur und Strahlung zu finden, geht man von einer Basistemperatur und einer Strahlungssummenabhängigen Erhöhung der Tagesmitteltemperatur aus. Typische Werte für die Sommerfruchtkulturen sind in Abbildung 1 aufgeführt. Aufgrund dessen kann man seine Kultur wie folgt planen:

 

1. Stängeldichte

Um die richtige Balance zu finden, gilt es als erstes, die Stängeldichte zu planen. Je höher die Sommertemperatur ausfällt, desto geringer sollte die Stängeldichte im Sommer sein. Beispielsweise ist in höheren strahlungsintensiveren Lagen mit geringeren Temperaturen eine höhere Stängeldichte möglich als in warmen Flachlandlagen mit geringerer Strahlung. Überschreitet man an seiner Lage das Tagesmittel inklusive 3-fache Strahlungserhöhung im Sommer regelmässig, so ist eher auf eine geringere Stängeldichte zu tendieren. Ebenso sollte eine geringe Temperaturkontrolle (z.B. fehlende Oberlüftung, fehlender Schirm) oder fehlende Feuchtekontrolle (keine Vernebelung oder Obenberegnung) zu einer geringeren Stängeldichte führen. Wer vor März pflanzt, der sollte zudem mit 2/3 der geplanten Stängeldichte beginnen und diese bei Lichtzunahme um 50% erhöhen.

Bei Gurken wird je nach genannten Möglichkeiten und Sommertemperaturen für Folienhäuser eine Stängeldichte von 2 bis 2.6/m2 empfohlen. Bei Auberginen 3.75 bis 4.5. Bei Peperoni 5.5 bis 6.5, bei Rispentomaten 2.5 bis 3 und bei Cherrytomaten rund 20% mehr. Als Beispiel sind 23°C Tagesmitteltemperatur bei starker Strahlung bei 2.5 Stängeln Rispentomaten pro m2 kein Problem. Bei 3.7 Stängeln hingegen sollte die Tagesmitteltemperatur rund 3°C tiefer liegen. Zur Planung der Stängeldichte ist es darum wichtig, wie in Abbildung 3 dargestellt seine Sommertemperaturen zu kennen. 

Gemüse Gewächshaus
Abbildung 3: Tagesmitteltemperaturen (24 Stunden Mittel) der Jahre 2015 bis 2023. Eingezeichnet ist der Durchschnitt, das Maximum und Minimum dieser Jahre. Grafik: Christof Gubler, Strickhof

 

2. Temperatursteuerung

Man redet von einer Basistemperatur und einer Erhöhung pro 1000 Joule. Während Watt die momentane Strahlung angibt, so bezeichnet Joule die Strahlungssumme des Tages. Um die gewünschte Tagesmitteltemperatur abhängig der Strahlungssumme zu erreichen, arbeitet man schon während des Tages mit einer Wattabhängigen Temperaturerhöhung. Beispielsweise kann man je nach Kultur bei einer momentanen Strahlung zwischen 400 und 800 Watt die Lüftungs-, respektive Heiztemperatur um 0.5-1.5 Grad anheben. Bei Kulturen mit grösserer Tagesmitteltemperatur respektive höherer Erhöhung pro Strahlungssumm wie Auberginen und Peperoni ist es eher der obere Bereich, bei Kulturen mit eher Flacher Tag-Nacht Differenz wie Gurken eher der untere Bereich. Bis zum Sommer steuert man die Tagestemperatur gut. Im Sommer kann diese das gewünschte Ziel übertreffen. Mögliche Lösungen sind starke Vornachtabsenkungen und allenfalls eine Strahlungsabhängige Senkung der Nachttemperatur.

Bei Gurken kann es je nach Stängeldichte nötig werden bei Tagesmitteltemperaturen über 22°C wieder mehr Früchte zu entfernen, also anstatt 2 von 3 nur 1 von 2 lassen oder anstatt 1 von 2 nur 1 von 3 lassen.

Gemüse Gewächshaus
Abbildung 2: Strahlungssumme in J/cm2 in Lindau während der Jahre 2021 und 2022. Grafik: Christof Gubler, Strickhof

 

3: Anpassung Früchte pro m2

Gerade in Sommersituationen, wo die Temperatur das Optimum nicht nur kurzfristig übertrifft, ist es wichtig gegenzusteuern. Dies ist insbesondere bei Kulturen mit geringerem Tagesmittel wichtig wie Gurken und teilweise Tomaten. So kann es allenfalls nötig sein bei Rispentomaten auf 5 Früchte pro Rispe zurückzugehen wie im Frühling. Bei Gurken lässt man dann nicht mehr 2 von 3 Früchten, sondern 1 von 2 oder anstatt 1 von 2 nur 1 von 3.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass gerade die Anpassung der Früchte insbesondere bei Kulturstart enorm wichtig ist, damit genügend Assimilate für Pflanze und Wurzeln übrigbleiben. So sieht man nicht selten Pflanzen mit 8 Rispentomaten pro Rispe oder Peperonipflanzen, die schon auf Kniehöhe vollhängen mit Früchten. Das rächt sich, da der Kopf geschwächt ist und auch die Wurzeln keine Kraft für die Anlage neuer Blüten und Früchte haben. Viele langsam abreifende aber keine neuen nachkommenden Früchte sind die Folge.

Gemüse Gewächshaus Tomaten
Die Stängeldichte ist ein wichtiges Planungselement für die Assimilatsbalance.

 

Weiteres Fachwissen

Gehölz nutzen, um Futterlager zu strecken
31.07.2026

Gehölz nutzen, um Futterlager zu strecken

Eines haben die Tierhalter dieses Jahr nahezu schweizweit gemeinsam – die Trockenheit und Hitze reduziert den Futterertrag massiv. Hecken und Gehölz verfüttern ist möglich, aber Biodiversitätsförderfl...
Weinlesekontrolle – Informationen für Rebbewirtschafter und Einkellerer
28.07.2026

Weinlesekontrolle – Informationen für Rebbewirtschafter und Einkellerer

Die Weinlesekontrolle für Trauben aus dem Kanton Zürich erfolgt als Eigenkontrolle durch die EinkellerInnen. Mit der korrekten Weinlesekontrolle wird auch die geforderte Rückverfolgbarkeit der einzeln...
Milchkühe mit Durchfall & Hitzestress
28.07.2026

Milchkühe mit Durchfall & Hitzestress

Milchviehställe werden aktuell zum Kranken-Lazarett. Durchfall legt ganze Herden lahm, begleitet von diversen weiteren Symptomen und starkem Milchrückgang.
Schweizer Beeren-Bulletins 2026
24.07.2026

Schweizer Beeren-Bulletins 2026

Hier finden Sie alle Schweizer Beeren-Bulletins der Saison 2026. Das aktuelle Bulletin Nr. 7/2026 ist vom 24. Juli
Regelmässige Feldkontrollen der Zuckerrüben bleiben wichtig
23.07.2026

Regelmässige Feldkontrollen der Zuckerrüben bleiben wichtig

Trotz der trockenen Bedingungen halten sich die Zuckerrüben auf den Feldern grösstenteils wacker. Nach der Getreideernte können bereits die ersten Arbeiten durchgeführt werden, um eine erfolgreiche Zu...
Pflanzenbau News Strickhof vom 22. Juli 2026
22.07.2026

Pflanzenbau News Strickhof vom 22. Juli 2026

Aktuelles zu den Themen: Raps; Unwetterschäden; Kartoffeln; Stoppelbearbeitung; Zuckerrüben; Biolandbau; Düngung; Erdmandelgras
Zwischen Totalausfall und Spitzenbestand
21.07.2026

Zwischen Totalausfall und Spitzenbestand

Das Rapsanbaujahr 2026 zeigte deutliche Gegensätze: Während sich einige Bestände im Frühling sehr vital präsentierten, blieben andere in der Blüte schwach und ungleichmässig. Entscheidend war vor alle...