Pflanzenbau News Strickhof vom 7. Oktober 2026
Getreide
Wintergerste Gelbverzwergungsvirus
Als wir letzte Woche über die Saat der Wintergerste geschrieben haben, stand der angesagte Niederschlag vom 2. Oktober bzw. der vom Donnerstag, 8.10.2026 im Fokus betreffend Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes mit Vorauflaufherbiziden, weil für diese Behandlung feuchte Bodenbedingungen herrschen müssen. In Gebieten mit bekanntem Befall durch das Gelbverzwergungsvirus ist der frühe Saattermin natürlich keine gute Empfehlung. Momentan sind noch sehr viele Blattläuse unterwegs. Kommen die verschiedenen Blattlausarten, die die Gelbverzwergungsviren übertragen können, aus Mais bzw. aus Grasbeständen, insbesondere Raygrasbeständen, besteht die Gefahr, dass sie von dort her die Viren in sich tragen und dann die früh gesäte Gerste oder auch den frühen Weizen damit infizieren. Zu den vorbeugenden Massnahmen zählen der Verzicht auf sehr frühe Herbstsaaten, das Vernichten von Ausfallgetreide (dieses ist im Trockenjahr 2026 kein Thema) und die Pflege der Wegränder. Einen regelmässigen und lückenlosen Feldaufgang ist durch die sorgfältige Bodenbearbeitung und exakte Ablagetiefe sicherzustellen, weil Blattläuse lückige Bestände gerne besiedeln. Leider fehlt ein wirkungsvolles Beizmittel, welches die Blattläuse bekämpft, welche die Viren in die Felder tragen. Es gilt später dennoch die Bestände zu kontrollieren, weil ein starker Blattlausbefall die Verbreitung des Virus innerhalb des Feldes begünstigt. Diese sekundäre Verbreitung im Feld könnte, in Gebieten mit häufigem Befall durch Gelbverzwergungsvirus, mit einer Behandlung mit Pirimicarb oder mit einem Pyrethroid gebremst werden. Beide Wirkstoffgruppen erfordern im ÖLN eine Sonderbewilligung (eSOBE) sonderbewilligung.strickhof.ch.
Schnecken
Die Schnecken waren dieses Jahr noch selten ein Thema. Allenfalls warten auch die auf den lange ersehnten Regen. Kontrollieren Sie auflaufende Getreidesaaten durch Anlegen eines Schneckenkontrollfensters auf die Aktivität der Schnecken.
Raps
Nachkürzen
In üppigen Rapsbeständen besteht vor oder nach den Niederschlägen die Möglichkeit des Nachbehandelns mit einer Teilmenge eines reinen Verkürzers (Medax) oder mit einer Teilmenge eines bewilligten Fungizides mit verkürzenden Eigenschaften.
Rapsblattwespen-Larven
Ganz vereinzelt sind in Rapsfeldern die samtschwarzen Räupchen der Rapsblattwespen unterwegs. Diese sind meist nicht allein am Fressen, sondern da kann eine ganze Armada von Raupen den Raps bis auf die Gerippe (Blattnerven) kahlfressen. Die Rapsblattwespen machen mehrere Generationen pro Jahr. Bei Schäden im Winterraps ist es oftmals eine dritte Generation, die über den Raps herfällt. Wenn sie nach 4 Häutungen genügend gross sind, ziehen sie sich in den Boden zurück und überdauern den Winter als Larve in einem Kokon. Die Verpuppung findet erst im Frühjahr statt.
Die Bekämpfungsschwelle bei Winterraps liegt im Stadium 13 bis 16 (3 bis 6-Blattstadium) bei 1-2 Raupen (Larven) je Pflanze. Bewilligt gegen Blattwespenlarven sind nur Pyrethroide wie Blocker, Karate Zeon, TAK 50EW, Techno 10CS, Cypermethrin, Aligator, Deltastar, Decis Protech. Ihr Einsatz gegen Blattwespen braucht eine Sonderbewilligung, die vor der Behandlung eingeholt werden muss.
Den Antrag füllen Sie über eSOBE aus oder geben in der Betreffzeile in ihrem Internetbrowser «sonderbewilligung.strickhof.ch» ein und melden sich über ihr Agate-Login an.
Kohlgallenrüssler
Bei genauerer Betrachtung der Wurzeln einer ausgerissenen Rapspflanze sieht man bereits die ersten Ansätze der Gallen, die am Wurzelhals entstehen. Der Kohlgallenrüssler legt normalerweise erst im April seine Eier an den Wurzelhals der Rapspflanzen. Die Literatur beschreibt, dass dieser kleine Käfer nur 1 Generation pro Jahr mache. Aber vielleicht ist dies im aktuellen Jahr auch anders. Normalerweise verursacht der Kohlgallenrüssler keine nennenswerten Schäden.
Mais
Maisstoppeln mulchen, Zünsler und Fusarien reduzieren
Maisstoppeln mulchen oder pflügen bis Ende April 2027, das sind die besten Vorsorgemassnahmen gegen Maiszünsler-Befall. Zünsler überwintern als Larve im Innern der trockenen Maisstorzen. Sie verlassen die Storze, wenn diese gequetscht wird und Feuchtigkeit eindringt. Die Larven scheuen feuchte Bedingungen, sie verlassen den Storzen auf der Suchen nach einer trockenen Behausung. Zudem fördert das Mulchen die Verrottung des Maisstrohs, das wiederum reduziert im nächsten Jahr den Fusarienbefall.
Biolandbau
Was tun bei Ackerfuchsschwanz im Biolandbau?
Da es sich beim Ackerfuchsschwanz um ein besonders hartnäckiges Samenunkraut handelt, steht im Biolandbau das vorbeugende Samenmanagement im Zentrum. Oberstes Ziel ist es, eine weitere Anreicherung des Samenvorrats im Boden zu verhindern. Werden keine neuen Samen eingetragen, nimmt der Vorrat an lebensfähigen Samen grundsätzlich schnell ab. Nach einem Jahr sind noch ungefähr 20 bis 30 Prozent, nach zwei Jahren noch etwa 5 bis 10 Prozent und nach drei Jahren noch 1 bis 3 Prozent vorhanden. Bei stark belasteten Flächen kann aber selbst dieser Restbestand weiterhin mehreren Hundert Samen pro Quadratmeter entsprechen. Im Winterweizen verursacht beispielsweise jede zusätzliche Ackerfuchsschwanzpflanze pro Quadratmeter einen Kornertragsverlust von ungefähr 3 bis 6 kg/ha. Bei einem Besatz von 100 Pflanzen/m² entspricht dies rechnerisch bereits 3 bis 6 dt/ha.
Ackerfuchsschwanz ist vorwiegend ein Herbstkeimer und profitiert besonders von winterkulturreichen Fruchtfolgen. Er läuft im Herbst gemeinsam mit der Kultur auf, überwintert im Bestand und kann im folgenden Sommer erneut versamen. Am wirksamsten lässt sich dieser Kreislauf über die Fruchtfolge durchbrechen.
Massnahmen im Überblick
- Saattermin verschieben: Die Hauptkeimphase liegt bei Bodentemperaturen von etwa 10 bis 15°C, meistens im September und Oktober. Auf stark belasteten Flächen kann sich eine Aussaat ab Ende Oktober oder sogar im November lohnen.
- Kunstwiese einbauen: Eine zwei-, besser dreijährige Kunstwiese verhindert die Samenbildung und senkt den Samenvorrat im Boden deutlich. Wichtig sind ein dichter Bestand und ein Schnitt, bevor der Ackerfuchsschwanz versamt.
- Falsches Saatbett richtig anlegen: Nach der langen Trockenheit bieten die angekündigten Niederschläge eine gute Gelegenheit dazu. Das falsche Saatbett muss genügend fein, eben und rückverfestigt sein, damit die Samen Bodenschluss erhalten und auflaufen. Die gekeimten Pflanzen werden anschliessend möglichst flach beseitigt. Bei der Saat sollte der Boden nur noch wenig bewegt werden, damit keine neuen Samen an die Oberfläche gelangen.
- Fruchtfolge erweitern: Winter- und Sommerkulturen regelmässig abwechseln. Vor Sommerkulturen wie Mais, Soja oder Sonnenblumen kann ebenfalls ein falsches Saatbett angelegt werden. So kann auch die kleinere Auflaufwelle des Ackerfuchsschwanzes im April erfasst werden. Zudem können diese Kulturen während der Vegetation gehackt und später aufgelaufene Pflanzen zwischen den Reihen reguliert werden.
- Mechanische Regulierung: «Gras aus Gras» zu striegeln ist schwierig. Da der Ackerfuchsschwanz sich gleichschnell entwickelt wie das Getreide, fehlt die notwendige Selektivität. Eine Alternative bietet das Hacken. Mit einem grösseren Reihenabstand kann dies ermöglicht werden. Das Verfahren ist jedoch aufwendiger und teurer als Striegeln und erfordert eine angepasste Sätechnik.
Das nächste Strickhof Pflanzenbau News erscheint am 21. Oktober 2026.