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Winterfütterung planen, Teil 1 von 3

Das Futter ist knapp, auch in den Nachbarkantonen und in den Nachbarländern. Der Zukauf ist auf vielen Betrieben zwingend nötig, um den Tierbestand durch den Winter zu bringen.

Lager beurteilen

Das Futtererntejahr ist noch nicht abgeschlossen, aber einen Zwischenstand der Lagermengen zu erfassen hilft, den effektiven Bedarf abzuschätzen. 

Doch wie viel Futter benötige ich für den nächsten Winter? Dafür muss zuerst die Trockensubstanz (TS)-Aufnahme und die Rationszusammensetzung des mittleren Rinderbestandes ermittelt werden. 

Bei einer Grundfutteraufnahme von beispielsweise 16 kg TS pro Kuh und Tag beträgt der Jahresbedarf inklusive Sicherheitszuschlag von 10% rund 6’440 kg TS. Je höher die Milchleistung, desto stärker steigt der TS-Verzehr.

Orientierungswerte Futterverzehr (kg TS/Tier/Tag)

Laktierende Kühe 

Beispiel: 650 kg Lebendgewicht, 35 kg Milch, 4% Fett, 3.3% Eiweiss

18-25 kg TS

 

21-22 kg TS

Galtkühe 10-12 kg TS

Jungvieh

Beispiel: 350 kg Lebendgewicht

3-10 kg TS

7 kg TS 

Mutterkühe12-16 kg TS

 

In einem zweiten Schritt werden die Lagerbestände geschätzt. Dieser Schritt sollte jährlich zur selben Zeit durchgeführt werden, damit die Zahlen von Jahr zu Jahr vergleichbar sind.

Orientierungswerte Dichte diverser Futtermittel(Quelle: Kolas 2023) 

Grassilage (35 % TS) 
Grassilage Hochsilo 230 kg TS/m³
Grassilage Fahrsilo 200 kg TS/m³
Grassilage Rundballen230 kg TS/ Balle 
Maissilage (35% TS)  
Maissilage Hochsilo 210 kg TS/m³
Maissilage Fahrsilo 200 kg TS/m³
Maissilage Rundballen350 kg TS/ Balle
Dürrfutter (88% TS)  
Dürrfutter lose, gute Qualität 95 kg TS/m³
Dürrfutter Kleinballen24 kg TS/ Balle
Dürrfutter Quaderballen330 kg TS/ Balle
Dürrfutter Rundballen180 kg TS/ Balle

Sobald der Futterbedarf und die Lagerbestände bekannt sind, kann die daraus resultierende Differenz berechnet werden. Um einen allfälligen Futtermangel zu verringern, macht es Sinn, mehrere Strategien gleichzeitig zu verfolgen:

Betriebseigene Möglichkeiten, um Futtermangel auszugleichen

  • Körnermais als Silomais ernten. Achtung: Körnermais weist oftmals eine trocknere Restpflanze auf. Damit eine gute Verdichtung erreicht werden kann, muss Häcksellänge an TS-Gehalt angepasst werden.
  • Soll der Silomais früher geerntet werden? Wenn die Pflanze nicht mehr auf Wasser reagiert, ist eine frühzeitige Ernte angebracht. Dazu einfach einige Giesskannen Wasser an ein paar Maispflanzen geben und beobachten, ob sich die Blätter wieder auffalten.
  • Beim Einsilieren solcher Bestände gilt es, folgende Punkte zwingend zu beachten: 
  • Wird Silomais bei hohen Temperaturen von beispielsweise über 30 °C eingebracht, neigt die Silage bei der späteren Entnahme stark zu Nacherwärmung. Es empfiehlt sich daher, das Häckseln und Befüllen von Fahr- und Hochsilos auf die kühleren Morgenstunden bis etwa zur Mittagszeit zu beschränken.
  • Aufgrund des hohen Anteils an dürrem Blattmaterial sollten die obersten Schichten mit einem geeigneten Silierzusatzstoff vor Nachgärungen geschützt werden. Fürs Hochsilo bietet der Einsatz einer Wasserpresse – wie früher üblich – einen sehr wirksamen Abschluss und Schutz.
  • Alternative Futterquellen nutzen: Ganzpflanzensilage (GPS), Sorghum
  • Rübenblattsilage: je nach Rübenvollernter ist eine Ernte der Blätter nicht möglich. Wenn die Blätter am Boden an Schwad gelegt werden, wir viel Erde eingesammelt. Der hohe Rohaschengehalt und hohe Sickersaftverluste machen es schwer, eine qualitativ gute Silage herzustellen.
  • Zuckerrüben als Futterrüben verfüttern (gehackt einsilieren oder am Haufen lagern und vorneweg füttern)
  • Rapsblattsilage ist aufgrund antinutritiver Inhaltsstoffe wenig geeignet als Milchviehfutter.
  • Kartoffel verfüttern
  • Zwischenfutter auf allen verfügbaren Flächen ansäen, auch viehlose Betriebe zur Flächenerweiterung anfragen.
  • Wick-Hafer Mischung als Ganzpflanzensilage (nach Mähen direkt einsilieren ohne Kreiseln/Schwaden)
  • Ab September Grünschnitt-Roggen oder Winterfutter (ital. Raigras) ansäen
  • Gibt es ungenutzte Flächen?
  • Schwer zugängliche Stellen, die üblicherweise brach liegen?
  • Flächen, die in anderen Jahren gemulcht werden, ernten und einlagern
  • Vorzeitige Beweidung von extensiv genutzten Wiesen, wenig intensiv genutzten Wiesen und Uferwiesen. Die frühzeitige Beweidung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) muss in den ÖLN-Aufzeichnungen mit dem Vermerk “Futtermangel” dokumentiert werden. 
  • Wie hitzegeschädigte Wiesen und Weiden sinnvoll saniert werden können, lesen sie in Teil 2.
     

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