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Rund 50 Personen nahmen an der Flurbegehung teil.>

Praxisnahe Einblicke in Acker- und Futterbau

Neue Erkenntnisse, aktuelle Versuche und praxisnahe Lösungsansätze standen im Zentrum des Flurgangs am Strickhof in Lindau.

4. Juni 2026

Ende Mai lud der Strickhof zur Besichtigung seiner Versuchsfelder in Lindau. Rund 50 Personen – darunter viele junge Teilnehmende - nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über aktuelle Versuche und Erkenntnisse zu informieren. Im Zentrum standen vier Posten zu den Themen Stickstoffdüngung im Weizen, Aufwertung von QII-Wiesen, Futterbau sowie Raps- und Zuckerrübenanbau.

Mit Streifenfrässaat zu QII-Wiesen

Simon Küng, Bereichsleiter Biolandbau, Boden und Biodiversität, zeigte auf, wie Ökowiesen zu QII-Wiesen mit den sechs Zeigerarten aufgewertet werden können. Das Ziel ist mehr Kräuter und weniger Gräser hervorzubringen. «Mit den zusätzlichen Beiträgen kann der Futterverlust mehr als doppelt eingekauft werden», so Simon Küng.

Voraussetzung ist ein geeigneter Standort, der vorzugsweise trocken und vor allem mager sein sollte, auch leichte Hanglagen eignen sich gut. Für die Bodenbearbeitung kommen zwei Varianten infrage: 1. Mit Pflug, Grubber oder Fräse den alten Bestand komplett unter den Boden bringen. 2. Mit der Streifenfräse nur Teilflächen des Bestandes bearbeiten.

Anschliessend kann entweder eine geeignete Saatgutmischung ausgebracht oder frisches Schnittgut einer artenreichen Ökowiese (mit mindestens zwölf QII-Arten) auf dem vorbereiteten Boden verteilt werden. Unter dieser Mulchschicht keimen die Samen zuverlässig, laufen gut auf und gleichzeitig wird die Unkrautentwicklung unterdrückt.

Stickstoffdüngung im Weizen

Manuel Baur vom Fachbereich Düngung und Nährstoffmanagement machte in seinem Vortrag über die Stickstoffdüngung im Weizen deutlich, dass eine zu frühe Gabe zu erheblichen Verlusten führen kann, weil die Pflanzen den Stickstoff zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufnehmen können. Ebenso gehe in Wintern wie dem vergangenen eine Herbstdüngung beim Winterweizen weitgehend wirkungslos verloren. Bei zu viel Regen werde der Dünger zudem in tiefere Bodenschichten gewaschen, wo die Wurzeln des Weizens nicht mehr hinkommen. «Besser zu einem Zeitpunkt düngen, wo die Pflanze so richtig aufnehmen kann», sagte Manuel Baur. Bei den aktuell hohen Preisen für Kunstdünger könne bei Weizen auch eine Güllegabe interessant sein.

Raps und Zuckerrüben

Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz präsentierte die für die Ernte 2027 empfohlenen Rapssorten. Besonders aufmerksam machte er auf die aus Österreich stammende, Kohlhernie-tolerante Sorte Cormat, die vereinzelt auch in der Schweiz angebaut wird.

Beim Rapsglanzkäfer zeigte sich in diesem Frühjahr bis an Ostern ein hoher Schädlingsdruck. «Wer vorher gespritzt hatte, hatte wenig Erfolg», erklärte Markus Hochstrasser. Behandlungen unmittelbar nach Ostern hätten deutlich nachhaltiger gewirkt, da der Haupteinflug der Käfer nach Ostern stattfand.

Für Gesprächsstoff sorgten zudem Rapsfelder, die in diesem Jahr nur schwach oder teilweise gar nicht blühten. Die Fachstelle Pflanzenschutz liess deshalb Pflanzensaftanalysen durchführen und startete eine Umfrage unter den Produzenten. Nach Einschätzung von Markus Hochstrasser dürfte eine Kombination verschiedener Stressfaktoren verantwortlich sein. Dazu zählen eine ungenügende Wurzelausbildung und daraus resultierende Einschränkungen bei der Nährstoffversorgung, insbesondere mit Phosphor. Hinzu kamen schwierige Witterungsbedingungen mit einer nass-kalten Phase vor Ostern, gefolgt von warmen, sonnigen Tagen mit intensiver Strahlung.

Bei den Zuckerrüben standen die Schilf-Glasflügelzikade sowie der Rübenrüssler im Fokus. Für die Bekämpfung des Letzteren ist im ÖLN eine Sonderbewilligung nötig. Hochstrasser appellierte an die Produzenten, ihre Bestände zu kontrollieren. Werden Einstiche oder Eiablagen an den Blattstielen festgestellt, müsse rasch gehandelt werden. In der Ostschweiz sei die Situation derzeit allerdings noch weniger angespannt als in der Westschweiz und im Mittelland.

Futterbau

Beim Posten Futterbau präsentierten Hanspeter Hug (Strickhof) und Simon Rothenbühler (UFA Samen) Ergebnisse von Versuchen am Strickhof. Lohnt sich der Griff zu günstigen Mischungen? Die Antwort fiel deutlich aus. «Selbst wenn die Billigmischung geschenkt würde, legt man noch drauf», betonte Simon Rothenbühler. Empfohlene Sorten seien blattreich und schneiden punkto Ertrag und Gehalten besser ab. Nicht-empfohlene Mischungen hingen seien stengelreich, produzierten viele Samen und würden letztlich weniger Milch liefern. 

Futterbauberater Hanspeter Hug widmete sich anschliessend den optimalen Schnittzeiten beim Zwischenfutter und Saatzeiten beim Silomais.Versuche mit einer 200er-Zwischenfuttermischung zeigten, wie stark der Schnittzeitpunkt den Ertrag und die Futterqualität beeinflusst. Ein späterer erster Schnitt (erst wenn das italienische Raygras zu schieben beginnt) führt zu markant höheren Erträgen bei nur leicht tieferer Qualität. Die Zweischnittstrategie brachte immer die kleineren Erträge im Vergleich zur späten Nutzung. Eine weitere Erkenntnis: Eine zu frühe Zwischenfutterernte rechnet sich nicht, die Erntekosten werden durch die Futtererträge nicht gedeckt, dazu braucht es mindestens 30dt TS-Ertrag/ha.

Ein besonderer Dank geht auch an unsere Sponsoren Gujer Landmaschinen, UFA Samen und die Schweizer Fachstelle für Zuckerrüben, die diesen Anlass mit ihrer Unterstützung erst möglich gemacht haben.

Ursina Berger/Michael Wahl, Strickhof

Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz.
Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz.
Futterbauberater Hanspeter Hug über die Folgen des Schnittzeitpunkts für die Qualität des Zwischenfutters.
Futterbauberater Hanspeter Hug über die Folgen des Schnittzeitpunkts für die Qualität des Zwischenfutters.
Simon Rothenbühler von UFA Samen.
Simon Rothenbühler von UFA Samen.
Posten QII-Wiesen von Simon Küng, Bereichsleiter Biolandbau, Boden und Biodiversität.
Posten QII-Wiesen von Simon Küng, Bereichsleiter Bereichsleiter Biolandbau, Boden und Biodiversität.