Obst-Info Zürich 10/2026
Wetter und Phänologie
Nach der kühlen und feuchten Phase der letzten Tage steigen die Temperaturen wieder auf frühsommerliche Werte an. Bis am Sonntag ist kaum mehr Regen in Sicht
Wie die untenstehenden Bilder zeigen, wurde innerhalb einer Woche viel Blattmasse gebildet und die Obstblüte hat bei allen Obstarten eingesetzt. Die Unterschiede in der Phänologie innerhalb des Kantons sind gross, so blühen beispielsweise am Zürichsee viele Kernobstbäume bereits seit letzter Woche. Am Strickhof in Lindau hingegen sind die Apfelbäume noch mehrheitlich im Ballonstadium.
Wie bereits in Obst-Info 9 erwähnt, sollen zum Schutz von Bienen und von anderen Insekten über die gesamte Blütezeit keine Insektizide eingesetzt werden.
Kernobst Pflanzenschutz
Schorf/Kelchfäule/Mehltau
Nachdem die Schorfsituation lange Zeit aussergewöhnlich entspannt war, hat sich dies am Wochenende nun schlagartig geändert. Die teilweise lange Blattnassdauer und der rasch voranschreitende Blühverlauf, gepaart mit starkem Zuwachs an Blattmasse liess eine äusserst delikate Situation entstehen.
Die heutige Auszählung der Ascosporenfalle in Lindau hat bestätigt, dass die bereits in der letzten Obst-Info 9 erwähnten starken Sporenausstösse tatsächlich am Sonntag 12.04.2026 erfolgten. Die ermittelten 12'600 Sporen/cm2 stellen den höchsten am Strickhof beobachteten Wert seit über 10 Jahren dar.
Wegen dem starken Blattzuwachs seit der letzten Woche empfehlen wir allen Betrieben, welche die letzte Behandlung vor dem letzten Freitag ausgebracht haben, morgen Mittwoch 15.04.2026 eine zusätzliche Schorfbehandlung mit einem kurativ wirkenden Produkt vorzunehmen (Produkte aus der Gruppe der SSH oder Anilinopyrimidine), um die extremen Infektionsbedingungen vom Wochenende möglichst optimal abzufangen. Mit den nun rasch steigenden Temperaturen entfalten sich vor der nächsten starken Infektionsphase (vermutlich am kommenden Wochenende) viele weitere Blätter und Blüten, welche wiederum einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sein werden. Diese sind komplett schutzlos und müssen ebenfalls behandelt werden. Mit den bereits vielen offenen Blüten, sollte diese Behandlung dann mit einem Produkt aus der Gruppe der Anilinopyrimidine (z.B. Chorus) erfolgen, da bei diesen Behandlungen die Kelchfäule miterfasst wird. Wir sind uns bewusst, dass 2 Behandlungen innerhalb weniger Tage nicht Standard sein sollen. In solch schwierigen Situationen mit 2 Extremen Infektionsereignissen in kurzer Abfolge ist dies aus unserer Sicht aber angezeigt!
Feuerbrand
Die aktuellen und gemeldeten Temperaturen führen weiterhin dazu, dass die Feuerbrandinfektionsgefahr auf tiefem Niveau verharrt. Die Feuerbrand-Infektionsprognose ist unter www.feuerbrand.ch abrufbar.
Wir werden vermutlich trotz geringem Infektionsrisiko gegen Ende der Woche erste Blütenproben sammeln und im Labor analysieren lassen, um einen ersten Überblick zur Situation im Feld zu erhalten.
Kernobst Ausdünnung mit Etephon
Gegen Ende Woche ergeben sich voraussichtlich gute Bedingungen für eine Ausdünnung mit Etephon. Im Ballonstadium bis abgehende Blüte eingesetzt, fördert Etephon die Blütenknospenbildung im Folgejahr und hat eine Ausdünnwirkung. Ein Einsatz ist also vor allem bei alternanzanfälligen und schwer ausdünnbaren Sorten sinnvoll. Die Wirkung ist stark abhängig von der Temperatur, im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen jedoch nicht von der Luftfeuchtigkeit. Etephonprodukte wirken bei Temperaturen ab 18°C und die Wirkung verstärkt sich mit steigenden Temperaturen. Über 25°C sollte Etephon nicht mehr eingesetzt werden.
Die Ausdünnwirkung kann rund drei Wochen nach der Behandlung beurteilt werden, so dass dann bei Fruchtgrösse 8-10 mm, wenn nötig noch mit Essigsäure (Rhodofix, Dirager) und BA nachgelegt werden kann.
Steinobst Pflanzenschutz
Monilia
Wo noch keine Behandlung gegen Monilia durchgeführt wurde, oder starker Befallsdruck herrscht, kann vor den nächsten Niederschlägen noch eine Behandlung in die abgehende Blüte gemacht werden. Beachten Sie, dass diverse Fungizide Einschränkungen für bestimmte Steinobstarten sowie Anwendungshäufigkeiten und -Mengen haben!
Details zur Mittelwahl finden Sie im Obst-Info 8/2026.
Pflaumensägewespe
Gegen Blühende die Weissfallen kontrollieren und bei Überschreiten der Schadschwelle (80-100 Wespen/Falle) wie folgt behandeln:
ÖLN: Acetamiprid (Gazelle SG, Pistol, Oryx Pro), welches gleichzeitig Blattläuse erfasst.
Behandlung unmittelbar nach vollständigem Abblühen
BIO: Quassan beim Abblühen, auf gute Benetzung achten (1000lt Brühmenge/ha)
Blattläuse
Bei abgehender Blüte müssen sowohl bei Zwetschgen als auch bei Kirschen visuelle Kontrollen auf Blattlauskolonien durchgeführt werden. Dazu mindestens 100 Blütenbüschel kontrollieren, die Schadschwelle liegt bei 2 – 5% Befall. Bei Überschreiten der Schadschwelle gibt es folgende Behandlungsmöglichkeiten:
ÖLN: Bei Zwetschgen kann Acetamiprid verwendet werden, vgl. Pflaumensägewespe.
Kirschen unmittelbar nach vollständigem Abblühen mit Pirimicarb (bei Temperaturen über 18°C), Flonicamid oder Spirotetramat behandeln. Acetamiprid könnte auch eingesetzt werden, sollte jedoch für die Behandlung gegen die Kirschenfliege gespart werden und ist deshalb nicht zu empfehlen.
BIO: Gegen Zwetschgenblattläuse nur bei Jungbäumen und sofort nach dem Abblühen Pyrethrum in Kombination mit Kaliseife einsetzen. Eine gute Benetzung bis zur Tropfnässe ist für den Bekämpfungserfolg wichtig.
Bei Kirschen kann ein Produkt auf Neemöl-Basis eingesetzt werden. Bei Jungbäumen mit starkem Befall sollte - wegen der langsamen Wirkung - 2-3 Tage nach der Neembehandlung mit Pyrethrum in Kombination mit Kaliseife nachgelegt werden. Auch hier ist auf eine gute Benetzung zu achten. Bei starkem Blattlausdruck lohnt sich das manuelle Entfernen von frühen Befallsstellen um die Vermehrung zu bremsen.
PDF: Obst-Info Zürich 10/2026