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Obst-Info Zürich Nr. 8 vom 2. April 2026

Themen dieser Woche sind: Wetter + Phänologie ¦ Kernobst Pflanzenschutz: Feuerbrand; Schorf/Mehltau; Vorblütenkontrolle Kernobst ¦ Steinobst Pflanzenschutz: Monilia, Schrotschuss, Sprühflecken; Pflaumensägewespen; Pflaumenwickler ¦ Fachbewilligung Pflanzenschutzmittel ¦ Notfallzulassungen / Allgemeinverfügungen ¦ Geplante Feuer anmelden ¦ Stellenmeldepflicht ¦ Schweizer Süssmost des Jahres 2025

Wetter und Phänologie

Der Frost vom vergangenen Freitag- und Samstagmorgen hat teils zu ersten, aber abgesehen von blühenden Aprikosenanlagen zu verkraftbaren Schäden an Blütenanlagen geführt. Die insgesamt winterlichen Temperaturen der vergangenen Woche haben dabei zu einem Stillstand im Vegetationsfortschritt geführt. Dies wird sich nun schlagartig ändern, denn ab Karfreitag und über das Osterwochenende nehmen die Temperaturen laufend zu und werden ab Ostersonntag bis Anfang der kommenden Woche die 20 °C knacken. Die Obstblüte dürfte also mit grossen Schritten näherrücken. 

www.meteoschweiz.admin.ch

Kernobstbäume am Standort Lindau sind mehrheitlich im Grünknospenstadium (BBCH 56). Kirschen und Zwetschgen befinden sich meist im Stadium Knospenaufbruch bis Kelchblätter geöffnet (BBCH 53-57).

Phänologie 2026 Strickhof Lindau
Phänologie bei (von links nach rechts): Gala, Conference, Kordia und Fellenberg am Standort Lindau. Obere Zeile am 23.03.2026, untere Zeile am 30.03.2026. Fotos: Strickhof

 

Kernobst Pflanzenschutz

Feuerbrand

In Regionen oder Obstanlagen, in denen in den letzten 2 Jahren Feuerbrandbefall aufgetreten ist, lohnt sich bei trockenen Bedingungen eine Kontrolle auf Feuerbrandcanker. Sollten Verdachtsstellen auftauchen, melden Sie sich umgehend bei der Strickhof Fachstelle Obst (david.szalatnay@strickhof.ch).

Feuerbrand Canker
Feuerbrand-Canker an einem Birnenniederstamm. Foto: Strickhof Fachstelle Obst

 

Schorf/Mehltau

Bisher blieb es bezüglich Infektionsbedingungen ungewöhnlich ruhig. Situationen wie in diesem Jahr, wo bis nah an die Blüte kaum Schorfinfektionsbedingungen auftauchen, hat es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Die überwinternden Sporen aus dem Vorjahr werden mit den wärmeren Temperaturen über das Osterwochenende nun rasch weiter heranreifen, weshalb bei den nächsten Niederschlägen mit einem grossen Ausstoss von ca. 20 % aller verfügbaren Ascosporen gerechnet werden muss. Sollten die Temperaturen dann frühlingshaft bleiben, wird ein Infektionsereignis entstehen, welches unbedingt sauber abgedeckt werden muss!

ÖLN: Vor prognostizierten Infektionsbedingungen vorbeugende Mittel wie Dithianon (z.B. Delan WG) einsetzen. Für den Einsatz von Dodine dürfte es in einigen Anlagen wegen des Blühbeginns bereits zu spät sein. In Anlagen, die noch nicht blühen, wäre ein Einsatz mit einer kurativen Wirkung von 1-2 Tagen (max. 2 Behandlungen pro Jahr) noch möglich. In der Zeit ab Blühbeginn bis Junifall nicht einsetzen wegen Berostungsgefahr. Der Einsatz von Produkten aus der Gruppe der Anilinopyrimidine ist ab Grünknospenstadium (BBCH 56) und während der Blüte sinnvoll, da Anilinopyrimidine (max. 3 Anwendungen) über die Blüte zusätzlich eine Wirkung gegen Blütenmonilia und Kelchfäule aufweisen.

Mehltaubehandlungen bevorzugt mit Nimrod (nicht bewilligt bei Birnen), Cyflamid oder bei warmen Temperaturen (nicht über 25°C) auch mit Schwefel (5 kg/ha) vornehmen. Während der Blüte Netzschwefel zurückhaltend einsetzen (Geruch stösst Bienen ab). Der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln (Vacciplant) zur Feuerbrandvorbeugung stärkt die Bäume auch gegen Schorf. 

BIO: Kupfer (ca. 200-300 g Reinkupfer) in Kombination mit Netzschwefel kann vor Niederschlägen noch bis ca. 10 Tage vor der Blüte (in späten Lagen) eingesetzt werden. Die Kupfermenge ist ab Vorblüte zu verringern. Während der Blüte ist auf den Kupfereinsatz zu verzichten, weil einerseits die Indikation fehlt und andererseits damit die Gefahr von Berostungen vermieden werden kann. Danach empfiehlt es sich auf Tonerdeprodukte (8 kg/ha) + Netzschwefel (5-6 kg/ha) zu wechseln.

Tonerdeprodukte wirken gleichzeitig gegen Pseudomonas, Mehltau und Feuerbrand. Gegen Birnenschorf und bei schwefelempfindlichen Apfelsorten die Schwefelmenge um ca. 1/3 reduzieren. Nach starken Niederschlägen (> 20 mm) und anhaltendem Infektionsrisiko ist eine Abstopp-Behandlung ins nasse Laub mit Schwefelkalk (Curatio 25 kg/ha) oder Kaliumhydrogenkarbonat in Kombination mit 4 kg/ha Netzschwefel empfehlenswert. 

Der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln (z.B. Vacciplant) zur Feuerbrandvorbeugung stärkt die Bäume auch gegen Schorf.

 

Vorblütenkontrollen Kernobst

Vorblütenkontrollen zur Schadschwellen-Bestimmung müssen gemäss den ÖLN-Richtlinien durchgeführt und dokumentiert werden. Die Vorblütenkontrolle bevorzugt im Rotknospenstadium (BBCH 57) durchführen. Zu diesem Zeitpunkt sind verschiedene Läuse, aber auch Raupenschädlinge wie Frostspanner gut zu erkennen.

Eine Dokumentation mit Fotos der Schaderreger finden Sie unter www.strickhof.ch (Neue Grundlage zur visuellen Kontrolle im Obstbau)

 

Steinobst: Pflanzenschutz

Monilia, Schrotschuss, Sprühflecken

Gegen Monilia erste Behandlung vor allfälligen Niederschlägen im Ballonstadium (BBCH 59) bis erste Blüten offen (BBCH 61). Die zweite Behandlung, wenn 30-50 % der Blüten offen sind. Eine dritte Behandlung in die abgehende Blüte ist nur in Anlagen mit starkem Befallsdruck sinnvoll. Beachten Sie, dass diverse Produkte Einschränkungen für bestimmte Steinobstarten und Anwendungshäufigkeiten und -Mengen haben!

ÖLNDithianon auf Kirsche bewilligt gegen Schrotschuss, Bitterfäule, Sprühflecken. Vor der Blüte mit Netzschwefelzusatz Wirkung auch gegen Gemeine und Rote Spinnmilbe. Max. 1680g/ha im Steinobst. Nicht mit Ölprodukten mischen.

Gegen Blütenmonilia mit Teilwirkung auf Schrotschuss sind gewisse Strobilurine bewilligt; Prolectus (Aufbrauchsfrist: 01.01.2027), Teldor sowie SSH’s (bsp. Fezan (nicht bewilligt bei Zwetschgen), Slick, Bogard, Difcor 250 EC, Lumino, Sico, Divo) in obligatorischer Mischung mit Captan oder Dithianon. Anilinopyrimidine: Chorus (Cyprodinil) ist nicht bewilligt bei Kirschen, jedoch für anderes Steinobst ohne obligatorische Mischung mit Captan oder Dithianon gegen Blütenmonilia zugelassen, hat aber keine Schrotschusswirkung. Ebenfalls nicht bei Kirschen erlaubt, aber im restlichen Steinobst mit voller Wirkung auch gegen Schrotschuss zugelassen sind Switch und Avatar.

Schrotschuss-Behandlungen ab Ballonstadium (59) bis erste Blüten offen (61) mit Folpet-Produkten. Maximal erlaubte Anzahl Anwendungen pro Produkt, Obstart und Jahr beachten. Je nach Niederschlag und Blühverlauf der einzelnen Sorten blockweise behandeln. Kombinationen von Captan, Dithianon, Folpet, Netzschwefel und Kupfer wirken gegen Monilia und Schrotschuss.

BIO: Freilandkulturen: Gegen Schrotschuss in Vorblüte bei Infektionsereignissen Kupfer (ca. 400g Reinkupfer); oder Tonerdeprodukte (8kg/ha) in Kombination mit Netzschwefel (4kg/ha) einsetzen. Beide Varianten wirken auch gegen Blütenmonilia; ebenso Kaliumhydrogencarbonate mit Netzschwefel (4kg/ha). Blütenmonilia: Behandlungen bei feuchten Bedingungen spätestens im Ballonstadium (BBCH 59) beginnen. Während der Blüte und in Abhängigkeit der Infektionsgefahr weitere Behandlungen durchführen.

Gedeckte Kulturen: Eine vorbeugende Behandlung ist nur bei angesagter langanhaltender, hoher Luftfeuchtigkeit bzw. starker Taubildung angezeigt. Die Höchstmenge von 3kg Reinkupfer pro ha und Jahr im Steinobst beachten! 

Schrotschuss bei Aprikosen: Per Notfallzulassung dürfen diverse Schwefel-Produkte gegen Schrotschuss eingesetzt werden. Konzentration: 0.15–0.3 % Aufwandmenge: 2.4–4.8kg/ha Anwendung: Für Schrotschuss vor und nach der Blüte (Gültigkeit bis 31. Oktober 2026).

 

Pflaumensägewespe

Flugüberwachung mit Weissfallen, diese sind spätestens jetzt aufzuhängen. Schadschwelle 80 – 100 Wespen pro Falle.

PSM-Einsatz:

ÖLN Acetamiprid erst nach der Blüte (ab BBCH 69) einsetzen.

ÖLN + BIO: Falls die Schadschwelle überschritten wird, kann beim Abblühen (BBCH 67) eine Behandlung mit Quassan (3-4 l/ha), bei 1000 l/ha Brühmenge eingeplant werden.

 

Pflaumenwickler

Wir empfehlen, den Flug mit Pheromonfallen zu überwachen. Diese sind in den nächsten Tagen aufzuhängen. Wo verwirrt wird, sollen die Pheromondispenser (Isomate OFM Rosso) ebenfalls in den nächsten Tagen aufgehängt werden. Auch kleine Parzellen können zur Unterstützung von anderen Massnahmen verwirrt werden. Dabei ist zu beachten, dass auch ausserhalb der Parzelle grosszügig Dispenser verteilt werden. 

 

Weitere Themen:

 

PDF: Obst-Info Zürich Nr. 8 vom 2. April 2026