Pflanzenbau News Strickhof vom 27. Mai 2026
Kartoffeln
Kartoffelkäfer
Die Kartoffelkäfer sind in Scharen in die jungen Kartoffelfelder eingeflogen. Der Käfer überwintert in alten Kartoffelfeldern, von dort aus befällt er im Mai wiederum Kartoffelpflanzen. Auch im Mais an Ausfallkartoffeln können jetzt aktive Käfer, meist Weibchen und Männchen und auch schon erste orange Eigelege auf der Blattunterseite entdeckt werden. Das heisse Wetter begünstigt die Aktivität der Kartoffelkäfer sehr stark. Eine Bekämpfung wird durchgeführt, sobald erste gefrässige Larven vorhanden sind, bzw. 30% der Pflanzen mit Larven oder 1 Befallsherd je Are ausgezählt wird. Setzt man auf Bacillus thuringiensis-Mittel wie das Novodor 3FC, dürfen die Larven höchstens im 1. oder 2. Larvenstadium sein. Zum Novodor wird auch ein Haftmittel wie CropCover CC-1000 empfohlen. Auf ältere Larven und Adulte wirkt das Novodor nicht. Käfer, grössere Larven und Eigelege können mit dem Produkt Coragen 60 ml/ha bekämpft werden, dazu ist aber eine Einzelbetriebliche Sonderbewilligung notwendig. >> sonderbewilligung.strickhof.ch
Krautfäule
Das trocken-heisse Wetter verhindert Infektionen durch die Kraut- und Knollenfäule weitestgehend. In Feldern, die bewässert werden, sieht dies anders aus: Dort herrschen optimale Infektionsbedingungen. Es stellt sich auch immer die Frage, ob die Fungizidbehandlung vor oder nach der Beregnung erfolgen soll. Weil keine klassischen Kontaktmittel mehr verfügbar sind, empfehlen wir den Fungizidschutz vor der Bewässerung durchzuführen. Melden Sie Krautfäule-Befall oder Verdachtsfälle unbedingt und umgehend bei uns oder direkt an PhytoPRE (www.phytopre.ch) (Agroscope, Zürich-Reckenholz, Tomke Musa, 058 468 72 39).
Weizen
Fusarien
Gemäss dem Prognosesystem Fusaprog von Agroscope ist das trockene, heisse Wetter optimal, um Fusarieninfektionen zu verhindern. Sobald Gewitter auftauchen – was aber frühestens am Wochenende der Fall ist –, kann sich diese Situation ändern. Momentan braucht es kein Fungizid im blühenden Weizen, weil keine Fusarieninfektionen entstehen.
Weitere Blattkrankheiten
Gelbrost, Braunrost und Mehltau haben zurzeit keine optimalen Infektionsbedingungen. Man findet zwar Septoria auf dem dritten oder vierten untersten Blatt, doch auch dieser Pilz ist auf Regenspritzer angewiesen.
Blattläuse im Weizen
Erste Kolonien von Getreideblattläusen können auf den Fahnenblättern entdeckt werden. Die Blattläuse wandern von den Blättern auf die Ähren, wo sie an der Spindel Assimiliatsaft saugen. Weil viele Nützlinge in unseren Getreidefeldern vorhanden sind, sollten diese die Blattläuse ausreichend dezimieren.
Getreidehähnchen
Erster «weisser Weizen» ist nun stellenweise zu sehen. Wenn zwei bis vier Larven des Getreidehähnchens an einem Fahnenblatt fressen, entstehen die markanten «weissen Spitzen». Bei den Kontrollen wurde in keinem Feld die Bekämpfungsschwelle (BKS) von zwei Larven je Fahnenblatt erreicht. Bei einem Stichprobenumfang von 50 Pflanzen (10 x 5 Halme) ist mehr als die Hälfte der Fahnenblätter ohne Larven. Selten hat man Blätter mit vier Larven in der Stichprobe. Audienz + Heliosol oder Elvis + Sticker könnten bei überschrittener BKS ohne Sonderbewilligung eingesetzt werden.
Erdmandelgras
Wann bilden sich die Knöllchen?
Wir befinden uns Ende Mai und das invasive Erdmandelgras, welches sich rasch um ein Vielfaches vermehren kann, ist je nach Region bereits seit rund 14 Tagen aktiv.
Für die Vermehrung sind grundsätzlich folgende Faktoren notwendig:
- Das Erdmandelgras muss sich mindestens im 3- bis 5-Blatt-stadium befinden, was einer Pflanzenhöhe von etwa 10 cm entspricht.
- Die Bodentemperaturen müssen über 12 °C liegen.
- Eine gute Photosynthese muss gewährleistet sein (d. h. keine Abdeckung durch andere Kulturen).
- Tageslängen von 8 bis 12 Stunden sind optimal für die Vermehrung der Knöllchen.
Zu Beginn des Jahres, wenn die Tageslängen von Anfang Februar bis Ende März eigentlich ideal wären, fehlen sowohl die für die Vermehrung notwendigen Bodentemperaturen von über 12 °C als auch die etwa 10 °C, die für die eigentliche Keimung erforderlich sind. Ab Mai hingegen, wenn die Bodentemperaturen die Mindestanforderungen langsam erfüllen, sind die Tage bereits zu lang für die Knollenvermehrung. Die Pflanze konzentriert sich dann vermehrt auf Längenwachstum, Blütenbildung und Samenanlage.
Dennoch ist es wichtig, bereits im Frühjahr das 3- bis 5-Blattstadium zu stören, da sich auch unter nicht optimalen Bedingungen Knollenanlagen bilden können, die mit blossem Auge schwer erkennbar sind.
Ab Mitte August, wenn sowohl Tageslänge als auch Temperaturen wieder ideal sind und durch abreifende oder bereits geerntete Kulturen mehr Licht zur Verfügung steht, kann die Knöllchenvermehrung plötzlich sehr schnell erfolgen. Häufig ist man dann nicht mehr in der Lage, alle Pflanzen rechtzeitig zu erfassen und zu bekämpfen.
Umso dringender ist es, ab Mitte August mit erhöhtem Einsatz die verbleibenden Pflanzen auszuhacken, auszugraben oder gegebenenfalls chemisch zu bekämpfen. Beachten Sie für letzteres vor der PSM-Anwendung die Anwendungsauflagen (vgl. Mittelheft (Pflanzenschutzmittel im Feldbau 2026)) sowie allfällige Label-Einschränkungen und kommen Sie bei Fragen auf uns zu.
Bei grossflächigem Befall ist es entscheidend, durch intensive Bodenbearbeitung den Vermehrungsprozess des Erdmandelgrases zu unterbinden, und zwar unmittelbar nach der Ernte der Hauptkultur. Je nach Witterung muss die Bodenbearbeitung alle 7 bis 14 Tage wiederholt werden.
Auf diese Weise werden die Mutterknollen, die zwei- bis dreimal austreiben können, sukzessive erschöpft, bis schliesslich keine Energie mehr für einen erneuten Austrieb vorhanden ist und der Vermehrungsprozess unterbunden wird.
Zuckerrüben
Rübenrüssler in Zuckerrüben
In den letzten Tagen konnte der Einflug des Rübenrüsslers verzeichnet werden. Die Funde konzentrieren sich allen voran auf das Mittelland und die Westschweiz. Es wurden jedoch auch bereits einzelne Tiere in der Ostschweizer Anbauregion entdeckt. In frühen Beständen, bei denen der Bestand sich langsam aber sicher schliesst, konnten bereits erste Eiablagestellen an den Rübenstängeln beobachtet werden. Werden solche Befunde auf Ihrem Rübenfeld gefunden, so ist der Zeitpunkt für die Bekämpfung des Rübenrüsslers gekommen. Der Rübenrüssler ist ein scheues Tier, welches sich bei aufkommender Gefahr vom Rübenblatt fallen lässt und zu Boden fällt. Am Boden angekommen, stellt sich der Käfer oftmals tot. Trotz der auffallenden Grösse des Käfers (mind. 1cm gross) kann er somit leicht übersehen werden. Meistens verharren die Käfer im Blattansatz der Rüben bzw. im Rübenherz. Bei den Kontrollen sollte daher unbedingt an diesen Bereichen der Rüben gesucht werden. Die Einstichstellen bzw. Eiablageorte am Blattstängel äussern sich durch auffallende grau-schwarze Flecken.
Wird der Schädling oder dessen Einstichstellen gefunden, so muss für eine allfällige Bekämpfung des Rübenrüsslers eine Sonderbewilligung bei der jeweiligen kantonalen Pflanzenschutzfachstelle beantragt werden. Ein Foto des Befundes erleichtert dabei die Arbeit und Entscheidungsfällung der Fachstellen. Nach dem Erhalt einer Sonderbewilligung steht das Insektizid mit dem Wirkstoff Acetamiprid (Gazelle, Pistol, Gepard, Oryx Pro) zur Verfügung. Mit diesem Insektizid darf lediglich eine Behandlung in der Rübenkultur pro Jahr erfolgen. Die Aufwandmenge beträgt 200g/ha. Zudem muss bei der Applikation ein Spritzfenster (mind. halbe Feldspritzenbreite) hinterlassen werden, damit die Wirksamkeit der Behandlung abgeschätzt werden kann.
Blattlaussituation
Die Blattlaussituation verhält sich weiterhin ruhig. Schwarze Rübenblattläuse können zwar des Öfteren gefunden werden, jedoch meist nicht im bekämpfungswürdigen Ausmass. Ab dem 10-12-Blattstadium sind die Befälle der schwarzen Blattlaus vernachlässigbar. Die Bekämpfungsschwelle der Grünen Pfirsichblattlaus wurde an den allermeisten Monitoring-Standorten noch nicht erreicht. Ausnahme bildet der Kanton Aargau (Region Möhlin), wo die Bekämpfungsschwelle diese Woche überschritten wurde. Bei einer allfällig sonderbewilligten Rübenrüssler-Bekämpfung mit dem Wirkstoff Acetamiprid werden die grünen Blattläuse ebenfalls miterfasst. Beim Ausbleiben des Rübenrüsslers besteht nach wie vor die Möglichkeit das regulär zugelassenen Insektizid Teppeki (Flonicamid) gegen die Blattläuse einzusetzen. In Zuckerrüben ist maximal eine Behandlung mit Teppeki zulässig.
Blattdünger
Das Stadium kurz vor Reihenschluss ist ein gängiges Zeitfenster für die Blattdüngergabe. Blattdünger können mit Insektiziden kombiniert ausgebracht werden.
Die nächsten Strickhof-Termine: www.kurse.strickhof.ch