Lauch: der überwinterte Frühlingsbote
Lauch ist nicht gleich Lauch
Zuerst muss man beim Lauch immer zwischen zwei unterschiedlichen Produkten unterscheiden. Da wäre zum einen der klassische grüne Lauch, bei dem gemäss Qualitätsbestimmungen die äusseren Blätter bis maximal 10 cm über dem Schaft eingekürzt werden dürfen d.h. hier ist immer ein grüner Blattanteil erwünscht. Zum anderen gibt es den langschaftigen Lauch - auch als Foodtainer-Lauch bezeichnet - bei dem ein längerer, bleicher Schaft angestrebt wird und das Blattwerk abgeschnitten ist. Für die Produktion von langschaftigem Lauch werden spezielle hochwachsende Sorten verwendet und das Endprodukt wird in grossen Teilen als zugeschnittene Ware in Foodtainern vermarktet. Im Folgenden soll es primär um den grünen Lauch gehen.
Lauch das ganze Jahr hindurch
Die Anbauflächen von grünem Lauch blieben in den letzten 15 Jahren relativ konstant bei leicht über 300 ha Schweizweit (2025: 320 ha; Quelle Statistischer Jahresbericht SZG, Koppigen). Davon werden rund 40 ha im Kanton Zürich angebaut. Lauch ist über das ganze Jahr hindurch aus Schweizer Anbau verfügbar. Bei der Importbewirtschaftung besteht nur zwischen dem 7. Februar und dem 5. März ein kleines Zeitfenster, während dem die inländische Lauchproduktion nicht durch Importzölle geschützt ist. Im typischen Jahresverlauf steigt die Produktionsmenge nach dieser kurzen offenen Phase im Frühjahr an, bevor die Produktionsmengen und der Konsum im Hochsommer deutlich geringer sind. Gegen Herbst steigen die Mengen bis zum Jahreswechsel hin erneut an, weil zu diesem Zeitpunkt die neuen Kulturen, die im selben Jahr gepflanzt wurden, in die Ernte kommen.
Jetzt im Frühjahr stammen die Mengen allerdings von Kulturen, die bereits im Vorjahr gepflanzt und überwintert wurden. Zur Überwinterung werden speziell dafür geeignete, winterharte Sorten, dickere Vliesauflagen und/oder Minitunnel eingesetzt. Die Kulturzeit dieser überwinterten Pflanzungen beträgt bereits ohne die Jungpflanzenanzucht rund 7 Monate. Die Anzucht der Jungpflanzen, die bei Lauch häufig als wurzelnackte Ziehpflanzen gehandelt werden, dauert vom Samenkorn zur Jungpflanze noch einmal rund 12 Wochen. Zusammengerechnet kann es bei einer überwinterten Lauchkultur also gegen ein volles Jahr dauern, bis aus dem Samenkorn das Produkt auf dem Teller geworden ist. Das Erntefenster der überwinterten Kulturen erstreckt sich im Frühjahr bis in den April hinein. Danach steigt die Gefahr von Schosserpflanzen (Aufblühern) bei länger werdenden Tagen stark an. Schliesslich haben die Pflanzen über die Wintermonate bereits einen starken Kältereiz zur Vernalisation erhalten. Die Neigung zu möglichst spätem Schossen ist beim Überwinterungsanbau eine wichtige Sorteneigenschaft.
Frühjahrskrankheiten
Im Frühling sind an Lauch vor allem die aus dem Vorjahr mitgeschleppten Infektionen der Papierfleckenkrankheit (Phytophthora porri) und des Rosts (Puccinia allii) zu beobachten. Beide Krankheiten sind insbesondere dann problematisch, wenn sie die unteren Blattabschnitte, also die vermarkteten Teile beim grünen Lauch betreffen und nicht abgerüstet werden können. Sind nur äussere Blattteile oder gar nur die Spitzen betroffen, können diese meist ohne Minderertrag abgerüstet werden. Der Pflanzenschutz gegen diese Krankheiten sollte bei den Überwinterungssätzen also im Spätsommer nicht vernachlässigt werden, um die Pflanzen möglichst gesund in den Winter zu bringen. Bei Befall sollte jetzt im Frühling die Feldhygiene beachtet werden d.h. die Felder schnell räumen und keine befallenen Pflanzenteile zurück auf den Acker bringen, um die Neupflanzungen nicht gleich wieder zu gefährden.