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Trocken-heisser Juni 2026 führt zu vermehrtem Auftreten der mehligen Kohlblattlaus

In den letzten Wochen wurden an verschiedenen Kohlgewächsen auffallend viele Kolonien der mehligen Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) festgestellt. Diese Blattlausart bildet bei trocken-heissem Juni-Wetter oft eindrückliche Kolonien. Bei Herzbefall gilt sie gerade bei den Kopfkohlarten als einer der Hauptschädlinge.

Die mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) überwintert als Ei an verschiedenen Kohlarten. Im Gegensatz zu anderen gemüsebaulichen Lausarten - wie etwa der grünen Salatblattlaus - hat die mehlige Kohlblattlaus keine eigentlichen Winterwirte aus anderen Pflanzenfamilien, sondern durchläuft den ganzen Entwicklungszyklus an Kreuzblütlern. Von den Überwinterungspflanzen wie etwa Erntereste der Vorjahreskulturen, Kohlstrünken oder auch Raps schlüpfen aus den Wintereiern im Frühjahr Weibchen, die sich während der Saison in zahlreichen ungeschlechtlichen Generationen vermehren. Nebst unbeflügelten Tieren entstehen auch immer wieder beflügelte Formen, die in der Lage sind, neue Wirtspflanzen/Kulturen zu besiedeln. Erfahrungsgemäss kommt es im Mai/Juni zu einem starken Flug von beflügelten Tieren in neue Kohlkulturen, woraus sich besonders bei trocken-heisser Witterung schnell grosse Kolonien bilden können. Erst im Herbst entstehen Geschlechtstiere, deren Weibchen die Wintereier an die überwinternden Kohlgewächse ablegen. 

Starker Befall mit mehliger Kohlblattlaus im Juni 2026
Starker Befall mit mehliger Kohlblattlaus im Juni 2026. Foto: Strickhof Fachstelle Gemüse

 

Frühzeitige Erkennung wichtig

Der Befall mit mehliger Kohlblattlaus wird leider häufig erst durch die auf der Blattoberseite  auftretenden gelb bis rosa Verfärbungen beim Abschreiten der Kulturen festgestellt. Auf der gegenüberliegenden Blattunterseite oder eingerollten Blattpartien entdeckt man zu dem Zeitpunkt dann bereits häufig die mit grauen Wachsausscheidungen überzogenen Lauskolonien von unbeflügelten Tieren. Bei starkem Besatz durch Lauskolonien entfärben sich die Blätter und es können Verkrüppelungen und eine beeinträchtigte Kopfbildung auftreten. Zudem werden durch die Lausart Pflanzenviren übertragen. Dementsprechend sind frühzeitige Kulturkontrollen ab Anfang Mai wichtig, um bereits die einfliegenden beflügelten Tiere aus denen sich die neuen Kolonien bilden zu entdecken. Für den Schädling ist eine Schadschwelle von 4 befallenen von 10 untersuchten Pflanzen definiert. Ebenfalls ist die Schadschwelle erreicht, wenn Herzbefall vorliegt. Neu gepflanzte Kulturen zum Zeitpunkt des Massenauftretens im Juni sind besonders anfällig auf Befall. Weil die Lagerkohlpflanzungen häufig in diese Jahreszeit fallen und sich frühzeitiger Herzbefall bei diesen auf die Kopfbildung auswirken kann, sind diese Pflanzungen besonders gefährdet. 

Aufgehellte Blattoberseite aufgrund Befall mit der mehligen Kohlblattlaus
Aufgehellte Blattoberseite aufgrund Befall mit der mehligen Kohlblattlaus. Foto: Strickhof Fachstelle Gemüse

 

Potential der Nützlinge ausschöpfen

Wie bei vielen Läusen kommt den Nützlingen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung zu. Bei der mehligen Kohlblattlaus ist vor allem die Blattlauswespe Diaeretiella rapae zu erwähnen, die die Blattläuse parasitiert. Die Parasitierung ist durch die typischen Blattlausmumien im Feld erkennbar. Daneben spielen auch Schwebfliegen und Marienkäfer eine wichtige Rolle. Diese Nützlinge können durch das gezielte Anlegen von Blühstreifen entlang der Kohlkulturen gefördert werden. Das Auftreten der Nützlinge erfolgt jedoch meistens erst etwas verzögert und bei ungünstigen Bedingungen wie in diesem Jahr wird die Schadschwelle häufig trotzdem erreicht. Bei der direkten Bekämpfung durch Insektizide sollte auf nützlingsschonende Produkte zurückgegriffen werden um das Potential der Nützlinge möglichst optimal auszuschöpfen. Aufgrund der versteckten Lebensweise in den eingerollten Blättern, sind die Kolonien durch Insektizide schwer zu bekämpfen. Systemische Wirkstoffe bieten daher einen Vorteil. Behandlungen mit den im Biolandbau erlaubten Mitteln sind daher oft nur wirksam, solange die Blätter sich nicht eingerollt haben. 

 

Weiter vorbeugende Massnahmen

Aufgrund der Überwinterung an Kohlgewächsen kommt der Feldhygiene auf den Kohlparzellen zum Saisonende grosse Bedeutung zu. Konkret sind die Kohlstrünke nach der Ernte zu zerkleinern und einzuarbeiten. Sofern möglich, sind die Standorte möglichst weit entfernt von überwinternden Kohlkulturen zu wählen. Ebenfalls ist auf eine ausgewogene Düngung mit genügender Kaliversorgung und ohne Überversorgung mit Stickstoff zu achten. Bei den besonders gefährdeten Neupflanzungen im Sommer sollte zu Kulturbeginn durch häufige Bewässerungsgaben die Pflanzenentwicklung beschleunigt werden um die Pflanzen rasch aus dem anfälligsten Entwicklungsstadium herauswachsen zu lassen. 

Neue Kolonie und ein beflügeltes Tier der mehligen Kohlblattlaus im Juni 2025
Neue Kolonie und ein beflügeltes Tier der mehligen Kohlblattlaus im Juni 2025. Foto: Strickhof Fachstelle Gemüse

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