Degustation der Versuchsweine in der Trotte Wülflingen
Im Rahmen der Veranstaltung bestand die Möglichkeit ausgewählte Versuchsweine von Strickhof und Agroscope der Jahrgänge 2024 und 2025 zu probieren. Diese Gelegenheit wurde rege wahrgenommen und so trafen sich an diesem Freitagabend gut 30 Winzerinnen und Winzer in der Trotte Wülflingen, um in lockerer Atmosphäre zu degustieren und diskutieren. Begleitet wurde die Degustation von den für die Weine Verantwortlichen: Thierry Wins (Agroscope) und Silvio Kessler (Strickhof), die Informationen über die Entstehung der Produkte für die Teilnehmer bereithielten.
Die erste Weinserie widmete sich einem Pinot Noir, Jahrgang 2024. Mit dem Versuch sollte herausgefunden werden, welche Massnahmen im Rebberg und im Keller getroffen werden können, wenn die Witterung im Herbst eine vorzeitige Lese bei eher knapper Reife notwendig macht. Dabei wurden sowohl im Rebberg als auch im Keller alle Register gezogen. Die Meinungen der Anwesenden zu den gezeigten Weinen gingen auseinander, die einen bevorzugten die Variante mit Antrocknen der Trauben am Stock und maximalem Einsatz von Hilfsstoffen, die anderen die Referenzvariante gänzlich ohne unterstützende Massnahmen. Bewertungen von Kunden zeigten eine Bevorzugung der Referenzvariante – sowohl mit als auch ohne Antrocknen der Trauben am Stock.
Von Agroscope wurden Weine von sieben neuen pilzwiderstandfähigen Rebsorten vorgestellt. Es handelt sich dabei um Sorten mit Mehrfachresistenz, die eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Echtem und Falschem Mehltau versprechen. Gleichzeitig soll auch die Weinqualität auf hohem Niveau sein, zumindest nach Aussage der Züchter. Im Rahmen der Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit sich anhand der in Wädenswil gekelterten Weine selbst davon zu überzeugen. Offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt wurden die vier weissen und drei roten Sorten dann kurz darauf an der Agrovina in Martigny.
Auch das Thema Low-Alkohol-Produkte wurde angesprochen, mit einem Versuch des Strickhofs. Ziel dieses Versuchs war es, durch eine Reduktion des Zuckergehalts im Ausgangsmaterial, den bei der nachfolgenden Gärung entstehenden Alkoholgehalt möglichst niedrig zu halten. Dazu wurde auf eine Technik zurückgegriffen, die sonst bei der Eisweinerzeugung zum Einsatz kommt – die Pressung tiefgefrorener Trauben. Die so erzeugten alkoholarmen Getränke (die Bezeichnung Wein ist in diesem Fall nicht zulässig) weisen Alkoholgehalte zwischen 1.0 bis 3.5 Vol.% auf. Die Rückmeldungen der Anwesenden zu den Produkten waren zwar überwiegend kritisch, die Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Produkte und alkoholfreier Weine wurde aber intensiv geführt. Dabei wurden auch Themen angesprochen, die bisher im Weinbau kaum von Bedeutung waren, wie die Notwendigkeit der Angabe einer Aufbrauchfrist oder der Einsatz von Konservierungsmitteln.
Neben diesen Versuchen wurden auch noch Weitere zur Degustation bereitgestellt. Agroscope zeigte Roséweine der Sorte Divico, die nach unterschiedlichen Verfahren hergestellt wurden. Und sowohl der Strickhof als auch Agroscope präsentierten je eine Versuchsreihe aus Weinen der Sorte Souvignier Gris, vergoren mit verschiedenen Hefestämmen, um die Vielfältigkeit der Sorte und ihre Eignung für unterschiedliche Weinstile aufzuzeigen. Dies ist insbesondere deshalb interessant, da sich die Sorte mittlerweile einen fixen Platz im Weinbau in der Deutschschweiz erkämpft hat und wohl auch in Zukunft der Anbau noch weiter ausgeweitet werden wird.
Insgesamt war die Veranstaltung ein toller Erfolg – zumindest aus Sicht der Veranstalter. Das rege Interesse an den vorgestellten Produkten und die guten Gespräche zeigten auf, dass Innovation nach wie vor ein wichtiges Thema ist.