Tastversuch Bio-Brotweizendüngung 2025
| Versuchsbetreuende | Johannes Röllin und Manuel Baur | |
|---|---|---|
| Aussagekraft | * | |
Ausgangslage
Im Biolandbau stellt die Stickstoffversorgung von Brotweizen eine besondere Herausforderung dar: Stickstoff steht ausschliesslich aus organischen Quellen zur Verfügung, deren Wirkung stark von Zeitpunkt, Witterung und Bodenbedingungen abhängt. Gleichzeitig werden in der Praxis zunehmend Bio-Handelsdünger eingesetzt, um Ertrag und Proteingehalt gezielt zu beeinflussen. Ob sich deren Einsatz auch wirtschaftlich lohnt, ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt.
Vor diesem Hintergrund wurde am Stiegenhof ein einjähriger Tastversuch durchgeführt, um unterschiedliche Stickstoffstrategien im Bio-Brotweizen unter Praxisbedingungen zu vergleichen.
Versuchsfrage
Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Stickstoff-Düngungsstrategien mit Gülle und Bio-Handelsdünger auf Proteingehalt, Kornertrag und Wirtschaftlichkeit bei Bio-Brotweizen?
Versuchsverfahren
Ein Überblick über die Versuchsverfahren gibt die Tabelle 1. Die Stickstoffmengen sind jeweils als Gesamtstickstoff angegeben. Die ausgebrachte Gülle enthielt rund 2 kg Gesamt-N pro Kubik, wodurch bei einer Gabe von 25 m³ Gülle/ha rund 50 kg Gesamt-N gedüngt worden ist.
Als Bio-Handelsdünger kam ein pelletierter organischer Dünger mit einem Gehalt von 12 % Gesamtstickstoff zum Einsatz. Der Stickstoff dieses Düngers ist organisch gebunden und seine Verfügbarkeit hängt wesentlich von Mineralisierung, Bodenfeuchte und Bodentemperatur ab. Der Dünger wurde oberflächlich ausgebracht und im Rahmen der mechanischen Unkrautregulierung eingearbeitet.
Die Düngung erfolgte ausschliesslich Anfang März.
Tabelle 1. Übersicht der geprüften Düngungsverfahren im Tastversuch 2025.
| Verfahren | Beschreibung | Effektiv gedüngt |
|---|---|---|
| Verfahren 1 | Ohne Düngung | 0 kg Gesamt-N |
| Verfahren 2 | 25 m³ Gülle/ha | 50 kg Gesamt-N |
| Verfahren 3 | 25 m³ Gülle/ha + 45 kg Gesamt-N Bio-Handelsdünger | 95 kg Gesamt-N |
| Verfahren 4 | 25 m³ Gülle/ha + 90 kg Gesamt-N Bio-Handelsdünger | 140 kg Gesamt-N |
Anbaudaten
Die wichtigsten Anbaudaten und Bewirtschaftungsschritte des Tastversuchs sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Der Versuch wurde unter praxisüblichen Bedingungen durchgeführt.
Tabelle 2. Anbaudaten und Bewirtschaftung des Bio-Brotweizen-Tastversuchs 2025 am Stiegenhof.
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Vorkultur | Soja |
| Grundbodenbearbeitung | Gepflügt am 17. Oktober |
| Saatbettbereitung und Aussaat | 20. Oktober, 450 Körner/m², Drillsaat |
| Bio-Handelsdünger | 06. März (nur in den entsprechenden Verfahren) |
| Unkrautregulierung und Einarbeitung des Bio-Handelsdüngers | Gestriegelt am 07. März |
| Güllegabe | 08. März |
| Unkrautregulierung | Gestriegelt am 04. April |
| Ernte | 18. Juli |
Resultate
Proteingehalt
Der Proteingehalt unterschied sich zwischen den vier geprüften Düngungsverfahren nur geringfügig. Die gemessenen Werte lagen zwischen 12,0 und 12,3 % Protein. Weder die Güllegabe noch der zusätzliche Einsatz von 45 kg oder 90 kg Gesamtstickstoff aus dem Bio-Handelsdünger führten zu einer nennenswerten Erhöhung des Proteingehalts gegenüber der ungedüngten Kontrolle.
Die Resultate zeigen, dass der zusätzlich ausgebrachte Stickstoff unter den gegebenen Bedingungen nicht für die Proteinbildung im Korn genutzt wurde.
Kornertrag
Beim Kornertrag zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den geprüften Düngungsverfahren. Als Referenz wurde die ungedüngte Variante herangezogen.
Durch die Ausbringung von 25 m³ Gülle konnte der Kornertrag um rund +23 % gegenüber der ungedüngten Kontrolle gesteigert werden. Die zusätzliche Gabe von 45 kg Gesamtstickstoff aus Bio-Handelsdünger führte zu einer weiteren Ertragssteigerung von insgesamt etwa +34 %.
Beim Einsatz von 90 kg Gesamtstickstoff aus Bio-Handelsdünger nahm der Ertrag nochmals leicht zu, lag jedoch nur noch bei rund +35 % gegenüber der ungedüngten Variante. Damit zeigte sich eine deutlich abnehmende Mehrwirkung bei steigender Stickstoffmenge.
Wirtschaftlichkeit und Stickstoffeffizienz
Die Ertragsunterschiede spiegelten sich direkt in der Wirtschaftlichkeit wider. Der höchste vergleichbare Deckungsbeitrag wurde mit der Kombination aus 25 m³ Gülle und 45 kg Gesamtstickstoff aus Bio-Handelsdünger erzielt, knapp vor der Variante mit 25 m³ Gülle. Die Variante mit 90 kg Gesamtstickstoff führte zwar zu einem leicht höheren Ertrag, konnte jedoch die zusätzlichen Kosten für Dünger und Ausbringung nicht mehr kompensieren.
Tabelle 3. Berechnung des Vergleichbaren DB aus dem Tastversuch zum Düngungsversuch im Bio-Brotweizen 2025.
| 0 N | Gülle | Gülle + 45 kg N | Gülle + 90 kg N | |
| Leistung (Ertrag) | 4’909 | 6’046 | 6’566 | 6’717 |
| Übrige direkte Kosten (ohne Düngung) | 940 | 940 | 940 | 940 |
| Düngung: Gülle | 0 | 200 | 200 | 200 |
| Düngung: Bio-Handelsdünger inkl. Ausbringung | 0 | 0 | 466 | 852 |
| Vergleichbarer DB | 3’969 | 4’906 | 4’960 | 4’725 |
Parallel dazu nahm die Stickstoffeffizienz mit steigender Stickstoffmenge deutlich ab. Während bei der Güllegabe noch gut die Hälfte des ausgebrachten Stickstoffs im Ertrag gebunden wurde, sank dieser Anteil bei höheren N-Mengen deutlich. Ein wachsender Teil des Stickstoffs wurde somit nicht pflanzenwirksam genutzt.
Diskussion
Die Ergebnisse des Tastversuchs liefern wertvolle Hinweise zur Wirkung unterschiedlicher Stickstoffstrategien im Bio-Brotweizen, müssen jedoch im Kontext der Versuchsbedingungen interpretiert werden. Der Versuch wurde an einem Standort und in einem Vegetationsjahr durchgeführt. Entsprechend sind die Resultate standort- und jahresspezifisch zu betrachten und lassen sich nicht ohne Weiteres verallgemeinern.
Insbesondere Witterungsverlauf, Bodenbeschaffenheit sowie die Ausgangs-Stickstoffversorgung können die Stickstoffverfügbarkeit und -aufnahme massgeblich beeinflusst haben. Der ausschliesslich frühe Zeitpunkt der Stickstoffdüngung begünstigte eine Wirkung auf den Ertrag, nicht jedoch auf den Proteingehalt. Unter anderen Umweltbedingungen oder mit einer zeitlich angepassten Düngung können sich andere Effekte ergeben.
Trotz dieser Einschränkungen zeigen die Resultate gewisse Tendenzen: Eine gezielte Ergänzung der Stickstoffversorgung kann den Ertrag steigern, während höhere Stickstoffmengen zu einer abnehmenden Mehrwirkung, sinkender Stickstoffeffizienz und geringerer Wirtschaftlichkeit führen.
Fazit
Der Tastversuch bestätigt, dass eine ausschliesslich frühe Stickstoffdüngung im Bio-Brotweizen den Ertrag deutlich steigert, den Proteingehalt jedoch kaum beeinflusst. Bio-Handelsdünger können wirtschaftlich sinnvoll sein, sofern sie gezielt eingesetzt werden. Höhere Stickstoffmengen können zu einer sinkenden Stickstoffeffizienz und einer geringeren Wirtschaftlichkeit führen.
Eine ausführliche fachliche Einordnung zur Stickstoffwirkung und Proteinbildung im Bio-Brotweizen findet sich im Artikel «Wie dünge ich meinen Bio-Brotweizen?»
Ausblick
Aufbauend auf den Ergebnissen des einjährigen Tastversuchs ist ein Exaktversuch geplant, um die Wirkung von Bio-Handelsdüngern im Bio-Brotweizen zu untersuchen. Insbesondere wird dabei die Stickstoffeffizienz, die Wirtschaftlichkeit sowie der Einfluss auf Ertrag und Proteingehalt betrachtet. Im Gegensatz zum Tastversuch sollen im Exaktversuch mehrere Bio-Handelsdünger miteinander verglichen werden, unterschiedliche Ausbringzeitpunkte geprüft und der Versuch wiederholt und randomisiert angelegt werden, um standort- und jahresbedingte Effekte besser abzugrenzen.
Autor: Johannes Röllin