Merkblatt Sonnenblumen
Allgemeines
Vorteile und Chancen
- Speiseölgewinnung: Kerne haben einen Ölgehalt von 44 – 50% und einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren.
- Tierernährung: Kerne, Presskuchen und Extraktionsschrot können bei Wiederkäuern und Schweinen als Proteinergänzungsfutter eingesetzt werden.
- Toleranter gegen Trockenheit als Mais
- Einige Sorten sind resistent gegen falschen Mehltau.
Nachteile und Herausforderungen
- Empfindlich auf Bodenverdichtungen: Bilden eine Pfahlwurzel mit oberflächlichen Einzelwurzeln.
- Anbau von ölsäurereichen Sorten (high oleic Typen) ist aufwändiger, da eine Fremdbefruchtung zwischen normalen und ölreichen Sorten verhindert werden sollte.
- In Regionen mit hohem Vogeldruck sind teils hohe Verluste kaum vermeidbar.
- Kann Durchwuchsprobleme in den Folgekulturen verursachen.
Anbau
Sortenwahl
Für den Sonnenblumenanbau in der Schweiz kommen frühreife bis sehr frühreife Sorten in Frage. Nebst dem Reifezeitpunkt ist der Öl-Gehalt ein wichtiges Kriterium in der Sortenwahl. Man unterscheidet zwischen den klassischen Sorten und jenen Sorten, die einen hohen Ölsäure-Gehalt (high oleic) aufweisen. Das Öl der high oleic Sorten eignet sich besonders gut zum Frittieren. Diese Sorten müssen in geografisch isolierten Gebieten oder unter Einhaltung eines Mindestabstands von 200 m zu klassischen Sorten angebaut werden, dass es nicht zu einer Bestäubung durch Pollen klassischer Sorten kommen. Weitere Informationen finden sie auf der Liste der empfohlenen Sorten
Saat
| Saatzeitpunkt | Ende März – Ende April |
| Saatdichte | 5-7 Körner / m2 |
| Reihenabstand | 45 bis 60 cm |
| Saattiefe | 5 cm |
Die angestrebte Bestandesdichte liegt zwischen 5 und 6 Pflanzen pro m2. Eine zu hohe Bestandesdichte führt zu schwächeren und oft höheren Pflanzen, die schlechter abreifen. Eine zu tiefe Bestandesdichte erhöht das Risiko der Spätverunkrautung und führt zu grossen Köpfen die anfällig auf Abknicken sind.
Düngung
| Referenzertrag: 30 dt/ha | |
|---|---|
| Stickstoff | 60 kg/ha |
| Phosphor | 49 kg/ha |
| Kalium | 394 kg/ha |
| Magnesium | 55 kg/ha |
Bedeutendste Krankheiten und deren Bekämpfung
Botrytis-Graufäule (Botrytis cinerea)
- BedeutungIn den Jahren mit feuchtem Herbstwetter ist die Krankheit gefährlich, da sie sich schnell entwickeln kann. Es sind hohe Ertragsausfälle möglich.
- Schadbild Botrytis – Graufäule befallt alle oberirdischen Pflanzenorgane. Sie breitet sich auf den Blättern und der Blütenknospe aus. Auf der Vorderseite des Blütenkorbs kommt es zu einer graubeigen Fäule.
- Günstige Umweltbedingungen Die Hauptinfektionsphase beginnt ab dem Abblühen der ersten Röhrenblüten. Für den Befall muss ausreichend Feuchtigkeit vorhanden sein. Die Witterung in der angehenden Blüte und Reifephase ist entscheidend für die Ausbreitung der Krankheit auf den Körben.
- Vorbeugung Sonnenblumen nur an geeigneten Standorten anbauen und an Grenzstandorten frühreife Sorten wählen. Zu üppige Bestände vermeiden, da solche Bestände schlechter abtrocknen.
- Direkte Bekämpfung Fungizide sind in der Schweiz keine bewilligt.
Phoma
- Bedeutung Mit zunehmender Ausbreitung des Sonnenblumenanbaus nimmt der Befallsdruck zu.
- Schadbild Es bilden sich auf den Blättern dunkelbrauen Flecken, später verdorren die Blätter und Blattstiele. An den Stängeln entstehen braune bis schwarze, scharf abgegrenzte Läsionen. Diese breiten sich aus und wachsen zusammen. Am gefährlichsten ist der Befall an Wurzelhals und Wurzel, weil dann die Pflanzen vorzeitig verdorren (Notreife).
- Günstige Umweltbedingungen In Gebieten mit verbreitetem Anbau ist der Infektionsdruck ausgehend von letztjährigen Sonnenblumenparzellen erhöht. Temperaturen von 14 bis 23°C sowie hohe Luftfeuchtigkeit durch regelmässige Niederschläge begünstigen die Ausbreitung des Pilzes.
- Vorbeugung Durchwuchssonnenblumen bekämpfen und Abbau der Ernterückstände fördern. Üppige Bestände sind anfälliger auf Phoma: N zurückhaltend einsetzen, Bestandesdichte nicht über 6.5 Pflanzen/m2.
- Direkte Bekämpfung Ein Fungizid-Einsatz kann optisch wirkungsvoll sein, die Ertragswirkung ist aber gering.
Phomopsis (Phomopsis helianthi)
- Bedeutung In Frankreich die am meisten gefürchtete Krankheit der Sonnenblumen. Im letzten Jahr war die Krankheit auch in der Schweiz weitverbreitet und führte teils zu grossen Schäden. Ein früher Befall kann die ganze Blüte zerstören, spätere Infektionen beeinträchtigen die Samenausbildung und senken somit Ölgehalt und Tausendkorngewicht.
- Schadbild Auf den Blättern entstehen braune, dreckige Flecken. Blätter und Blattstiele verdorren. Es entstehen ähnliche längliche Flecken wie bei Phoma. An befallenen Stellen werden die Stängel hohl und instabil, so dass sie bei Wind oder Regen brechen können. Phomopsis ist meist als Mischinfektion mit Phoma vorhanden und daher schwierig zu bestimmen.
- Günstige Umweltbedingungen Infektionsfähige Ascosporen werden ab 10°C und feuchter Witterung freigelassen. Für Blattinfektionen ist eine hohe Luftfeuchtigkeit (90%) während mehr als 15 Stunden erforderlich.
- Vorbeugung Siehe Phoma. Bewässerung vor der Blüte fördert die Krankheit. Unterschiede in der Anfälligkeit der Sorten beachten.
- Direkte Bekämpfung Fungizide. Einschätzung wie bei Phoma.
Bedeutendste Schädlinge und deren Bekämpfung
Grüne Pfirsichblattlaus
- Bedeutung Wirtschaftliche Ertragseinbussen sind selten. Sie sind nur bei frühem Aufbau grosser Populationen und gleichzeitigem Trockenstress der Pflanzen zu erwarten. Die Blattlauskräuselungen begünstigen jedoch die Anfälligkeiten auf Krankheiten (Sklerotina), da diese Blätter schlechter abtrocknen.
- Schadbild Die Blattläuse sind gelblichgrün und bis 2 mm gross. Ihr ausgeschiedener Speichel wirkt phytotoxisch und verursacht an den Blättern Kräuselungen. Sie sind schwierig zu finden. Meistens sind sie an den noch kleinen, zusammengefalteten Herzblättern. Ameisen oder Marienkäfer weisen auf ihr Vorhandensein hin.
- Günstige Umweltbedingungen Trockenes, heisses Wetter kann zu einer explosionsartigen Vermehrung führen. Im Normalfall hilft die Entwicklung der Nützlinge (Marienkäfer) die schädliche Vermehrung der Blattläuse zu unterdrücken. Sobald die Knospen sichtbar werden, nimmt die Schädlichkeit markant ab.
- Vorbeugung Frühe, schnelle Entwicklung der Pflanzen unterstützen. Förderung der Nützlinge (Marienkäfer).
- Direkte Bekämpfung Wenn im 10- bis 12-Blatt-Stadium 50% der Blätter deutlich gekräuselt sind oder grüne Blattläuse aufweisen, kann sich der Einsatz eines bewilligten, nützlingsschonenden Insektizids lohnen.
Bitte beachten Sie die Bekämpfungsschwellen.
Unkrautbekämpfung
- Mechanisch: Bei üblichem Reihenabstand von 50 cm lassen sich Sonnenblumen gut hacken. Beschränkt man die Unkrautregulierung nur aufs Hacken sollte die Saatdichte um 10% erhöht und die Saattiefe auf 3-4cm reduzieret werden. Die mechanische Unkrautregulierung kann gut auch als Ergänzung zur chemischen Unkrautregulierung eingesetzt werden. Allfällig gebildete Krusten werden aufgerissen. Der zusätzliche Sauerstoff verleiht den Sonnenblumen häufig einen Schub. Mit der mechanischen Unkrautregulierung kann vor allem junges Unkraut bekämpft werden, indem es mit Erde zugedeckt und so verschüttet wird. Daher ist es wichtig, dass im frühen Wachstumsstadium der Unkräuter und bei trockenen Bedingungen gehackt wird. Zudem sollte es in den folgenden zwei Tagen möglichst nicht regnen. Kurz vor Reihenschluss kann und sollte gegen die Reihen angehäufelt werden, damit auch da in den Reihen enthaltene Unkraut verschüttet wird.
- Untersaat Sonnenblumen eignen sich sehr gut zur Anlage von Untersaaten. Mit dem letzten Hackdurchgang kann die Untersaat angelegt werden. Zu beginn entwickelt sich die Untersaat nur langsam, sobald die Sonnenblumen abgreifen und wieder Licht auf dem Boden gelangt, kann sich die Untersaat gut entwickeln, wobei unter andrem das Unkraut unterdrückt, und der Boden geschützt wird.
- Chemisch: Gegen Mischverunkrautung stehen nur Vorauflaufherbizide zur Verfügung. Gegen Gräser und gegen breitblättrige Unkräuter in herbizidtoleranten Sonnenblumensorten können jedoch auch Nachauflaufpräparate eingesetzt werden. Die Wahl von herbizidtoleranten Sonnenblumensorten kann auf jene Parzellen Sinn machen, wo Unkräuter vorkommen, welche nicht durch Vorauflaufherbizide erfasste werden können (z.B. Hundspetersilie).
- Durchwuchs Durchwuchssonenbumen können insbesondere in Kartoffeln und Zuckerrübern zum Problem werden. Dies umso mehr, wenn herbizidtolerante Sorten angebaut werden. Es empfiehlt sich Nach Sonnenblumen keine tiefe und wendende Bodenbearbeitung durchzuführen, sondern flach zuarbeiten, damit möglichst viele Ausfallsonnenblumen keimen und direkt beseitigt werden können
Ernte
| Zeitpunkt | Anfangs September |
| Ertrag | 30 bis 35 dt/ha |
Tipps aus der Praxis
- Es wird ein gut abgesetztes Saatbett nach z.B. Winterfurche in Kombination mit einer frühen Saat empfohlen
- Untersaaten sind möglich, konkurrenzieren die Sonnenblumen aber stark
Das detaillierte Merkblatt mit Informationen zu den Deckungsbeiträgen, ausführlicheren Angaben zum Anbau, den typischen Krankheiten & Schädlingen und zur Unkrautbekämpfung kann als Druckversion heruntergeladen werden.
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