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Getreidearten und mechanische Unkraut-Regulierung

Mit dem Frühlingsbeginn wird die Unkrautregulierung im Biogetreide aktuell. Ein Feldrundgang gibt Aufschluss über allfällige Frostschäden, die Bestockung und den Unkrautdruck. Viele Betriebe planen den ersten Striegeldurchgang oder haben ihn bereits ausgeführt.
Klebern im Biogetreide
Klebern gehören zu den wichtigsten Problemunkräutern im Getreide. Im konventionellen Anbau liegt die Schadschwelle bis zum Fahnenblatt-Stadium (DC 39) bei nur einer Pflanze auf zehn Quadratmeter. (Bild: K. Carrel, Strickhof)

Die verschiedenen Getreidearten sind unterschiedlich tolerant gegenüber Unkraut und nicht jede Getreideart verträgt den Einsatz des Hackstriegels gleich gut. Die DLG (Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft e.V.) hat im Jahr 2022 mehrere empfehlenswerte Praxis-Broschüren zum Thema mechanische Unkrautregulierung veröffentlicht. Ein Merkblatt ist dabei der Unkrautregulierung im Biogetreide gewidmet. Die Erfahrung zeigt, dass die Getreidearten, die frohwüchsig sind und lange Halme bilden, dem Unkraut grundsätzlich gut davon wachsen und den Boden beschatten. Klebern, Windenknöterich und Ackerhohlzahn gelten als besonders problematische Unkräuter; gerade Klebern können mit einem frühen Striegelstrich nochmals zurückgedrängt werden. Windhalm, Ackerfuchsschwanz und Flughafer zählen zu den wichtigsten Ungräsern. Wo immer eine Zunahme der problematischen Unkraut-Arten beobachtet wird, sollten auch die vorbeugenden Massnahmen, z.B. eine angepasste Fruchtfolgegestaltung und der Pflugeinsatz, überdacht werden.

Treffler Striegel
Die Fahrgeschwindigkeit wird an die Empfindlichkeit der Getreidekultur angepasst (Bild: © Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), DE-34117 Kassel)

Eine gute Wirkung des Striegels erreichen – Erfolgsfaktoren

Generell gilt, dass der Striegel die beste Wirkung erreicht, wenn die Unkräuter im Keimblatt oder zumindest in einem sehr kleinen Stadium bekämpft werden. Da die Wirkung des Striegels aus einer Kombination von Entwurzeln und Verschütten der Unkräuter besteht, ist die Schüttfähigkeit des Bodens ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor. Aus diesem Grund hat auch die Bodenart einen Einfluss auf die Erfolgsaussichten des Striegelns: Schwere, tonhaltige Böden trocknen langsamer und sind weniger schüttfähig als leichte Böden. 

Die Fahrgeschwindigkeit wird an die Empfindlichkeit der Kultur angepasst: In einem empfindlichen, frühen Stadium des Getreides wird für Zinkenstriegel eine Fahrgeschwindigkeit von 3-5 km/h empfohlen. Sind die Pflanzen bereits grösser, kann mit 5-10 km/h gefahren werden. Rollhackstriegel erlauben sogar noch grössere Geschwindigkeiten, je nach Kultur und Winkel der Sternräder. 

Optimalerweise wählt man ein Zeitfenster mit sonnigem, windigem Wetter, ohne Frostgefahr. Bei Frost besteht das Risiko, dass die durch den Striegel gelockerten feinen Getreidewurzeln erfrieren und so die Getreidepflanzen geschädigt werden. Ein flaches Eingreifen der Striegelzinken in den Boden genügt in der Regel. Wird der Eingriff in den Boden zu tief gewählt, besteht die Gefahr, dass zu viel Erde bewegt wird und neue Unkrautsamen zur Keimung angeregt werden. Pro Striegeldurchgang wird ein Verlust von 1-3% der Getreidepflanzen in Kauf genommen. Die Saatdichte wird im Biogetreide-Anbau aus diesem Grund um 10 Prozent höher gewählt als im konventionellen Anbau.

Winterroggen Bio für Speisenutzung
Bio-Roggen ist konkurrenzstark gegenüber Unkraut. Er wird im September gesät, bestockt sehr gut und bildet lange Halme. Gleichzeitig reagiert diese Getreideart relativ empfindlich auf einen Striegel-Einsatz im Frühling (Bild: K. Carrel, Strickhof)

Unterschiedliche Empfindlichkeit der Getreidearten

Roggen gilt als empfindlichste Wintergetreideart gegenüber dem Striegeleinsatz. Roggenwurzeln liegen relativ nahe unter der Bodenoberfläche und ertragen das Striegeln im Frühjahr eher schlecht. Zugleich ist Roggen frohwüchsig und bildet lange Halme, deshalb kann auf eine Unkrautbekämpfung zum Vegetationsbeginn oft verzichtet werden. Gerste wird wie Roggen früh im Herbst gesät und bestockt bereits vor dem Winter; dementsprechend ist ein Striegeldurchgang im Herbst empfehlenswert. Im Frühling reagiert Gerste empfindlich auf das Striegeln. Wenn Gerste im Frühling gestriegelt wird, dann besser mit einer einzigen, langsameren Durchfahrt.

Demgegenüber gilt Weizen als die am wenigsten empfindliche Wintergetreideart, die sich gut von einem Striegeldurchgang erholt. Je nach Parzelle und Unkraut-Situation kann Weizen sogar diagonal, quer oder gegenläufig gestriegelt werden. Dinkel und Triticale liegen bezüglich Empfindlichkeit zwischen diesen Extremen. Diese beiden Getreidearten bestocken ebenfalls gut und bilden lange Halme. Sie sollten nicht zu intensiv gestriegelt werden. Für alle Getreidearten wird empfohlen, die Striegelarbeit bis zum Ende der Bestockung abzuschliessen. 

Beim Sommergetreide gelten zum Teil die umgekehrten Vorzeichen: Sommerweizen reagiert sehr empfindlich auf den Striegeleinsatz und kann frühestens ab dem Dreiblatt-Stadium gestriegelt werden. Sommergerste ist frohwüchsig und regeneriert nach einem Strieldurchgang sehr gut.  Die Empfindlichkeit von Sommerhafer liegt zwischen diesen beiden Getreidearten.

Praxis-Broschüre DLG MechUK Bekämpfung
Die Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft hat im 2022 mehrere Praxis-Broschüren zum Thema mechanische Unkrautre-gulierung veröffentlicht (Bild: © DLG e. V., Eschborner Landstraße 122, 60489 Frankfurt/M.; www.DLG.org)

 

Weitere Informationen

  • DLG Praxis-Broschüren «Mechanische Beikrautregulierung»

Link zum DLG Merkblatt "Mechanische Beikrautregulierung im Getreide"

Autorin: Katrin Carrel, Strickhof Fachstelle Biolandbau

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