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Rückblick Schädlinge 2025 im Zürcher Freilandgemüsebau

Die Freilandsaison 2025 im Zürcher Gemüsebau ist weitestgehend zu Ende. Zeit für einen kurzen Rückblick auf die Schädlingssituation 2025.

Seit mehr als 10 Jahren führt die Fachstelle Gemüse am Strickhof ein umfangreiches Schaderregermonotorring auf den Zürcher Gemüseflächen durch. 2025 wurden auf insgesamt 60 verschiedenen Gemüseparzellen kostenpflichtig die Schaderreger Lauchmotte, Kohldrehherzgallmücke, Möhrenfliege, Baumwollkapseleule und Tomatenminiermotte mit Klebe- bzw. Pheromonfallen wöchentlich überwacht. Daneben wurden auf den Parzellen weitere Beobachtungen zu Krankheiten und Schädlingen gemacht. Zusammen mit den eingegangenen Anträgen auf Sonderbewilligung für die Anwendung der Pyrethroide ergibt sich daraus ein umfangreiches Bild, wie die Schaderregersituation im Kanton Zürich in der Saison 2025 verlaufen ist. 

Rübenrüssler und Schilfglasflügelzikade auch in den Gemüsefeldern des Kantons ZH

Im Spätsommer/Herbst 2024 erreichte uns die erste Meldung aus dem Kanton über das Auftreten des Rübenrüsslers (Lixus juncii) von einem kleineren Krautstielproduzenten. Der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Schädling war im Jahr 2024 bereits in westlichen Gemüseanbaugebieten der Schweiz ein grösseres Problem, im Kanton Zürich jedoch noch neu. Entsprechend haben wir 2025 in Krautstiel und Randenparzellen gezielt nach dem Schädling Ausschau gehalten. Am Freitag 2. Mai gelang es dann in einer Krautstielparzelle einige Tiere zu entdecken und ihrer Habhaft zu werden. Was vielleicht tönt wie eine Verfolgungsjagd, beschreibt  übrigens recht treffend wie schwer es ist adulte Rübenrüssler zu fangen. Der recht grosse Rüsselkäfer bewegt sich sehr flink auf den Pflanzen und wenn er sich bedroht fühlt, lässt er sich einfach zu Boden fallen. Auf dem Boden ist er dann aufgrund der Färbung nurmehr schwer aufzufinden. Nach diesem ersten, durch die Entomologie von Agroscope bestätigten Fund in Krautstiel, hat unsere Fachstelle den Schädling auch in Randen gesichtet. Zudem erreichten uns mehrere Meldungen von Profibetrieben und sogar von Hausgartenbesitzern über das Auftreten des Schädlings. Ebenfalls wurden Berichte von Larvenfrass an den Randen bei der Ernte und dadurch Rüstabgang an uns herangetragen. Bereits von grösseren Schadflächen haben unsere Kollegen aus dem Kanton Aargau berichtet. 2025 bestätigte also, dass es sich 2024 nicht um ein einmaliges Auftreten im Kanton Zürich handelte, sondern dass sich der Schädling bei uns ausgebreitet hat. Entsprechend laufen nun auch die Forschungsaktivitäten an, um geeignete Bekämpfungsmöglichkeiten zu finden. Das Schadpotential in Randen und Krautstiel des Schädlings ist gross!

Einer der am 2. Mai 2025 in Krautstiel gefangenen Rübenrüssler
Einer der am 2. Mai 2025 in Krautstiel gefangenen Rübenrüssler

 

Ein ähnliches Ausbreitungsmuster in der Schweiz von West nach Ost zeigt auch die Schilfglasflügelzikade (Pentastiridius leporinus). Bisher war die Schilfglasflügelzikade vor allem im westlichen Mittelland präsent. Dieses Jahr beteiligte sich unsere Fachstelle mit einer transparenten Klebefalle in Randen am nationalen Monitoring der Gemüseflächen, welches unter Leitung von Agroscope durchgeführt wurde. Ende Juni, Anfang Juli haben wir an dem Standort dann in der Tat insgesamt 7 Individuen der Schilfglasflügelzikade gefangen. Gefürchtet ist bei der Schilfglasflügelzikade allerdings nicht das Insekt an sich, sondern zwei bakterielle Krankheitserreger: der Candidatus Arseniphonus phytopathogenicus und das Stolbur-Phytoplasma, welche mutmasslich über die Zikade übertragen werden. Die gute Nachricht: In den eingesendeten Individuen der Schilfglasflügelzikade aus der Randenkultur im Kanton ZH konnten keine Krankheitserreger isoliert werden. Auch im nationalen Gemüse-Netzwerk wurden insgesamt nur wenige mit Krankheitserregern "beladene" Zikaden festgestellt. Die Ausbreitung der Zikade von West nach Ost im Schweizer Gemüsebau konnte jedoch bestätigt werden. So gab es Fänge in den Kantonen FR, AG und ZH, bisher jedoch noch nicht aus den Kantonen TG und SG. Das Monitoring wird auch 2026 weitergeführt. 

 

Vermehrt Probleme mit Eulenraupen 

Eher ungewöhnliche Anfragen kamen im Zeitraum Ende Juni bis Anfang Juli an unsere Fachstelle heran. Von mehreren Produzenten wurden Schädigungen durch Erdraupen (im Boden lebende Larvenstadien von Eulenfaltern) an Karotten gemeldet. Weil die Karotten damals gerade am Auflaufen waren, waren die Schäden gut sichtbar. Ob es sich dabei im Einzelnen um Raupen der wandernden Ypsiloneule (Agrotis ipsilon), die dieses Jahr auch im Ackerbau vermehrt Probleme verursachte, oder um die standorttreue Saateule (Agrotis segetum) gehandelt hat, konnte nicht immer genau bestimmt werden. Die Meldungen kamen vor allem wegen der Nachfrage nach Sonderbewilligung an unsere Fachstelle heran. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Erdraupen in Karotten eine der in der Direktzahlungsverordnung definierten Ausnahmeindikationen ist, die nicht der Sonderbewilligungspflicht für die Pyrethroide unterstehen. Eine weitere Häufung von Meldungen von Befall mit Erdraupen verzeichneten wir dann Ende Juli. Zu diesem Zeitpunkt dann vor allem an Salatkulturen. Die ebenfalls zu den Eulenfaltern gehörende Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) wurde dieses Jahr an vier Standorten im Kanton überwacht. Ab Anfang Juli gab es regelmässige Fänge auf zwei der vier Parzellen. Auf dem falschen Fuss erwischt wie 2023 wurden die Produzenten daher nicht mehr und die Bekämpfungen konnten rechtzeitig erfolgen. Insgesamt traten aber 2025 auffallend viele Probleme mit der Insektengruppe der Eulenfaltern auf. 

Schwarze Bohnenblattläuse im Mai 2025 an einem Randenblatt
Schwarze Bohnenblattläuse im Mai 2025 an einem Randenblatt

 

Bereits bei den ersten ungedeckten Sätzen im Mai gab es in der Saison 2025 einen massiven Druck mit Blattläusen zu verzeichnen. Nebst starkem Befall der grünen Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) an Salat, traten auch vermehrt die schwarze Bohnenblattlaus (Aphis fabae) an verschiedenen Kulturen und die Gierschblattlaus (Cavariella aegopodii) an Doldenblütlern wie z.B. Karotten auf. Wie bei einer intensiven Lauswelle üblich, war in den Folgewochen dann auch eindrücklich die vermehrte Nützlingsaktivität in Form von Marienkäferlarven, Blattlausmumien durch Parasitierung oder von Schwebfliegenlarven zu beobachten. 

Auf die Lauswelle folgten die Nützlinge: Puppe einer Schwebfliege deren Larven Blattläuse fressen im Juni 2025
Auf die Lauswelle folgten die Nützlinge: Puppe einer Schwebfliege deren Larven Blattläuse fressen im Juni 2025

 

Flugkurve der Möhrenfliege gibt Aufschluss über optimalen Behandlungszeitpunkt

Bei den kostenpflichtig überwachten Schädlingen standen 2025 die meisten Fallen in den Karottenfeldern zur Überwachung der Möhrenfliege. Auch 2025 zeigten sich die für diesen Schädling typischen drei Hauptflüge. Der Flug der 1. Generation startete Ende April und hatte seinen Höhepunkt relativ spät in der Kalenderwoche 20, Mitte Mai. Der 2. Hauptflug erstreckte sich über einen relativ langen Zeitraum von Anfang Juli bis Anfang August, war aber insgesamt relativ schwach. Das gleiche Muster mit einem langgestreckten aber schwachen 2. Hauptflug konnte auch in den beiden Vorjahren beobachtet werden. Beim 3. Hauptflug zeigte sich wiederum ein stärkerer, eindeutiger Flughöhepunkt in der Kalenderwoche 39/40 beim Übergang September zu Oktober. In dieser Jahreszeit ist jeweils darauf hinzuweisen, dass eine Behandlung selbst bei Überschreitung der Schadschwelle von 1 Tier pro Falle und Woche (Durchschnitt aus 2 Fallen pro Feld) nur noch dann nötig ist, wenn die Ernte erst 3-4 Wochen später erfolgt. Die aus dem 3. Flug entstehenden Larven benötigen ungefähr so lange bis sie das letzte Larvenstadium erreicht haben. Erst dieses dringt dann effektiv in die Hauptwurzel der Karotten ein und verursacht die bekannten Frassgänge. Wird also früher geerntet, erübrigt sich eine Bekämpfung gegen diese Generation. Auch dieses Jahr gab es auf 8 von 31 überwachten Feldern keinerlei Flugaktivität der Möhrenfliege. Auf weiteren 8 Feldern gab es nur Einzelfänge ohne Überschreitung der Schadschwelle. Effektive "Problemparzellen" in denen die Schadschwelle deutlich überschritten wurde (mehr als 5 Tiere pro Falle und Woche) gab es sogar nur 3. Das verdeutlicht einmal mehr die Wichtigkeit der parzellenscharfen Feldüberwachung dieses Schädlings. Für die Anleitung zur Flugüberwachung der Möhrenfliege steht unsere Fachstelle gerne zur Verfügung. 

Möhrenfliege auf einer Gelbfalle im Oktober 2025
Möhrenfliegen auf einer Gelbfalle im Oktober 2025

 

Auswertung Schaderregermonitoring Gemüse ZH 2025

Einige Kurzvideos unserer Feldrundgänge, welche auf YouTube bzw. Instagram publiziert wurden, finden Sie hier: