Rückblick 6. nationale Gewächshaustagung
Bahnbrechendes
Bas Froon von Saia Agrobotics stellte ein System vor, bei dem die Tomaten nicht stationär sind und dafür an einer mobilen Aufhängung zur zentralen Station gehen. Dort werden wöchentlich drei Blätter entfernt und eine Rispe geerntet sowie die Pflanze gekürzt. Danach geht die Pflanze zurück ins Gewächshaus, wo in einem aeroponischen System neue Wurzeln zum Wuchs angeregt werden. Weil die manuelle Ernte und das Entblättern entfällt, sollen die Arbeitskosten halbiert werden. Zudem kann die Pflanze dank ständigem Erneuern älter werden, wodurch der Kulturzeitausfall durch Kulturwechsel reduziert werden kann.
Energie
Benoit Ströhlin von K51 stellte sein System vor, bei dem die Abwärme von Servern genutzt wird, um fossilfrei die Gewächshäuser zu heizen. Das System ist gesteuert aufgrund dem Wärmebedarf. Ein Container genügt, um bis zu 1 MW Wärme zu bekommen. Knackpunkt kann ein genügend grosser Stromanschluss sein. Weitere Lösungen, um Energie zu sparen, sind Entfeuchtungssysteme. Denn der Verlust latenter Wärme ist im Gewächshaus ein sehr relevanter Posten. AirGaia stellte seine Systeme vor, die entweder mechanisch oder mittels Wärmepumpe die Energie der ausgehenden feuchten Luft mit der hereinkommenden trockneren Luft tauschen. Voltiris hat unterdessen das erste Hektarenprojekt bei Meier Gemüse realisiert. Dabei werden von der Pflanze nicht benötigte Wellenlängen des Lichtes zur Stromproduktion genutzt. Daraus resultiert an warmen Tagen ein um bis zu 3°C kühleres Gewächshausklima.
Sensortechnik
Sigrow bietet eine Thermalkamera an, die Pflanzenteile von der Umgebung unterscheiden kann und so ein Temperaturband ermittelt. Eine gepaarte Klimabox zeigt auf, ob die Pflanzentemperatur über dem Taupunkt liegt, was ein Kultivieren näher am Taupunkt erlaubt. Denn 1% mehr Feuchte entspricht etwa 1m3 Gaseinsparung pro m2. Ebenso kann damit laut Mihnea Paraschiv das VPD berechnet werden, mit dem auf die Verdunstungsaktivität der Pflanze geschlossen werden kann. Damit können Probleme wie Blütenendfäule und andere verdunstungsrelevante Themen verhindert werden. Julien de Giorgi von Vivent stellte seine Sensoren vor, die elektrische Signale der Pflanze aufnehmen und deuten können. Damit kann beispielsweise über den Wasserbedarf die Bewässerung gesteuert, Nährstoffmängel entdeckt oder frühzeitig Krankheiten und Schädlingsbefall erkannt werden.
KI gesteuerte Kultursteuerung und Planung
Wim van Wingerden von ProJoules zeigte, wie wichtig es ist, die Strahlung dem Pflanzenbedarf anzupassen und so beispielsweise den richtigen Zeitpunkt fürs Schattieren zu finden. Jan Hanemaaijer von Blue Radix stellte den Crop Controller vor, der Zielvorgaben der Produzenten in Einstellungen umsetzt und dabei drei Tage vorausschaut und dabei vergangene Daten berücksichtigt. Beispielsweise wird so ein vom Produzenten vorgegebenes RTR oder eine Mattenrücktrocknung erreicht. Zudem ist eine Ernteprognose möglich. Tom van den Berg stellte die Lösungen von Source vor, mit denen Kulturstrategien durch Simulation, Ernteprognosen und Bewässerungssteuerung möglich sind, eine automatische Klimakontrolle ist in Erarbeitung. Priva bietet mit Priva one eine Lösung, die Sensordaten externer Hersteller verarbeiten kann und Möglichkeiten der autonomen Steuerung bietet. Sei es durch das eigene Programm Plantonomy oder externe wie Source und BlueRadix. Mit PrivaEco steht zudem ein Programm zur Verfügung, mit dem verschiedene Energiequellen kostenoptimiert kombiniert werden können.
Düngung
Rolf Jost zeigte auf, wie bei Landor ein Düngerezept berechnet wird. Im Anschluss referierte Jeroen Versteegen von Nova Crop Control über die Interpretation von Nährstoffanalysen. So ist das Verhältnis von K/Ca als auch die Ionenbalance wichtig, damit kein Antagonismus entsteht. So kann beispielsweise die Ca Aufnahme verbessert werden, wenn der K-Gehalt im Drain gegen 0 geht. Um zu schauen, ob die Pflanze dabei keinen K-Mangel erleidet, sind Pflanzensaftanalysen unabdingbar.
Pflanzengesundheit
Agroscope stellte die Resultate des Screenings TOBRFV resistenter Tomatensorten vor. Dabei werden ein paar Sorten wegfallen wegen ungenügender optischer oder geschmacklicher Qualität. Weitere Durchfallkriterien waren geringer Ertrag, grosser Ausschuss oder geringe und teils auch instabile Brix. Doch es gibt vielversprechende Sorten. Diese müssen vom Handel noch akzeptiert werden.
Livio Tasselli von Bioreba stellte die Analysemöglichkeiten seines Labors vor. Claire Goillon von APREL aus Frankreich präsentierte den neuen durch Rostmilben übertragenen Tomatenvirus ToFBV, welcher zu Früchten mit Farbflecken führt. Das Schadpotential liegt je nach Versuch und Anbauart zwischen 2 und 20%. Auch bei den Kürbisgewächsen wartet im Ausland mit dem ToLCNDV der nächste Virus. Er wird durch Bemisia, aber nicht durch Trialeurodes übertragen. Symptome sind aufgehellte und mosaikartig verfärbte Blätter sowie deformierte Früchte.