Pflanzenschutz der Zukunft ist digital
Von 2019 bis 2024 haben die landwirtschaftlichen Zentren Strickhof, Arenenberg und Liebegg mit rund 60 Betrieben in den Kantonen Zürich, Thurgau und Aargau im PFLOPF-Projekt ein ambitioniertes Ziel verfolgt: Die Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes um mindestens 25 Prozent durch den Einsatz digitaler Precision-Farming-Technologien. Das vom Bundesamt für Landwirtschaft mitfinanzierte und von Agroscope wissenschaftlich begleitete Projekt ist im siebten Projektjahr 2025 ausgewertet worden und wird im Jahr 2026 mit Abschlussveranstaltungen beendet.
Technologien im Praxiseinsatz
Auf insgesamt 860 Hektaren Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebfläche konnten die teilnehmenden Betriebe aus sieben verschiedenen Massnahmen wählen: Von betriebsspezifischen Prognosemodellen über GPS-Lenksysteme, automatische Teilbreitenschaltungen bis hin zu kameragesteuerten Hackgeräten, Spot-Spraying-Systemen, Mulchrobotern und Spritzdrohnen. Jeder Betrieb wurde dabei intensiv von den kantonalen Fachstellen unterstützt und begleitet.
Grösste Einsparung im Gemüsebau
Die wissenschaftliche Auswertung durch Agroscope zeigt differenzierte Ergebnisse: Während Spot-Spraying-Systeme im Gemüsebau Einsparungen von bis zu 80% bei Herbiziden ermöglichen und kameragesteuerte Hackgeräte den Herbizideinsatz in Zuckerrüben und Mais halbieren können, fallen die Erfolge bei anderen Technologien moderater aus. GPS-gesteuerte Teilbreitenschaltungen sparen rund 4% Pflanzenschutzmittel ein, Prognosemodelle für Fungizidbehandlungen in Winterweizen ermöglichen je nach Witterung 5 bis 25% Reduktion.
Kosten und Nutzen im Fokus
Die betriebswirtschaftliche Analyse zeigt: Für durchschnittlich grosse Ackerbaubetriebe mit 32,5 Hektaren offener Ackerfläche lohnen sich GPS-Lenksysteme wirtschaftlich. Auch die Kosten für Teilbreitenschaltungen und das Hacken zwischen den Reihen können auf diesen Betrieben nahezu ausgeglichen werden. Hochpräzise Spot-Spraying-Systeme ersetzten übliche Feldspritzen noch nicht, so dass bei einer Anschaffung hohe zusätzliche Kosten entstehen. Hier könnte die seit Januar 2025 verfügbare Strukturverbesserungsförderung des Bundes und des Kantons Zürich Abhilfe schaffen: Bis zu 20% der Anschaffungskosten für E-Traktoren und Feldroboter werden nun unterstützt.
Praxistauglichkeit als Schlüssel
Besonders geschätzt wurden im PFLOPF-Projekt von den Betrieben Technologien, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen – wie Lenksysteme und Teilbreitenschaltungen. Auch Prognosemodelle und die WhatsApp-basierte Kommunikation mit der Beratung stiessen auf hohe Akzeptanz.
Die Erkenntnisse nach sechs aktiven Projektjahren zeigen: Die Digitalisierung im Pflanzenschutz ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität – wenn Technologie, Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit zusammenpassen.