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Bei Kontakt mit Metaldehyd werden die Schleimzellen der Schnecken irreversibel geschu00e4digt, was zu einer massiven u00dcberproduktion von Schleim und letztlich zum Tod durch Dehydrierung fu00fchrt. Foto: Strickhof>

Pflanzenbau News Strickhof vom 8. April 2026

Themen dieser Woche sind: Frühjahrssaaten: Schnecken; Vogelschäden ¦ Maiszünsler ¦ Rapsglanzkäfer ¦ Zuckerrüben: Auflaufqualität- und -quantität kontrollieren; Unkrautkontrolle; Schädlingskontrolle

Frühjahrssaaten

Schnecken

Mit Blick auf die angekündigten Niederschläge zu Beginn der kommenden Woche nimmt das Risiko für Schneckenfrass und damit verbundene Pflanzenausfälle bei frisch keimenden Frühjahrskulturen massiv zu. Besonders Zuckerrüben und Sonnenblumen sind in der kritischen Phase von der Keimung bis zum 3-4 Blattstadium stark gefährdet.

Um rechtzeitig über eine notwendige Flächenbehandlung entscheiden zu können, empfiehlt sich die Anlage von Schneckenkontrollfenstern unmittelbar nach der Saat. Hierzu wird an acht bis zehn Stellen im Feld jeweils eine Handvoll Schneckenkörner ausgebracht. Für diese gezielte Überwachung sollten zwingend Produkte auf Metaldehyd-Basis verwendet werden, da nur dieser Wirkstoff die charakteristischen Schleimspuren auf dem Boden hinterlässt. Durch eine Kontrolle dieser Stellen am frühen Folgemorgen lassen sich die Schleimspuren und die Aktivität der Schädlinge eindeutig identifizieren.

Frühjahrssaaten Schnecken
Bei Kontakt mit Metaldehyd werden die Schleimzellen der Schnecken irreversibel geschädigt, was zu einer massiven Überproduktion von Schleim und letztlich zum Tod durch Dehydrierung führt. Foto: Strickhof

 

Vogelschäden

In Gebieten mit hohem Besatz an Krähen oder Tauben sind flache Saaten besonders anfällig für Vogelschäden. Speziell im Maisanbau bietet die Saatgutbehandlung mit Korit 420 FS (Wirkstoff Ziram) weiterhin einen wirksamen chemischen Schutz gegen Vogelfrass. Alternativ ist Mais- und Sonnenblumensaatgut mit Ibisio (Pfeffer-Extrakt) erhältlich, wofür auch in diesem Jahr wieder eine Notfallzulassung erteilt wurde. Um den Vögeln nach erfolgter Saat die Orientierung zu erschweren, sollten die Saatfurchen mit einer Walze eingeebnet werden, denn eine ebene, feinkrümelige Bodenoberfläche ohne sichtbare Drillschlitze bietet deutlich weniger Anhaltspunkte für die Nahrungssuche.

Ergänzend spielen Vergrämungsmassnahmen eine zentrale Rolle, wobei die Vermeidung von Gewöhnungseffekten der kritische Erfolgsfaktor ist. Akustische oder visuelle Abwehrmassnahmen wie Knallgeräte, Drachen oder Flatterbänder erzielen nur dann eine nachhaltige Wirkung, wenn sie regelmässig in ihrer Position verändert und in der Intensität variiert werden. Für eine psychologische Abschreckung hat sich zudem das Vortäuschen einer «Krähenrupfung» bewährt. Hier ist die Zusammenarbeit mit dem regionalen Wildhüter essenziell, um an Krähenfedern eines rechtmässig erlangten Tierkörpers zu gelangen.

Saat Frühjahr Vogelschäden verhindern
Ein etwas tiefer Saathorizont, ein vollständig überdecktes Saatgut und ein anschliessender Walzdurchgang ver-ringert die Lockwirkung für Krähen. Foto: Strickhof

 

Mais

Maiszünsler

Für eine erfolgreiche Regulierung des Maiszünslers ist die biologische Bekämpfung mittels Trichogramma-Schlupfwespen rechtzeitig einzuplanen. Um die Verfügbarkeit der Nützlinge für diese Saison sicherzustellen, müssen die Bestellungen zeitnah bei den entsprechenden Anbietern eingehen. Die Bestellfrist für das Jahr 2026 endet bei Agroline am 20. April, während für Bezüge über Andermatt Biocontrol sowie Omya der 30. April 2026 als Stichtag gilt. Die Freilassungstermine orientieren sich eng an der Phänologie des Schädlings und werden auf Basis von Pheromonfallen und Temperatursummen festgelegt. Da die adulten Wespen nur eine kurze Lebensdauer haben, ist eine zeitnahe Ausbringung nach Erhalt der Lieferung für den Bekämpfungserfolg essenziell.

Die Wirksamkeit dieser Methode basiert auf der Parasitierung der Maiszünslereier durch die Schlupfwespen, wodurch die Larvenentwicklung unterbunden wird. Bei optimalen Bedingungen und fachgerechter Ausbringung – wahlweise manuell über Depots (Karten/Kapseln) oder per Drohne – lassen sich Wirkungsgrade von bis zu 80 % erzielen. Ein wesentlicher agronomischer Vorteil liegt dabei nicht nur im Erhalt der Standfestigkeit und des Ertrags, sondern auch in der indirekten Reduktion von Mykotoxinbelastungen: Da die Frassgänge der Zünslerlarven als Eintrittspforten für Fusarium-Pilze dienen, senkt die biologische Kontrolle das Risiko für eine spätere Toxinbildung im Erntegut massgeblich.

Mais Schädlinge
Ein letztjähriger starker Maiszünslerbefall rechtfertigt eine akribische Schädlingskontrolle in diesem Jahr. Foto: Strickhof

 

Raps

Rapsglanzkäfer

Der Einflug der Glanzkäfer über die Ostertage war massiv. Wer Nervenstärke bewies, tolerierte den Zuflug am Ostersamstag und konzentrierte sich auf eine Bekämpfung während dem Haupteinflug. Der fand am Sonntag und Montag statt. Der warme, windstille Dienstag war somit prädestiniert für die Glanzkäfer-Behandlung. Da alle Mittel eineschwache Dauerwirkung aufweisen und weil der Käfer beim Annagen der Knospen nur wenig Wirkstoff aufnimmt, ist die Behandlung nach dem Haupteinflug am effektivsten. Mit dem Aufblühen erster Teilflächen wird sich die Lage entspannen. Der Insektizideinsatz mit den bewilligten Produkten ist ab DC 60, erste offene Blüten am Haupttrieb, verboten. Ein moderater Glanzkäferbefall ist ab Beginn Blüte nicht mehr problematisch, weil die Käfer über die geöffnete Blüte zum Pollen gelangen. Wird ein massiver Befall mit 30-40 Käfer je Pflanze nicht bekämpft, sind offene Blüten rasch überbesucht und enthalten keinen Pollen mehr. Auf der Suche nach dem nahrhaften Pollen nagen die Käfer, trotz geöffneter Blüten, viele noch geschlossene Knospen dennoch auf. Wo die Blütenknospen noch geschlossen sind, liegt die BKS der Glanzkäfer bei 10 Käfer je Pflanze. Der Probenumfang beträgt 5x10 Pflanzen, wobei nicht nur die grössten, dominierenden Pflanzen geschüttelt werden sollen. Das Klopfen in die Hand ist zu ungenau, insbesondere seitdem auch die Seitenknospen entwickelt sind, denn die Schadschwelle gilt jeweils für die ganze Rapspflanze und nicht nur für den Haupttrieb. Am besten klopft man jede Pflanze einzeln in einen Karton oder ein Becken. Eine Sonderbewilligung für das Pyrethroid Blocker (sonderbewilligung.strickhof.ch) kann erst erteilt werden, falls vorgängig ein Produkt angewendet wurde, welches keine Sonderbewilligung benötigt – Spinosad (Audienz / Elvis) oder Acetamiprid (Gazelle SG, etc.) – und die Schadschwelle abermals überschritten wird. Alle Insektizide, ausser Kaolin (Surround), dürfen nur einmal pro Kultur und Jahr eingesetzt werden.

Rapsglanzkäfer
Für die Klopfprobe muss bei weit entwickelten Pflanzen ein Gefäss zur Hilfe genommen werden, denn die Bekämpfungsschwelle gilt für die ganze Pflanze. Foto: Strickhof

 

Zuckerrüben

Auflaufqualität und -quantität kontrollieren

Die Zuckerrübensaat neigt sich dem Ende zu. Die momentan warmen Temperaturen führen dazu, dass in den nächsten Tagen die allermeisten Rübenparzellen gesät werden. Ein Grossteil wurde bereits vor zwei Wochen ausgesät. In diesen Feldern sind die Rüben momentan am Auflaufen. Auch wenn die Bedingungen mehrheitlich gut waren, lohnt es sich vor allem bei Frühsaaten (um 10. März) die Auflaufqualität zu kontrollieren. Hierzu zählt man am besten an mehreren Reihen die Rübenpflanzen aus. Solange im Schnitt mehrerer Reihen mehr als 25 Pflanzen pro 10m gezählt werden, ist ein Umbruch nicht lohnenswert.

Unkrautkontrolle

In Klassikrüben wird mit dem Auflaufen der Rübenpflanzen auch die erste Herbizidanwendung aktuell. Damit die Keimlinge möglichst wenig Stress ausgesetzt sind, sollten Ergänzungsmittel mit Bodenwirkung im ersten Split niedrig dosiert werden und nur eingesetzt werden, wenn Problemunkräuter auf der Parzelle vorzufinden sind. Um ein paar davon zu nennen: Ausfallraps und -sonnenblumen, Hundspetersilie, Bingelkraut Windenknöterich und Klebern. Die Wirkung von Bodenherbiziden ist bei feuchten Verhältnissen am besten. Bei trockenen, sonnig-warmen Bedingungen sollte die Dosis der Kontaktherbizide erhöht werden. Im klassischen Rübenanbau erfolgt die Unkrautregulation während dem Keimblattstadium der Unkräuter. Wenn das Unkraut bereits echte Blätter aufweist, muss die Herbiziddosis erhöht werden, was auch mehr Stress für die Kultur verursacht. Bei Smart Rüben sollte mit der ersten Herbizidapplikation zugewartet werden, bis sich der Weisse Gänsefuss im 2-4-Blattstadium befindet.

Schädlingskontrollen

Die Schädlingssituation muss nach dem Auflaufen der Rübenpflanzen auch im Auge behalten werden. Es gelten die gängigen Auflaufschädlinge wie Schnecken, Rübenerdflöhe und Erdschnaken-Larven zu überwachen. Schnecken und Erdschnaken werden vor allem gefördert, wenn vor den Zuckerrüben eine Kunstwiese oder früh ausgesäte Gründüngungen auf dem Feld angelegt waren. Erdflöhe mögen warme, trockene Witterungsverhältnisse. Ihr Befall äussert sich über Schabstellen an den Rüben. Die neue Saatgutbeize besitzt eine ungefähre Wirkdauer von maximal 4 Wochen. Bei früh gesäten Rüben ist dieser Schutz grösstenteils bereits abgeklungen. Die Bekämpfungsschwelle des Erdflohs gilt als erreicht, sobald 50% der Rübenpflanzen befallen sind und Schäden aufweisen. Eine Bekämpfung des Rübenerdflohs ist nur mit Sonderbewilligung des kantonalen Pflanzenschutzdienstes erlaubt.

Rübensaat
Rüben, welche um den 20. März gesät wurden, sind nun am Auflaufen (Matthias Lüscher, Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau).

 

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