Pflanzenbau News Strickhof vom 6. Mai 2026
Zuckerrüben
Blattläuse
Die Überwachung der Blattläuse wird auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des Überwachungsnetzes von den kantonalen Pflanzenschutzfachstellen und der Schweizerischen Zuckerrübenfachstelle koordiniert. Diese Woche haben wir noch keine grünen Blattläuse (Überträger von Viren) auf unseren Monitoringflächen gefunden. Es gibt somit noch keinen Anlass für den Einsatz von Teppeki oder Movento.
Es finden sich vereinzelte Kolonien von schwarzen Blattläusen in früh gesäten Beständen. Der Regen wird deren Entwicklung aber bremsen. Sollten die schwarzen Blattläuse die Bekämpfungsschwelle dennoch überschreiten (4-Blatt-Stadium 50 % und ab 6-Blatt-Stadium 80 % befallene Pflanzen), kann eine Applikation mit Pirimicarb (Pirimor etc.) in Betracht gezogen werden. Beim Dosieren des Pirimicarb-Granulats muss unbedingt eine Staubschutzmaske FFP3 getragen werden. Der Einsatz von Pirimor ist nur bei Temperaturen über 15 °C möglich. Bei kühlerem Wetter (ab Mitte nächster Woche) ist die Wirkung ungenügend. Um die geschonten Nützlinge vor einer Hungersnot zu bewahren, sind grosse Spritzfenster sinnvoll. Diese verhindern, dass es später zu einem erneuten Auftreten der schwarzen Blattläuse kommt. Teppeki, Movento SC oder Acetamiprid sollten zur Bekämpfung der grünen Blattläuse «aufgespart» werden; für die schwarze Bohnenlaus ist Pirimicarb gut geeignet.
Im Folgenden die Bewilligungssituation bei den Insektiziden gegen Blattläuse in Rüben. Zur Verfügung stehen vier Wirkstoffe (Einsatz gemäss Empfehlung):
Rübenrüssler
Neben den Blattläusen wird langsam, aber sicher auch ein weiterer Schädling in den Rüben aktuell. Die Rede ist vom Rübenrüssler, welcher ab Mitte Mai in die Zuckerrüben einfliegen kann, um sich zu paaren und seine Eier in die Blattstängel der Rüben zu legen. Aus diesen Eiern schlüpfen folglich die Larven des Käfers, welche sich wiederum durch die Blattstängel Richtung Rübenkopf bohren. Je nach Witterungsbedingungen machen diese Laven auch nicht vor dem Rübenkopf halt und hinterlassen dort Bohrlöcher, die Pilzerregern Eintritt verschaffen. Der Käfer an sich ist ein eher scheues Tier, welches sich bei drohender Gefahr vom Blattwerk der Rüben auf den Boden fallen lässt. Bei Regen oder Bewässerung wird der Käfer rasch immobil und verharrt trockenere Bedingungen aus. Die Eiablagestellen sind an den Blattstängeln der Rüben aufgrund der schwarzen Verfärbung gut erkennbar. Seit 2023 konnte sich der Schädling über das gesamte Anbaugebiet verbreiten. Am stärksten befallen waren bislang das Berner Seeland und Aaretal. Jedoch auch in östlicheren Teilen kam der Käfer im letzten Jahr mal mehr oder weniger vor. Die Überwachung des Rüsselkäfers und dessen Schäden müssen genau beobachtet werden. Im Winter hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Notfallzulassung zur Bekämpfung des Rübenrüsslers erlassen. Die Bekämpfungsmethode konzentriert sich auf den Einsatz des Wirkstoffs Acetamiprid (Gazelle SG, Oryx Pro, Pistol, Gepard). Die zugelassene Dosierung beträgt 200 g/ha. Pro Hektar und Jahr ist nur eine einzige Anwendung des Mittels zulässig. Die Anwendung unterliegt einer Sonderbewilligung durch die kantonalen Pflanzenschutzdienste. Es bleibt abzuwarten wie sich der Befall heuer in den östlicheren Anbaugebieten äussert und ob dieser bekämpfungswürdig ist.
Gerste
Krankheiten
Die Wintergerste schiebt die Ähre (DC 51 bis 59). Fast alle Fungizide sind nur bis zum Stadium DC 51 (Grannenspitzen sichtbar) zugelassen. Eine Ausnahme bildet gemäss Verzeichnis das Produkt Pandorra, das bis DC 61 (Beginn der Blüte, Staubbeutel erscheinen in der Ährenmitte) eingesetzt werden kann.
Der Wetterwechsel von Regenschauern auf viel Sonnenlicht begünstigt die Bildung von PLS-Flecken. Diese braunen, kleinen, runden Punkte können entweder durch einen Pilz (Ramularia collo-cygni) oder durch die Bildung von zellschädigenden Stoffen im Blatt bei intensiver Sonnenstrahlung nach einer Schlechtwetterphase entstehen. Gegen Sprenkelnekrosen (PLS-Flecken) können bis DC 51 Schwefel (als Fungizid oder Blattdünger), Serenade ASO, Amistar Max (mit Folpet) oder andere wirkungsvolle Fungizide (siehe PSM im Feldbau S. 14) eingesetzt werden.
Weizen
Getreidehähnchen
Getreideblätter mit ca. 1 cm langen Schlitzen in Längsrichtung weisen auf Frasssymptome der adulten Käfer hin. Die Larven fressen nur die oberste Blattschicht, zu erkennen am weisslichen Strichfrass oder später – bei starkem Befall – an den weissen Fahnenblattspitzen. Die warmen Temperaturen um Ostern führten bei den Getreidehähnchen zu vielen Eiablagen. Es bleibt zu hoffen, dass viele Eier durch die Winde bei den angesagten Gewittern abgestreift werden.
Die Kontrolle beginnt erst ab DC 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) und sobald die ersten Larven geschlüpft sind. Für die Bekämpfungsschwelle (BKS) sind nur die Larven massgebend; die Eier bzw. die adulten Käfer werden nicht gezählt. Die Schwelle beträgt im Stadium DC 39–51 im Durchschnitt 2 Larven je Halm bzw. im DC 51–61 2 Larven je Fahnenblatt. Im Vergleich zu früher werden die Eier nicht mehr gezählt. Die BKS sind sehr hoch angesetzt; in den letzten Jahren wurden sie eigentlich nicht mehr überschritten.
Kartoffeln
Krautfäule
Aktuell sind noch keine Krautfäule-Befallsmeldungen eingegangen. Mit den sporadischen Regenschauern in Kombination mit den milden Temperaturen in dieser Woche nimmt jedoch das Infektionsrisiko zu. Bitte kontrollieren Sie Frühkartoffeln (unter Folie abgedeckt) und die anderen Kartoffelbestände besonders aufmerksam. Melden Sie Krautfäule-Befall oder Verdachtsfälle unbedingt und umgehend bei uns oder direkt an PhytoPRE (Agroscope, Zürich-Reckenholz, Tomke Musa, 058 468 72 39, www.phytopre.ch).
Diese frühzeitigen Meldungen sind entscheidend, damit die Kartoffelproduzenten im Umkreis rechtzeitig informiert werden können, um eine epidemieartige Ausbreitung der Krautfäule zu verhindern. Vielen Dank für Ihre Mitwirkung!
Mais
Schnecken
Die lang ersehnten Niederschläge sind eingetroffen und auch der erst kürzlich gesäte Mais sollte nun zügig auflaufen. Damit wird die Überwachung der Schnecken wieder aktuell. Durch das Anlegen von Schneckenfallen mit metaldehydhaltigen Schneckenkörnern kann das Vorhandensein von Schnecken überprüft werden. Auch die glänzenden Schleimspuren auf dem Boden oder den Pflanzen sowie die typischen Frasssymptome bei Mais – Frass in Längsrichtung der Blätter – zeigen an, ob Schnecken aktiv sind.