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Weizentrieb in BBCH 29. Die u00c4hrenspitze ist weniger als 1 cm vom Bestockungsknoten entfernt. Bild: M. Baur>

Pflanzenbau News Strickhof vom 25. März 2026

Themen dieser Woche: Frühjahrssaaten: Schneckenkontrollfenster anlegen ¦ Rapsglanzkäfer; Monitoring und Bekämpfungsschwelle; Witterung & Wirkungsweise der Insektizide; Optimierung der Spritzbrühe und UV-Schutz; Mischverhältnis ¦ Düngung: Neues aus der Weizen-Düngung ¦ Biolandbau: Striegelintensität an den Bestand anpassen; Passende Bedingungen für den zweiten Striegeleinsatz

Frühjahrssaaten

Schneckenkontrollfenster anlegen

Auflaufende Zuckerrüben oder in anderen für Schneckenfrass gefährdetet Frühjahrskulturen müssen jetzt unbedingt Schneckenkontrollfenster angelegt werden. Dazu sind nur Köder mit den Wirkstoff Metaldehyd geeignet, weil verschleimende Schnecken gezählt werden können. Köder auf Eisen-III-phosphat sind dafür nicht geeignet, weil sich die Schnecken nach der Köderaufnahme im Boden verkriechen. Die bevorstehende Feuchtephase wird die Schnecken begünstigen. Sie verharren nicht wie die Glanzkäfer in einer Kältestarre, sondern sind bereits bei Temperaturen über 0°C aktiv, wenn auch etwas weniger als bei 10-15°C.

Frühjahrssaaten Schnecken Schädlinge
Schneckenkontrollfenster in den frisch gesäten Rübenparzellen jetzt anlegen. Foto: Strickhof

 

Raps

Rapsglanzkäfer

Mit der Tag-und-Nacht-Gleiche um den 20. März hat die Vegetationsdynamik im Raps massiv an Fahrt aufgenommen. In den meisten Parzellen strecken sich die Sprossachsen nun zügig, wobei die Blütenknospen am Haupttrieb die obersten Blätter bereits überragen. Damit ist das kritische Stadium DC 53 erreicht. Da der Rapsglanzkäfer die Knospen schädigt um an die nahrhaften Pollen zu gelangen, ist die regelmässige Überwachung der Bestände ab jetzt unerlässlich. Sobald die gelben Blütenblätter sichtbar werden, verliert der Käfer seinen Status als Schädling und wird zum nützlichen Bestäuber. Bis dahin gilt es jedoch, die Bekämpfungsschwellen (BKS) präzise zu ermitteln.

Raps Schädlinge
Vereinzelte «Frühblüher» können vor einem Insektizideinsatz noch händisch entfernt werden, um eine Gefährdung von Bestäubern auszuschliessen. Foto: Strickhof

 

Monitoring und Bekämpfungsschwellen

Für eine verlässliche Entscheidungsgrundlage ist das reine Schätzen im Vorbeigehen unzureichend. Die Ermittlung der BKS erfolgt mittels der Abklopfmethode. Dabei sollten pro Parzelle an fünf Stellen jeweils zehn Pflanzen einzeln in ein helles Gefäss (z. B. ein Leckstein-Becken oder einen Karton) abgeklopft werden. Wichtig ist, nicht nur die dominanten Haupttriebe zu betrachten, sondern auch alle Seitenknospen auszuschütteln, da die Schadschwelle für die gesamte Pflanze gilt.

Die Toleranzgrenzen variieren je nach Vitalität und Stadium:

  • Stadium DC 53–55: 6 Käfer pro Pflanze bei frohwüchsigen Beständen; 4 Käfer bei schwachen Beständen.
  • Kurz vor der Blüte: Bis zu 10 Käfer pro Pflanze sind tolerierbar.
Raps Schädlinge
Sobald die Mehrheit der Blütenknospen am Haupttrieb die obersten Blätter überragen, ist DC 53 erreicht und der Glanzkäfer rückt in den Fokus.Foto: Strickhof

 

Witterung und Wirkungsweise der Insektizide

Der Erfolg einer Behandlung hängt massgeblich von den meteorologischen Bedingungen ab. Während uns die Bise in den vergangenen Tagen oft aus Gründen der Abdrift an der Applikation hinderte, sind es aktuell die sinkenden Temperaturen, welche die Wirksamkeit einschränken. Da die gängigen Insektizide eine ausgeprägte Kontaktwirkung besitzen, müssen sie in die Phase der höchsten Käferaktivität gespritzt werden – idealerweise an sonnigen Nachmittagen bei Temperaturen um 15 °C.

Sonderbewilligungsfreie Wirkstoffe wie Acetamiprid (z. B. Gazelle SG) oder Spinosad (z. B. Audienz, Elvis) setzen zudem eine aktive Frasstätigkeit voraus. Sinken die Temperaturen unter 9 °C, verharren die Käfer in einer Kältestarre tief in den Knospen, was die Aufnahme des Wirkstoffs verunmöglicht. Im Rahmen des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) darf zudem das sonderbewilligungspflichtige Pyrethroid Blocker frühestens dann als «Ultima Ratio» eingesetzt werden, wenn ein alternatives Mittel zuvor keine ausreichende Wirkung erzielt hat.

 

Optimierung der Spritzbrühe und UV-Schutz

Um die Kontaktwirkung zu maximieren, ist eine Wasseraufwandmenge von mindestens 300 l/ha sowie der Zusatz eines Netzmittels dringend empfohlen. Insektizid-Wirkstoffe, insbesondere Spinosad, sind empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Additive auf Basis von Kiefer-Terpenen (z. B. Heliofix, Heliosol) oder die Kombination mit Schwefel-Blattdüngern (z. B. Sulfix, Sulfo S) können hier einen wertvollen Schutzfilm bilden, der die Wirkungsdauer verlängert, das gilt auch bei Gazelle SG oder Blocker. 

Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Wasserhärte, insbesondere bei der Kombination mit Bor-Blattdüngern. Bor hebt den pH-Wert der Spritzbrühe in den alkalischen Bereich an, was zu einem schnellen Abbau (Hydrolyse) vieler Insektizid-Wirkstoffe führt.

 

Das richtige Mischverfahren in der Praxis

Für eine optimale Stabilität der Wirkstoffe sollte die Spritzbrühe vorkonditioniert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Wirkstoffe ihr volles Potenzial entfalten können, bevor sie durch kalkhaltiges Wasser oder UV-Licht deaktiviert werden. 

Wir empfehlen folgende Vorgehensweise:

  1. Vorbereiten: Tank zu ca. 80 % mit Wasser füllen.
  2. Konditionieren: Ansäuern des Wassers. Für Acetamiprid oder Spinosad reicht meist aufgelöstes Ammonsulfat aus, um einen pH-Wert von 6,0 zu erreichen. Dies liefert bei Acetamiprid gleichzeitig einen wertvollen Stickstoff-Push für die systemische Aufnahme. Bei Pyrethroiden ist ein Absenken auf pH 5,0 mittels spezialisierter pH-Puffer (z. B. Checkpoint oder pH-Korrekt) ratsam.
  3. Reaktionszeit: Circa 5 Minuten warten, bis die Härtebildner (Kalzium- und Magnesium-Ionen) im Wasser neutralisiert sind.
  4. Zugeben: Erst jetzt das Insektizid beigeben, gefolgt vom Netzmittel.
  5. Abschluss: Bor-Blattdünger erst ganz am Schluss hinzufügen und die Brühe umgehend ausbringen.

 

Fazit

Aktuell gilt es bei der Glanzkäferkontrolle, die Kaltwetterperiode abzuwarten. Bestimmen Sie danach konsequent die Schadschwelle und prüfen Sie, ob der Bestand noch nicht blüht. Eine allfällige Behandlung erfolgt nur unter Idealbedingungen: Wasser ansäuern, Netzmittel beigeben und gezielt in die Aktivität der Käfer spritzen.

 

Düngung

Neues aus der Weizen-Düngung

Die Weizenbestände am Strickhof haben sich in den letzten Wochen gut entwickelt und die Bestockungsphase ist weitestgehend abgeschlossen. Damit steht demnächst die zweite Gabe an, die die weitere Bestandesentwicklung entscheidend prägt. Dabei empfehlen sich N-Mengen von 50 bis 80 kg je ha. Bei schwach entwickelten Beständen darf die N-Gabe etwas grösser und tendenziell höher ausfallen, um die Triebe zu erhalten, während gut bis üppig bestockte Bestände verhalten gedüngt werden sollten. Das Ziel für einen optimalen Ertrag im Winterweizen sind dabei 500 bis 700 gut entwickelte Triebe pro m2. Mit Hinblick auf die aktuell angespannte Lage am Düngermarkt lohnt es sich, etwas Zeit in einen Feldrundgang zu stecken und die Parzellen genauer zu inspizieren. Die Bestandesdichte lässt sich einfach durch auszählen mehrerer repräsentativer Reihen auf einer definierten Länge ermitteln. Beträgt der Reihenabstand beispielsweise 12.5 cm, entspricht ein laufender Meter einer Fläche von 0,125 m². Die gezählten Triebe pro Meter werden daher mit dem Faktor 8 multipliziert um die Triebe pro m² zu erhalten. So lässt sich der Düngebedarf besser einschätzen und gegebenenfalls anpassen.  Der optimale Zeitpunkt für die zweite Gabe liegt zwischen BBCH 30 und 32. Dazu wird ein Trieb mit einem spitzen Messer der Länge nach aufgeschnitten. Wenn die Entfernung zwischen Ährenspitze und Bestockungsknoten über 1 cm beträgt, hat der Weizen BBCH 30 erreicht. Der Weizen auf dem Bild befindet sich dementsprechend in BBCH 29 und am Strickhof wird deswegen noch etwas mit der zweiten Gabe zugewartet. Mit Hinblick auf die kommende kühle Wetterperiode wird es dafür wohl erst nach Ostern soweit sein.

Düngung Weizen
Weizentrieb in BBCH 29. Die Ährenspitze ist weniger als 1 cm vom Bestockungsknoten entfernt. Bild: M. Baur

 

Biolandbau

Striegelintensität an den Bestand anpassen

In der ersten Märzwoche herrschten vielerorts ideale Bedingungen für das Striegeln im Getreide. Abgetrocknete Böden und gut entwickelte Bestände ermöglichten auch intensive Durchgänge zur mechanischen Unkrautregulierung.

Dabei zeigte sich, wie entscheidend der Entwicklungsstand der Kultur für die Einstellung des Striegels ist. Ein früh gesäter Dinkelbestand (Anfang Oktober) hatte bereits mehrere Bestockungstriebe gebildet und erwies sich als deutlich robuster gegenüber mechanischer Belastung. Hier wurde versuchsweise mit höherer Geschwindigkeit von etwa 8 km/h statt 5 km/h sowie mit steiler eingestellten Zinken gearbeitet. Denn in diesem weiter entwickelten Bestand waren auch die Unkräuter bereits deutlich fortgeschritten, was die Wirkung des Striegels teilweise verminderte.

Im Gegensatz dazu befand sich ein später gesäter Dinkel (Mitte Oktober) erst im Dreiblattstadium und begann gerade mit der Bestockung. Dieser Bestand reagierte empfindlicher, insbesondere bezüglich Verschüttung der Getreidepflanzen. Hier wurde eine reduzierte Geschwindigkeit und eine flachere Zinkeneinstellung gewählt. Gleichzeitig waren die Unkräuter in diesem Bestand noch weniger weit entwickelt und konnten dadurch vom Striegel besser erfasst und wirksamer reguliert werden.

Diese Unterschiede verdeutlichen: Entscheidend ist nicht das Datum, sondern die Entwicklung von Kultur- und Unkraut. Der Striegel muss situativ eingestellt werden.

Biolandbau Striegeln
Bestockter Dinkel wurde am 6. März versuchsweise intensiv gestriegelt. Bild: Johannes Röllin, Strickhof
Biolandbau Striegeln
Dinkel am 22. März: Bestand zeigt eine gute Regeneration. Bild: Johannes Röllin, Strickhof

 

Passende Bedingungen für zweiten Striegeleinsatz

Mit dem ersten Striegeleinsatz ist die Unkrautregulierung im Frühjahr noch nicht abgeschlossen. Mechanische Bodenbearbeitung wie das Striegeln regt die Keimung weiterer Unkrautsamen an. Diese Keimwelle kann gezielt genutzt werden.

Im Idealfall folgt etwa ein bis zwei Wochen nach dem ersten Durchgang ein zweiter, leichter Striegeleinsatz. Dabei werden neu aufgelaufenen Beikräuter erneut gestört, bevor sie konkurrenzstark werden.

In diesem Jahr war ein solcher zweiter Durchgang vielerorts gut möglich und wurde je nach Standort um den 20. März durchgeführt. Dabei war ebenfalls die Voraussetzung, dass die Böden ausreichend abgetrocknet und tragfähig waren.

Der zweite Einsatz kann in der Regel etwas schonender erfolgen als der erste. Ziel bleibt, die Unkräuter zu stören, ohne die Kultur unnötig zu belasten.

Biolandbau Striegeln
Frischgekeimte Unkräuter rund eine Woche nach dem ersten Striegeleinsatz. Bild: Johannes Röllin, Strickhof

 

PDF: Pflanzenbau News Strickhof vom 25. März 2026